Statt ein Konjunkturpaket zu schnüren, verlieren sich die Parteien in einem fiskalischen Streit. Deutschland braucht zwar eine grundsätzliche Steuerreform - doch dafür braucht es Zeit.
Eines hat die CSU mit ihrer mantrahaft vorgetragenen Forderung nach einer Steuersenkung erreicht: Sie vermittelte den Eindruck, im Kern des Konjunkturpakets ginge es um die Steuern. Das ist ebenso bedauerlich wie falsch. Denn nicht zuletzt die Steuerreform der rot-grünen Bundesregierung, die mit Zustimmung der Union zustande gekommen war, hat bewiesen, dass niedrigere Einkommenssteuersätze keine schnelle Wirkung auf die Konjunktur entfalten.
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Die Vorsitzenden der beiden größten Parteien: SPD-Chef Franz Müntefering und CDU-Chefin Angela Merkel (© Foto: dpa)
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Nun aber wird dank der CSU Mitte Januar, wenn über das milliardenschwere Projekt entschieden ist, Erfolg und Niederlage an der Frage gemessen, wer sich im Steuerstreit durchgesetzt hat.
Die SPD hat sich lange und zu Recht gegen solch eine Debatte gewehrt, länger als die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Doch jetzt tappt auch sie in die Falle. Zur Finanzierung eines Infrastrukturprogramms für die Kommunen, das zwischen den Parteien längst unumstritten und als Schutz von Arbeitsplätzen das wahrscheinlich beste Rezept ist, schlägt sie Steuererhöhungen vor. Für zwei Jahre sollen Spitzenverdiener eine Art Solidarbeitrag für Deutschlands Weg aus der Krise leisten.
Auch wenn es die SPD nicht beabsichtigt - aus dieser Idee wird neuer Zwist erwachsen, der die übrigen, weitaus wichtigeren Vorschläge ihres Konzepts überschattet. Aus Sachfragen drohen Machtfragen zu werden. Nun geht es nicht mehr nur darum, wie weit sich die CSU in ihrer Auseinandersetzung mit der CDU durchsetzt. Nun wird auch der Erfolg der SPD und ihres Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier in Euro und Cent taxiert. In einer wirtschaftlich äußerst ernsten Lage wird der eine oder andere so tun, als hinge von vergleichsweise minimalen Änderungen der Steuersätze die Zukunft des Landes ab.
Weitgehende Steuerreform ist nötig
Natürlich braucht Deutschland eine Steuerreform, mit Entlastungen vor allem für all jene, die wenig oder durchschnittlich verdienen. Eltern und Alleinerziehende benötigen mehr Geld als Kinderlose; wer immer ein Familiensplitting durchsetzen sollte, wird sich um das Land verdient machen. Und wenn das deutsche Gesundheitssystem auf wirklich feste Füße gestellt wird und über die Grenzen von Bundesländern hinweg mehr Geld in die Bildung fließen soll, dann ist den Spitzenverdienern ein Sonderbeitrag zuzumuten.
Eine grundsätzliche Steuerreform allerdings braucht Zeit, jedenfalls mehr Zeit, als der großen Koalition in ihrer letzten Lebensphase zur Verfügung steht. Ein Konjunkturprogramm ist der falsche Anlass, um nach parteiischem Interesse einen symbolischen Schritt in die eine oder andere Richtung zu gehen. Die Steuerreform ist eine der ersten großen Aufgaben der nächsten Bundesregierung. Bis dahin sollten alle Seiten darauf verzichten, an den Steuersätzen zu fingern. Stattdessen sollte die Koalition überlegen, was Arbeitsplätzen, Arbeitnehmern und damit den Steuerzahlern tatsächlich nützt.
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(SZ vom 5./6.1.2009/mati)
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Ich hätte gerne das Steuerrecht von 1998 mit 53% Spitzensteuer zurück. Damals hätte ich mir als Spitzensteuerzahler einfach eine Eigentumswohnung gekauft, diese vermietet und hätte meine Steuerlast über die Ausgaben für Zinsen nebst der Abschreibung für Abnutzung dennoch verringert.
Der Spitzensteuersatz sagt gar nichts aus, was aussagekräftig ist ist der reale Steuersatz gemäß Steuerstatistik. Und dieser lag damals wie heute nach meinem Kenntnisstand bei ca 35 bis 37%.
es ist ja schon bemerkenswert, daß ein Mitglied der SZ Wirtschaftstredaktion ein einst so verpöntes Konzept wie "Konjunkturprogramme" fordert. Konjukturprogramme, das war Keynes, und das war megaout! Bei Steuererhöhungen für Gutverdienende hört der Spaß aber auf. Darf ich daran erinnern, daß es nicht die betrügerischen Sozialhilfeempfänger oder die Luxus- Mallorcarentner waren, die, wie hier oft behauptet, uns in dieses Schlamassel gebracht haben, sondern genau die superverdienende und alles besser wissende Elite! Zur Erinnerung: Der Spitzensteuersatz wurde von 53% (1998) auf sage und schreibe 42% (2007) gesenkt. Für Leute, die ohnehin mehr Geld haben, als sie verbrauchen können. Dieses überflüssige Geld wanderte staatlich gestützt in die Spekulation. Gleichzeitig wurde die Mehrwertsteuer erhöht. Liebe Frau Höll, daß Sie für die Reichen (pardon Leistungsträger) eintreten, sind wir gewöhnt. Aber, können nicht auch Sie mal dazulernen angesichts der größten Wirtschaftkrise ( wenn man Ihren Freunden glauben darf) seit Bestehen der BRD? Meine Wirtschaftsexperten ( in den Blättern, Nachdenkseiten, Jahnke) sagen, daß generell die Entlastung der unteren Lohngruppen die wirksamste Möglichkeit zur Bekämpfung der Krise ist, da nur sie in großem Umfang zr Stärkung der Kaufkraft führen würde. Die Krise ist hauptsächlich auf den Zusammenbruch der Kaufkraft zurück zu führen. Dank der Niedriglöhne weltweit. Die Banken zu päppeln ist rausgeschmissenes Geld.
Wie gesagt, als alternativlos betrachte ich persönlich die tiefgreifende Umorganisation der Gesellschaft nach Fourier und dem Prinzip der Dezentralität: Der Staat besteht aus kleinen, autonomen Zellen, ohne aufgeblähte Zentralbürokratie. Städebauliches Vorbild: Die Linzer Solar-City.
Natürlich wäre das am besten geeignete Wirtschaftssystem die Freiwirtschaft nach Silvio Gesell.
Das wäre ein "dritter Weg". So könnte man es machen.
Solange aber Karrieristen und Kapitalsiten das Sagen haben, steuert die gegenwärtige Gesellschaftsform unweigerlich auf ihren Zerfall zu. Auf diese "natürliche" Weise wird dann zwar auch das Prinzip der Dezentralität durchgesetzt, aber auf Plumpsklo-Niveau.
Die einzige vernünftige Lösung ist die Abschaffung des Zinseszinssystems. Diese sorgt nämlich für eine exponentiell wachsende Geldmenge, während der Wirtschaft Grenzen gesetzt sind. Dies führt im Endeffekt zu einer Ungleichverteilung von Geld und zu schweren Krisen. Vorläufer davon sehen wir gerade und die Verteilung wird stetig unfairer. Der Staat muss, um das System am Leben zu erhalten, neue Schulden aufnahmen, die er nie zurückzahlen kann während diese sogar durch den Zins immer größer werden. Das System funktioniert somit nicht und alles andere als sozial!
Seit dem "Super-Tuesday" in den USA haben sich auch bei uns merkwürdige Wortkreationen durchgesetzt wie "Superwahljahr" oder Ihr "Megawahljahr". Was ist so mega oder super daran, daß Landtagswahlen mit der Bundestagswahl ins selbe Jahr fallen? Sonst hat man das so hingenommen, ohne diese komischen US-basierten sprachlichen Übertreibungen.
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