Die Lebensmittelpreise steigen weiter, die Welthungerkrise wird immer schlimmer. Einige Vorschläge für jeden, der sich nicht mit dem Tod von Millionen Menschen abfinden will.
Nein, so unfassbar wie österreichische Keller-Kriminalität ist es nicht - es ist unvergleichlich schlimmer: Jeden Tag verhungern weltweit mehr Menschen, eingesperrt in ihre Armut, umgeben von Welthandelsmauern, dem Stacheldraht von Getreide-Spekulanten, dem pseudo-ökologischen Wahnsinn von Transport- oder Umweltministern und anderen politischen Demarkationslinien.
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Helfer verteilen in Pakistans Hauptstadt Islamabad Reis an hungernde Menschen. (© Foto: AFP)
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Deshalb stand erst vor zwei Wochen an dieser Stelle ein Text über einige Ursachen der aktuellen Preisexplosionen bei Lebensmitteln und die mit ihnen einhergehende Welthungerkatastrophe.
Seither hat sich die Lage noch einmal verschlimmert: Trotz einer Rekordernte von mehr als zwei Milliarden Tonnen im Jahr 2007 ist die Hungerkrise in mittlerweile 37 Ländern der Welt akut, am Dienstag schlug UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Alarm und forderte ein Notprogramm für die Hungerleider der Welt.
Natürlich könnte man meinen, dass Länder wie die Bundesrepublik, die ein Milliardenloch bei der IKB wegsteckt wie fast nix, oder Länder wie die Vereinigten Staaten, die das Bear-Stearns-Desaster reparieren, als sei es Routine, auch mit dem Welthunger fertig werden.
Doch von alleine werden sie das kaum tun, und deshalb sollten jeder Einzelne ernsthaft prüfen, was er unternehmen kann, um das Leben der Ärmsten zu retten. Nein, man kann nicht rund um die Uhr an dieses Thema denken, aber man kann etwas tun, und man sollte etwas tun - gerade, wenn man das Glück hatte, in Mitteleuropa geboren zu sein oder hier zu leben. Ein paar Beispiele:
Auf Fleisch verzichten
Erstens: Schreiben Sie an Ihren Europaabgeordneten. Er soll sich dafür einsetzen, dass der in England seit zwei Wochen gesetzlich verordnete Wahnsinn, dem Benzin höhere Bio-Anteile beizumischen, nicht auf ganz Europa übergreift. Von den gut 2,1 Milliarden Tonnen Getreide, die 2007 weltweit geerntet wurden und dieses Jahr verbraucht werden, wandern rund 100 Millionen Tonnen in die Tanks von Transportmitteln. Das Getreide für eine Tankfüllung mit Bio-Treibstoff könnte einen Menschen ein Jahr lang ernähren.
Zweitens: Gehen Sie auf die Website der globalen Bürgerinitiative Avaaz und unterzeichnen Sie die Petition an die Führer der G8-Staaten, der EU und der UN für kurzfristige und nachhaltige Aktionen gegen den Welthunger.
Drittens: Wenn Sie können, spenden Sie an die Welthungerhilfe oder eine andere Hilfsorganisation Ihres Vertrauens.
Viertens: Schränken Sie Ihren Fleischkonsum ein. 760 Millionen Tonnen der Weltgetreideernte wandern in die Mägen von Schlachttieren statt den Hunger von Menschen zu lindern. Ob Sie es gut finden oder nicht: Wenn es um den Welthunger geht, sind Vegetarier die besseren Menschen.
Tun Sie etwas. Jetzt.
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(sueddeutsche.de/woja/cmat)
sondern wiederholt das immer wieder falsche pauschale Vorurteil gegen die Biokraftstoffe.
Tatsächlich ist hier Differenzierung angesagt. - Erstens muß unterschieden werden zwischen Bioethanol, der als Ersatz für Normalbenzin getankt wird (s. Beitrag von joss) und Biodiesel, der als Diesel z. Zt. vor allem in Nutzfahrzeugen verwendet wird und hier durchaus sinnvoll ist und bleibt.
In Europa wird Biodiesel vorwiegend aus Rapsmethylester hergestellt. - Das Raps in Europa für die weltweite Lebensmittelknappheit verantwortlich sein soll, ist eines der Ammenmärchen, die uns in letzter Zeit immer wieder aufgetischt werden. Hier muß man auch die Frage stellen, wem nützt dieses gezielte Desinformieren ?
Es muß ausserdem ein Stopp des EU - Imports von US- Biotreibstoff her, der vorwiegend aus Mais hergestellt wird.
Auch an einem anderen Punkt hat die EU schon reagiert und wieder mehr Anbauflächen für Getreide freigegeben, die vorher stillgelegt waren.
Dass zuviel Getreide für die Rinder - und Schweinezucht verwendet wird, das ist allerdings auch richtig.
Das Schwellenland Brasilien z.B. produziert seit Mitte der 70er Jahre Bioethanol aus Zuckerrohr. Im Jahr 2008 vmtl. ~ 27 Mrd Liter.
Handelt Brasilien deswegen unmoralisch?.
Die deutsche SÜDZUCKER AG hat ~185 Mill. Investitionssumme in den Bau eines Bioethanolwerkes in Zeitz in Sachsen-Anhalt gesteckt.
Dieses Werk benötigt ~700 Tsd t Weizen/Jahr, zuzüglich ~ Mill. t Zuckerrüben im Annex-Werk.
Diese Riesen-Investition tätigte SÜDZUCKER aufgrund der rot-grünen Umweltpolitik.
Die Debatte "Teller oder Tank" war noch nicht erkannt.
Stattdessen wurden Zucker-Flächenstilllegungen propagiert und subventioniert.
Dabei ist der Unterschied im Flächenbedarf zwischen Getreide und Zucker bei der Bioethanolerzeugung evident: ~ 1 : 3 für die Rübe.
Der Ertrag von 1 ha Getreide ergibt 2,5m³, bei Rüben 6,6m³ Bioethanol.
Es wäre also durchaus "Teller u n d Tank" möglich, insbesondere zu höheren Preisen, bei denen auch Entwicklungs- und Schwellenländer rentierliche Anbaubedingungen hätten.
Wenn die Länder, in denen Mangel herrscht, nicht mehr mit Billig-Getreide zugeschüttet werden, wird über anfängliche Substitutionswirtschaft der Anbau von Getreide auch wirtschaftlich lohnen. Die dauerhafte Alimentierung ist jedenfalls kein tragfähiges Konzept.
Deglers "Viertens" kann ich nur zustimmen.