Von Dieter Degler

Nach den Vorwahlen in Oregon und Kentucky hat Barack Obama beste Aussichten, John McCain herauszufordern. Die Chancen, der nächste Präsident der USA zu werden, stehen gut für ihn. Die interessante Frage: Wird die Ex-First Lady Hillary Clinton zur Second Lady?

Hillary Clinton hat sich aus dem Rennen gesiegt: Ausgerechnet bei den Vorwahlen der Demokraten in Kentucky, wo sie ihren Mitbewerber Barack Obama mit 65 zu 30 Prozent eine deutliche Niederlage im Kampf um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat beibrachte, fuhr ihr Konkurrent seinen größten Erfolg ein: Getrieben von einer hochklassigen Wahlkampfmaschine und getragen von Jungwählern, Farbigen, der Oberschicht und vielen Intellektuellen, überschritt er die Grenze zur absoluten Mehrheit aller bei Primaries und Caucuses nominierbaren Delegierten und liegt nun uneinholbar vor der ehemaligen First Lady.

Bild vergrößern

Zwei Senatoren als mögliche Konkurrenten: John McCain (li.) und Barack Obama. (© Foto: AP)

Anzeige

Clinton hat zwar landesweit die wichtige weiße Unter- und Mittelschicht erobert, die Schlacht insgesamt aber verloren. Sie mag noch auf die Superdelegierten hoffen, doch die dürften sich auf dem Parteitag in Denver kaum gegen den erklärten und ausgezählten Willen der Wählerbasis wenden. Wenn dem Clinton-Clan nicht noch ein Wunder widerfährt, heißt der künftige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Barack Obama - oder John McCain.

Der Nächste, der ein Wunder gebrauchen könnte, ist John McCain. Denn Obama und die Demokratische Partei liegen in öffentlicher Meinung und Bürgerstimmung vorn. Und dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Zwar ist der republikanische Kandidat nicht zu unterschätzen: Auch wenn er in vielen Fragen (Irak, Iran, Abtreibung, Rechtssystem) einer Meinung mit dem amtierenden Präsidenten ist, so gilt er doch in fast ebenso vielen Punkten als Außenseiter in seiner Partei. McCain umwirbt die Hispanics, er fordert einschneidende Maßnahmen gegen die befürchtete Klimaveränderung, er beschimpft die Regierung für ihr Versagen bei der Flutkatastrophe in New Orleans, und er vertritt eine liberalere Steuerpolitik.

Doch ein ungeschriebenes Gesetz amerikanischer Präsidentschaftswahlen lautet: Eine Partei stellt den Präsidenten für maximal zwei Legislaturperioden, danach kommen wieder die anderen dran. Ein paar Ausnahmen gab es vor dem Krieg, seither nur eine: Der Republikaner Ronald Reagan war so beliebt, dass die Amerikaner mit George Bush sich zum dritten Mal in Folge für einen Republikaner entschieden.

So beliebt wie Reagan war, ist Bushs Sohn George W. mitnichten. Nur gut 30 Prozent der Amerikaner sind noch damit zufrieden, wie er seinen Job macht. Und das ist die erste und vielleicht höchste Hürde für John McCain, der die republikanische Macht im Weißen Haus retten soll.

Auch wegen dieser Regel war Obamas Slogan "Change", Veränderung, brillant gewählt: Er funktioniert gegen die zum Washingtoner Polit-Establishment gehörende Hillary Clinton ebenso wie gegen die ausgebrannten Republikaner. Denn nach acht Jahren Bush hat die große Mehrheit die Nase voll vom "Immer weiter so", genug vom Irakkrieg und genug von außenpolitischer Ignoranz gegenüber dem Rest der Welt. Auch wenn sich McCain in manchen Einzelfragen von Bush abgesetzt hat: Dieser Generalstimmung wird er sich nur schwer entziehen können.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wieso Obamas Hautfarbe John McCain kaum helfen wird.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Popstar gegen Silberscheitel
  2. Popstar gegen Silberscheitel
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...