Manfred Parteina vom Zentralverband der Werbewirtschaft weist die Verantwortung der Branche für Alkoholmissbrauch von Jugendlichen zurück.
Manfred Parteina ist Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft.
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Jugendlicher vor Alkoholregal im Supermarkt: Für den Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft ist die Werbung nicht verantwortlich für den Alkoholmissbrauch. (© Foto: dpa)
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sueddeutsche.de: Herr Parteina, eine Studie der Krankenkasse DAK zeigt: Je mehr Alkoholwerbung Jugendliche wahrnehmen, desto mehr trinken sie. Ist das für Sie ein nachvollziehbarer Zusammenhang?
Manfred Parteina: Das ist eine Behauptung, die in der Studie selbst relativiert wird. Es wird ja ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine zweifelsfreie Bestätigung eines Kausalzusammenhangs nicht vorliegt. Das Bundesgesundheitsministerium hat 2003 eine Studie vorgelegt, die eindeutig zu dem Ergebnis kommt, dass zwischen Werbung und Alkoholmissbrauch insbesondere bei Kindern und Jugendlichen kein solcher Zusammenhang besteht.
sueddeutsche.de: Die neue Studie müsste Sie doch eigentlich freuen. Denn sie zeigt: Werbung hat Erfolg.
Parteina: Es geht doch hier um die Verhinderung von Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen und nicht darum, ob die Werbung erfolgreich ist. Für diesen Missbrauch wird gerne die Werbung verantwortlich gemacht. Das ist eine Verantwortlichkeit, die nicht besteht, was durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten nachgewiesen ist. Daran wird auch diese Studie nichts ändern.
sueddeutsche.de: Was sind aus Ihrer Sicht die Ursachen für den Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen?
Parteina: Die zentralen Faktoren sind ganz sicher im gesellschaftlichen Umfeld zu finden, familiäre Probleme etwa oder Perspektivlosigkeit in der eigenen Lebensplanung.
sueddeutsche.de: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, musste ihren Plan eines Werbeverbotes für Alkohol fallenlassen. Jetzt fordert sie, Alkoholwerbung soll sich auf das reine Produkt beschränken und nicht mit einer emotionalen Botschaft verknüpft werden. Wie könnte so eine Werbung aussehen?
Parteina: Man kann sich das vielleicht so vorstellen, dass nur noch der Name des Produktes ohne eine Abbildung zu sehen ist. Verbunden vielleicht noch mit dem Preis und dem Hinweis, wo es käuflich zu erwerben ist. Das hätte aber mit Wettbewerb und der Funktion von Werbung nichts mehr zu tun. In der Werbung muss die emotionale Ansprache des Verbrauchers erlaubt sein, was wiederum überhaupt nichts mit missbräuchlichem Konsumverhalten zu tun hat.
sueddeutsche.de: Macht es sich die Werbewirtschaft da nicht zu einfach?
Parteina: Alkoholwerbung trägt höchstens dazu bei, dass sich Marktanteile unter den Anbietern verändern. Der Alkoholkonsum insgesamt ist sogar rückläufig, während die Werbeausgaben über die vergangenen Jahre gestiegen sind. Aus dem Auseinandergehen dieser Schere kann man schon erkennen, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Werbung und Alkoholmissbrauch nicht besteht.
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(sueddeutsche.de/gba)
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Verbote bringen nichts mehr als rahmenbedingungen: Je mehr verbote, desto reizvoller sie zu brechen, das gilt auch für alkohol an jugendliche, geschwindigkeits-beschränkungen, waffenverbote auf der Hamburger Reeperbahn, waffenexporte, kinderpronografie, usw.
Klar ist auch: Studien belegen immer das, was auftraggeber hören wollen.
Die zahlen schließlich dafür.
Warum dagegen hören wir nicht zu, wenn soziologen und psychologen zusammenhänge aufzeigen, die in der gesellschaft entstehen und denen jugendliche sich heute nur allzu gerne aussetzen?
Gruppenzwänge, selbstbestätigung, identitätsfindung, falschverstandener spaß-gedanke, veränderungen der freizeit-industrie, nicht zuletzt auch erziehung und einfluss des elternhauses sind nicht ignorierbare faktoren. Und sicher kommen auch medialen reize hinzu, wie eben alkohol-werbung.
Im grund ist es eher wie nach jedem amok-lauf: Die gründe sind vielfältig, die verbote einfältig. Aber wie ändert sich wirklich was?
Sich an die ursächlichen gründe und zusammenhänge s.o. heranzutrauen, lässt befürchten unpopulär zu werden. Das gilt für politiker, eltern, erzieher, gastwirte, geschäftsleute, kassierer gleichermaßen. Auch da setzen wieder soziologische u. psychologische wirkzusammenhänge ein. Und speziell: Wer der politiker/innen will (besonders in einem wahljahr) wirklich eingreifen?
Von maßnahmen zu wirklichen änderungen von denk- und verhaltensweisen der freizeit-und-fun-industrie/-gesellschaft oder gar gesellschaftlichen paradigmen, wie ächtung von alltags-drogen, wollen wir hier garnicht erst anfangen. Die aufschreiende, besonders passende kritik dazu kann man sich leicht vorstellen: "Es wäre es ein fass ohne boden".
Populistische verbote und medienwirksame (wenn auch unwirksame) sperrmaßnahmen auf pressekonferenzen oder "aufrüttel-reden" sind da doch der deutlich einfacherer weg. Und es kann einem keiner vorwerfen nichts getan zu haben. Nur: so lange ändert sich nichts.
Ich kann den Ausführungen von Wawerka vollumfänglich nur zustimmen. Was ist das für eine Gesellschaft, die wir uns da basteln, in der wir für jedes Problem sofort ein Verbot aus dem Hut zaubern, so als wären Verbote so eine Art Wundermittel gegen alles.
Aber der Schaden, den diese Verbotsflut langfristig in unserer Gesellschaft anrichten wird, übersteigt bei weitem den Nutzen. Eine Gesellschaft, die ihre Probleme einfach nur weg verbietet, löst kein einziges dieser Probleme, aber sie schafft ein Klima aus Mißtrauen, Denunziantentum, Ineffizienz und Angst.
Die tägliche Studienflut, die uns beweisen will, in was für einer katastrophalen Zeit wir leben, verdeckt bei manchem mittlerweile völlig die Tatsache, dass wir geschichtlich gesehen, ziemliche Glückspilze sind, die in einer Zeit leben dürfen, wie es bisher kaum eine bessere gab.
Warum gibt es eigentlich keine Studien, die mal beweisen, dass wir etwas gut und richtig machen?
Es sind die Ideale der Aufklärung, die uns Freiheit, Wohlstand und Sicherheit bringen, diese Ideale lassen sich nicht durch Verbote erhalten.
Je freier eine Gesellschaft ist und je mehr sie auf die Eigenverantwortung setzt, je besser wird sie mit den Unbilden, die das Leben so bringt, auch fertig.
Die Politik soll dabei regulieren, aber nicht diktieren.
Es kommt noch der Tag, an dem illegale Drogen billiger als die Legalen sind.
Bis auf die Polizei macht kaum jemand Werbung für illegale Drogen, und sie werden trotzdem gerne konsumiert, wenn sie den potentiellen Kunden nicht zu gefährlich oder zu teuer erscheinen.
Augustiner macht keine Werbung und ist trotzdem das beliebteste Bier Münchens.
Ich kann die ständigen Attacken der Abstinezler nicht mehr hören. Es wird seit Jahren immer weniger geraucht, also muss ein totales Rauchverbot her. Es wird weniger getrunken, also muss erst ein Werbeverbot für Alkoholika her um anschließend die Verbrauchssteuern auf alle Alkoholika zu erhöhen.
Arbeit ist gesundheitsschädlich und die Arbeitsstunden werden bei gleichzeitiger Verdichtung der Arbeit erhöht. Wenn die Einen zu viel arbeiten und die Anderen deshalb keine Jobs bekommen, sollen sie sich nicht einmal mehr das Saufen leisten können?!
Ich würde lieber Werbung verbieten, die suggeriert, dass man ein gesundes Produkt mit extra Milch oder ähnlichem bekommt, während es einfach nur süß und ungesund ist.
Während ich diesen Artikel lese blendet die SZ passenderweise Werbung für ein Weinpaket ein - und ich bekomme doch plötzlich Appetit auf ein gutes Glas Wein. Werbung funktioniert also, und dass das bei Jugendlichen anders ist ist schlicht gelogen. Ganz im Gegenteil sogar, Jugendliche sind viel empfänglicher weil unkritischer und neugieriger für alle äusseren Anreize. Natürlich würde ein Werbeverbot das Alkoholproblem nicht lösen, aber es wäre sicher ein Schritt in die richtige Richtung, d.h. der Konsum würde zurückgehen. Wäre es nicht so, würde die Industrie ja nicht so viel Geld in Werbung investieren.
Ein guter Weg ist z.B. Norwegen. Dort ist Alkoholwerbung verboten, es darf also auch nicht für das jährliche Weihnachtsbier geworben werden. Stattdessen gibt es Werbung für Weihnachtslimo, die zwar kein Mensch trinkt und auch keinen Appetit macht, aber man weiss, ab wann es Weihnachtsbier zu kaufen gibt.
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