Debatte um Waffen für syrische Rebellen Spiel mit dem Feuer

Gefechte in der Nähe des Flughafens von Aleppo: Ein Kämpfer der Aufständischen zielt von einem Versteck aus auf Assads Truppen.

(Foto: AFP)

Genau zwei Jahre ist es her, dass in Syrien der Aufstand gegen Assad begann. Jetzt streitet die internationale Gemeinschaft, ob Waffenlieferungen an die Rebellen nötig sind, um den Krieg zu beenden. Doch in der derzeitigen Lage aufzurüsten, ist höchst gefährlich.

Ein Kommentar von Rudolph Chimelli

Syriens Bürgerkrieg ist eine schwärende Wunde, die zu Beginn des dritten Konfliktjahres die ganze Region zu infizieren droht. Nachbarn wie der ohnehin instabile Irak, Libanon, Jordanien sind davon ebenso bedroht wie das weitere Umfeld und Israel.

Die Zukunft gleicht der Wahl zwischen Pest und Cholera. Kann Präsident Baschar al-Assad sich halten, regiert er über ein Gräberfeld. Stürzt sein Regime, kann das Land zerfallen, in Anarchie versinken. Und wie in jeder Revolution haben dann Extremisten die besten Chancen, sich durchzusetzen - in diesem Fall radikale Islamisten.

In einer solchen Lage die Rebellen aufzurüsten, ist ein Spiel mit dem Feuer. In Afghanistan und Libyen hat dies zweifelhafte Ergebnisse gebracht. Etliche der von der CIA gelieferten Stinger-Flugabwehrraketen, mit denen die afghanischen Mudschaheddin sowjetische Hubschrauber abschossen, mussten die USA später zurückkaufen, damit sie nicht zu einer Gefahr für die internationale Luftfahrt wurden.

Wer könnte heute garantieren, dass die neuen Waffen für den Aufstand nicht irgendwann in die Hände jener Kräfte geraten, deren Genossen Frankreich gerade in Mali niederzukämpfen sucht? Assads militärisch tüchtigste Feinde sind Islamisten. Und mit Sicherheit würden Russland und Iran das Arsenal des Assad-Regimes entsprechend ausbauen. Durch mehr Waffen würde der Krieg nicht gerechter, sondern noch grausamer.

Fußvolk der Revolution

Syriens Streitkräfte waren nur auf einen Angriff von außen vorbereitet. Sie können mit dem großen Hammer zuschlagen, mit Artillerie, Bombern und Panzern, haben aber kaum Kommandotruppen für einen zähen Kampf von Haus zu Haus. Das ist der wahre Grund für die schrecklichen Verluste der Zivilbevölkerung. Die Vereinten Nationen gehen von bisher 70.000 Toten aus. Glaubhafte Beobachter in Libanon fürchten, dass es zwei oder drei Mal mehr sein könnten.

Eine bislang wenig beachtete Ursache für den Ausbruch des Aufstands und für seine Dauer war eine vorausgegangene dreijährige Dürre, die Hunderttausende Menschen vom Land in die Elendsviertel der großen Städte trieb. Diese jungen Männer wurden zum Fußvolk der Revolution.

Assad ist ein skrupelloser Tyrann. Aber das war er auch schon, als ihn noch Frankreichs Präsident und Saudi-Arabiens König umarmten. Unter den Kriegsflüchtlingen sind mehr als einhunderttausend syrische Christen, die sich ins Ausland gerettet haben, weil sie nicht getötet oder verstümmelt werden wollen - aber sicher nicht aus Angst vor dem Laizisten Assad, sondern vor der unsicheren Zukunft ohne ihn. Als Teil einer Übergangslösung dürfte er dennoch nicht mehr zu gebrauchen sein. Das macht die Sache nicht leichter.

Als der junge französische Offizier Charles de Gaulle vor 80 Jahren an die Levante versetzt wurde, notierte er: In den komplizierten Orient gehe ich mit einfachen Ideen. Die Probleme der Region sind seither nur gewachsen, die Ideen zu ihrer Lösung wurden noch simpler.