33 Zeilen, die die Republik entzweien: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat mit einem Gastbeitrag zum Länderfinanzausgleich eine hitzige Debatte zwischen den Bundesländern losgetreten. Lediglich aus einem Bundesland kommt uneingeschränkte Unterstützung.
Mit seinem Gastbeitrag in der Bild am Sonntag hat Horst Seehofer eine hitzige Debatte um den Länderfinanzausgleich losgetreten - eine Debatte, die die Länder nun zu entzweien droht. In die, die zahlen - das sind derzeit neben Bayern noch Baden-Württemberg und Hessen. Und denen, die empfangen. Das ist der Rest der Republik.
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Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer: "Wenn man den Gastkommentar von A bis Z liest, dann wundert man sich, welche Agenturmeldungen daraus gemacht werden." (© Foto: Reuters)
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Lediglich aus Hessen kommt Unterstützung für Seehofers Forderung nach mehr Eigenverantwortung der Länder. Seehofer habe "neuen Schwung" in die Diskussion gebracht, sagt Hessens Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU).
Weimar zufolge ist die Reduzierung des Länderfinanzausgleichs (LFA) auf nur wenige Geberländer "auf Dauer problematisch". Notwendig seien die Installierung einer gerechten Systematik und eine Selbstverpflichtung der Nehmerländer, die LFA-Mittel gezielt zur nachhaltigen Stärkung der eigenen Wirtschaftskraft einzusetzen.
Der LFA sei in der jetzigen Ausgestaltung nicht dazu geeignet, die unterschiedliche Wirtschaftskraft der Länder auszugleichen. "Abgesehen von Bayern hat es kein einziges Bundesland geschafft, dauerhaft vom Nehmerland zum Geberland zu werden", betont Weimar.
Die "Ultima Ratio"
Die Nehmerländer dürften sich einer "ergebnisoffenen Diskussion" über die Fehler des LFA-Systems nicht länger entziehen. Sollten Verhandlungen scheitern, erwäge Hessen als "Ultima Ratio" einen Gang vor das Bundesverfassungsgericht.
Aus dem dritten Geberland Baden-Württemberg reagiert man noch zurückhaltend. Grundsätzlich könne man Seehofer zwar zustimmen, findet der designierte Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU). "Ich habe seit jeher den Länderfinanzausgleich als leistungsfeindlich empfunden." Eine Änderung halte er jedoch erst für möglich, wenn der Länderfinanzausgleich auslaufe. Also in zehn Jahren. "Ich bin immer der Meinung, dass das, was vereinbart wurde, auch eingehalten werden muss. Deshalb sehe ich derzeit keine Chance auf Änderung. Dass das in Baden-Württemberg nicht so ganz leicht zu erklären ist, ist selbstredend."
Stein des Anstoßes sind 33 Zeilen, die Horst Seehofer in der Bild am Sonntag geschrieben hat. Doch die haben es in sich. Unter der Überschrift "Finanz-Balance in Gefahr" äußert der bayerische Ministerpräsident seine ganz eigene Sicht auf den Länderfinanzausgleich. Vor allem sieht er die Balance zwischen den Geberländern und den Nehmerländern in Gefahr. Seehofer warnt: "Solidarität und Eigenverantwortung müssen eine gesunde Balance halten." Die Kritik an dem CSU-Chef ließ nicht lange auf sich warten.
Doch jetzt will es Seehofer nicht gewesen sein, fühlt sich falsch verstanden. "Wenn man den Gastkommentar von A bis Z liest, dann wundert man sich, welche Agenturmeldungen daraus gemacht werden." Er habe den Länderfinanzausgleich gar nicht in Frage gestellt, sagt er am heutigen Montag in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Bayern stehe "auch jetzt dazu, dass wir andere Länder, die nicht so stark sind, unterstützen".
In dem Gastbeitrag ärgert sich der CSU-Chef, dass sich einige Empfängerländer "trotz klammer Kassen" Wohltaten leisten, die in Bayern nicht drin sind - etwa ein kostenfreies Kindergartenjahr oder den Verzicht auf Studiengebühren - und fragt: "Ist es wirklich richtig, dass in so hohem Maße der Finanzunterschied zwischen den Ländern ausgeglichen wird? Ist es wirklich richtig, wenn ein Land fast jeden zehnten Euro aus seinem Haushalt abgeben muss. Oder wird da nicht eine Grenze überschritten?"
In einem ersten Schritt wolle er diese und noch ein paar andere Fragen zum Länderfinanzausgleich mit seinen Kollegen der anderen Geberländer besprechen. Denn "Solidarität darf Eigenverantwortung nicht ersetzen", bilanziert er und wiederholt das auch noch mal einen Tag später im Radio: "Wir sind gerne solidarisch, aber das würde voraussetzen, dass auch andere Länder dann ihre Eigenverantwortung wahrnehmen und nicht Mehrausgaben initiieren, die wir uns in Bayern nicht leisten können."
Auch wenn Seehofer sich nun falsch verstanden fühlt - an seiner Kernkritik rüttelt er auch jetzt nicht. Seehofer ist Meister darin, sich von seinen eigenen Äußerungen zu distanzieren, ohne jedoch die Sache selbst in Frage zu stellen. "Wir sind gerne solidarisch - aber das würde voraussetzen, dass auch andere Länder dann ihre Eigenverantwortung wahrnehmen und nicht Mehrausgaben initiieren, die wir in Bayern uns nicht leisten können", sagt er im Bayerischen Rundfunk.
Dennoch: Aus den meisten Ländern hagelt es Kritik am CSU-Chef.
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Also wir sollen die Klappe halten und weiter brav zahlen?
Nein, sooo nicht! Wenn Berlin meint, sich alles Mögliche leisten zu können, dann bitte vom eigenen Geld! Wieso will man eigentlich ein Schloss nachbauen, wenn die Schulkinder keine geeigneten Klassenräume haben, wo vernünftiger Unterricht abgehalten werden kann? PISA läßt grüßen! An welcher Stelle im Ranking war doch gleich Berlin???
Aber da sieht man doch gleich, welchen Stellenwert Kinder bzw. Familien beim derzeitigen Bürgermeistern haben... Da kommt nur laue Luft, sonst gar nichts.....
Wo bleibt sie denn, die sogenannte Bildungsoffensive ? Kinder sind unsere Zukunft?
Dann beweist es doch erst mal und klopft keine Sprüche! Und vor allem: schielt nicht auf das Geld anderer Bundesländer!
Ehrlich gesagt, solche Aussagen "wir wollen uns eine Hauptstadt leisten", befürworten vielleicht gerade mal die Berliner und ein paar Brandenburger.
Zur Information: Deutschland hat den FÖDERALISMUS!!!!
Und gerade in Zeiten, in denen die Kompetenz der Mitgliedsstaaten in der EU, d.h. auch Deutschland abnimmt, wird die sog. Hauptstadt immer weniger wichtig.
Berlin kann sich - aus eigener Kraft - ja als Weltmetropole feiern, oder als Zentrum der Kunst, usw. Aber Fakt ist: Bonn hat als politische Hauptstadt vollkommen ausgereicht. So funktionoert das auch in Australien, Canberra, oder den USA, Washington oder in Brasilien, mit Brasil. Lediglich hat Berlin einen gewissen Stellenwert als Symbol der Wiedervereinigung, aber das ist dann schon alles.
Kein Grund um die Möchtegern(....über ALLES) Hautpstadt mit viel Geld aufzumotzen. Schließlich sind ja schon viele Behöreden dort hingezogen.
Und von diesen Hauptstadt-Euphorikern möchte ich mich nicht mehr in die zentralistsiche Kaiserzeit zurückschiessen lassen!!!!!
Mamorne Fußwege und Spaßbäder auf den Dörfern habe ich nie gesehen. Wahrscheinlich ist das polemisch gemeint. Aber wenn da nichts stimmt ist es sinnlos
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Wieder steht ein Spaßbad in Thüringen vor dem Aus: die Rennsteig-Therme in Oberhof. Immer wieder geraten in Ostdeutschland die für viel Geld gebauten Freizeitanlagen in finanzielle Schieflage.
Pleiteländer Ost
Wissenschaftler: "Größte Spaßbaddichte" - Geld aus Solidarpakt falsch verwendet.
Besonders schlecht schneidet Sachsen-Anhalt ab: Hier werden Seitz zufolge höchstens 15 Prozent der Solidarpakt-Gelder korrekt für Investitionen verwendet. Und auch wenn investiert wird, machen die ostdeutschen Länder dem Wissenschaftler zufolge Fehler. "Hier gibt es sicherlich auch in sehr vielen Bereichen berechtigte Zweifel, ob diese Mittel entwicklungsoptimal eingesetzt werden", sagt Seitz. "Wir haben in Ostdeutschland die mit Abstand größte Spaßbaddichte in der Bundesrepublik."
Potsdamer Spaßbad bringt Bayern in Rage.
Landtagsabgeordneter empört über Umgang mit Geld aus Länderfinanzausgleich - Protest auch bei Architekten und Steuerzahlern.
Rund 20 Thermal- und Spaßbäder konkurrieren in Brandenburg mit immer neuen Angeboten und Aktionen um Besucher. Das Spreewelten Bad in Lübbenau setzt dabei auf eine tierische Attraktion. Eine Gruppe von Humboldt Pinguinen soll zukünftig Besucher anlocken. Aus Sicht von Tierschützern ein absurdes Vorhaben.
Reicht das???
Deutschland ist ein föderalistischer Staat, aber will auch eine Hauptstadt haben.
Geld fließt aus zwei Gründen mehr als zu Recht nach Berlin: 1. Es gibt keine ordentliche Hauptstadtfinanzierung, wie es sie sonst in jedem Staat gibt. Den selbstverständlich hat eine Hauptstadt mehr Kosten/ und Mehrkosten als jede andere Gemeinde. Das kann man nicht aus sich selbst aufbringen. Gerade die eifersüchtigen "Geberländer" sperren sich hierbei 2. waren die meisten Transferleistungen während der deutschen Teilung, als Berlin mehr als jede andere deutsche Stadt leidete. Und wegen der politischen Unsicherheit zB alte Berliner Firmen wie Siemens nach Bayern zogen.
Also irgendwie müssen diese jedem klar denkenden selbstverständlich scheinenden Dinge bezahlt werden. Und zwar von allen zusammen. Ob über LFA oder eine gesetzlich festgelegte Haupstadtfinanzierung kann dann egal sein.
Ansonsten gäbe es schon einiges zu ändern. Solange aber gerechtfertigte Anliegen und ungerechtfertigte pauschal abgelehnt werden, wird sich nichts ändern.
Gerechtfertigt wäre zB eine Kritik an kleinen Bundesländern, die unbedingt ihre Eigenständigkeit bewahren wollen, sich aber ihre dadurch erhöhten Verwaltungskosten gar nicht leisten können. Hier wären Bremen, Brandenburg und das Saarland zu nennen. Berlin nicht, da es dazu bereit war, Brandenburg dies aber ablehnte. Usw usf.
Also es ist viel komplizierter.
Mamorne Fußwege und Spaßbäder auf den Dörfern habe ich nie gesehen. Wahrscheinlich ist das polemisch gemeint. Aber wenn da nichts stimmt ist es sinnlos
Berlin lebt nur noch WEGEN des LFA! UND leistet sich viel Luxus was andere Länder nicht können!
In den 'neuen' Ländern wurden in jedem Dorf 'Spaßbäder' errichtet die heute nicht mehr finanzierbar sind; marmorne Fußgängerüberwege etc. also das Geld mt vollen Händen ausgegeben.
Naja, die 3 Geberlände rufen 'Freibier für alle' und alle schreien 'hier'.
Es ist ja so schön, vom Geld der anderen zu leben.
Pecunia non olet.