Früher waren Ostermärsche noch Massenkundgebungen, inzwischen sind es ein paar verlorene Häufchen, die für den Weltfrieden auf die Straße gehen. Kein Wunder, wenn die Aufreger fehlen.
Haben Sie auch die Ostermärsche fast übersehen? Es waren kleine Grüppchen von ein paar hundert, in Einzelfällen wie der Demo gegen das Brandenburger Bombodrom auch ein paar tausend versprengte, verlorene Häufchen, die da für den Weltfrieden auf die Straße gingen. Kein Vergleich zu den Massenkundgebungen, zu denen mich einst meine Eltern mitgeschleppt haben oder zu den Mega-Meetings, welche die Friedensbewegung in Bonn und anderswo mobilisieren konnte.
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Früher brachten Ostermärsche Hunderttausende auf die Straße - heute sind es ein paar verlorene Häufchen. (© Foto: Reuters)
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Die Erosion der Friedensbewegten hält schon seit Jahren an. Doch diesmal, dachte ich, hätte doch Obamas neue Abrüstungsrhetorik einen angemessenen Aufhänger geboten. Zumindest zusammen mit Afghanistan, Pakistan, Irak, Iran - woher die abendlichen Nachrichtenbilder auch immer kommen mögen. Aber ich habe mich geirrt: Krieg als Massenmobilisator, das funktioniert nicht mehr.
Auseinandersetzungen laufen im Netz ab, nicht mehr auf der Straße
Wenn es bei Verdi um acht Prozent geht, raffen sich die Leute vielleicht noch auf. Aber Auseinandersetzungen, bei denen man sich unsicher ist? Wer ist nun wirklich im Nahost-Konflikt, in Afghanistan im Recht? Genügt es, die Tibeter einfach in die Freiheit zu entlassen? Solch diffizile Fragen locken nur ganz Hartgesottene hinter dem Wohlstandsofen hervor.
Im Internet, immerhin, da toben die Auseinandersetzungen. Wobei man allerdings, etwa im Falle Tibet, den Eindruck nicht los wird, dass sich hier Jubel-Chinesen im Staatsauftrag mit PR-Profis der CIA duellieren.
Insgesamt scheint Krieg und Unterdrückung nichts mehr zu sein, worüber sich eine mehr als unerhebliche Menge Menschen in Deutschland aufregen mag oder kann. Das ist bewerkenswert, weil kein Nachrichtentag vergeht, an dem nicht über Todesopfer an einem der Welt-Krisenherde berichtet wird, bevor wir zu "Germany`s next Top-Model" oder "Stirb langsam" umschalten.
Und das ist besonders bemerkenswert, weil seit ein paar Jahren auch Deutsche wieder im Dienst am Vaterland ihr Leben lassen, und sei es am Hindukusch.
Die meisten von uns sind abgestumpft
Woran das Desinteresse liegt? Zwei Faktoren fallen mir ein, die eine Rolle spielen. Der eine liegt in der Tatsache, dass der medial vermittelte Krieg zum Alltag gehört und die meisten von uns abgestumpft sind gegenüber der dreihundertfünfundsechzigsten Meldung über Opfer in Israel und Palästina, Pakistan, dem Sudan und Afghanistan.
Diese Schauplätze sind weit weg von unseren Häusern und Familien. Was dort geschieht, wie furchtbar es auch sei, berührt uns nicht mehr wirklich.
Der zweite Faktor ist die nicht mehr vorhandene Kultur des Aufregens: Wer Krieg und Unterdrückung anprangert, gilt schnell als Pazifist oder riecht schal nach dem "Wort zum Sonntag".
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/dmo)
Schon die drei Worte der Ueberschrift bringen mich ins Gruebeln:
es klingt nach einer Aufforderung, aber hat kein Ausrufungszeichen, und mit welcher Menschenkette kann man reden und um was fuer Ketten handelt es sich da?
Ausserdem habe ich den stillen Verdacht, dass der Autor die Aufforderung mit der Betonung auf dem ersten Wort meint - er legt dann aber dar, dass es dieser Aufforderung wohl gar nicht mehr bedarf.
Dass sich nicht mehr viele zum Protest gegen den Krieg aufraffen koennen, der ja doch irgendwie weiter weg ist und uns (Gott sei Dank) schon immer laenger nicht mehr so direkt betrifft, kann ich ja noch irgendwie nachempfinden - viel mehr wundert mich, dass andere Dinge auf so wenig Widerstand treffen, wie zB die fast woechentlichen Geldverbrennungen oder die staendig demonstrierte Haltung der meisten Politiker als ausfuehrende Organe der Industrie, dafuer aber wollen angeblich 51% Frau Merkel als Kanzlerin und 16% die FDP waehlen! Bei diesem Wahnsinn verschlaegt es sicher manchem das letzte Fuenkchen Aufmuepf-Willen!
mein Blick ist nur der eines Friedensbewegten, der regional agiert und ich habe mir keinen Überblick verschafft über die gesamten Aktivitäten der Ostermärsche. Ich stelle aber immer wieder fest, dass ich mich von vieler Kritik nicht getroffen fühle:
Zum sozialen Frieden:
In Frankfurt hielt eine Gewerkschafterin eine ausführliche Rede über Finanzkrise und mögliche Auswirkungen auf den sozialen Frieden.
In Mainz hatten wir gleich zwei RednerInnen, die dies u.a. zum Thema hatten - Bundeswehr im Innern: Werner Rätz (Attac), Rüstung und Sozialabbau: Ellen Weber (VVN-BdA).
Zur Einseitigkeit:
Themen wie Russland und Georgienkrieg stehen natürlich auf der Agenda der Friedensbewegung. Wir haben im Februar einen Vertreter der russischen Friedensbewegung für eine Veranstaltung eingeladen. Wir versuchen mit den Friedensbewegungen in allen Ländern zusammenzuarbeiten, mal gelingt dies besser, mal schlechter. Wir arbeiten auch mit Exiliranern zusammen, die i.d.R. auch eher schlechtes vom Iran zu berichten wissen.
Als Bewohner eines demokratischen Staates ist natürlich mein Bestreben in erster Linie gegen Fehlentwicklungen der BRD etwas zu sagen. Merkel sollte mich vertreten. Ich kann aber nur sehr indirekt darauf Einfluss nehmen, dass der Antisemit Achmadinedshad an Macht verliert. Wir versuchen also in erster Linie vor unserer eigenen Haustür zu kehren.
Bei den Rüstungsexporten steht die BRD momentan an dritter Stelle. Man müsste jetzt eigentlich zuerst die USA, dann Russland und dann erst die BRD deswegen kritisieren. Einfluss kann ich aber in erster Linie auf die Politik hier nehmen.
Natürlich freue ich mich nicht darüber, dass die Friedensbewegung zahlenmäßig kleiner geworden ist. Es gibt aber für mich einen positiven Aspekt: In den 80er Jahren war die Friedensbewegung sehr stark eine "Angstbewegung" (NATO-Doppelbeschluss usw.). Heute ist sie es kaum noch - das finde ich erfreulich. Angst versperrt oft den Blick für eine richtige Analyse.
Was mich oft verwundert: Ich habe den Eindruck, dass viele Kritik an der Friedensbewegung aus den 80ern kommt und dass viele Kritiker es seitdem unterlassen haben, nochmal hinzuschauen, aber ständig die gleichen Vorurteile und Anklagen gegen die Friedensbewegung von sich geben - so als wären wir im kalten Krieg.
daß dieser Unsinn aufhört.
Kannst Du bitte richtig lesen, bevor Du aus der anonymen Deckung draufhaust? Degler gibt eine dritte Position in indirekter Form (Passiv!) wieder, zu der er selbst eine neutrale Haltung bewahrt. Wenn Du Deinen Frust schon loswerden mußt, dann an der richtigen Adresse (und mit angemessenen Worten, aber das sagen Dir Deine Diskussionspartner dann schon, kannst Dich drauf verlassen!), also nicht bei Degler. Mann eh...
demonstrieren.
Wird da gegen die iranischen Atomwaffenpläne auf die Straße gegangen? Steht Rußland nach dem Georgienkrieg im Fokus? Vielleicht die nordkoreanischen Raketentests?
Nein, es geht gegen die NATO und gegen die USA. Wie schon immer, jedenfalls so lange ich mich zurückerinnern kann.
In der Bibel heißt es: Du siehst den Splitter im Auge deines Bruders aber nicht den Balken vor deinem Kopf.
Die Ostermarschierer schaffen es, diesen Spruch umzukehren. Nicht die Menschenrechtsverletzungen und Bomben der Taliban werden angeprangert, sondern der Westen, der sich dagegen einsetzt. Und so weiter und so weiter.
Würde es in Afghanistan vielleicht besser aussehen, wenn die NATO nicht da wäre?
War die Welt vor den Atomwaffen ein so viel besserer und friedlicher Ort als jetzt (zur Erinnerung: Weltkriege vor Entwicklung der Atomwaffen: 2 Weltkriege nach Entwicklung der Atomwaffen: 0).
So lange die Ostermärsche die ideologische Scheuklappe zu ihrem Prinzip machen, werde ich bestimmt nicht hingehen.
Paging