Iran fordert mit dem Ausbau seines Atomprogramms die Weltgemeinschaft heraus: Während Experten die Angaben Teherans in Zweifel ziehen, wird in Deutschland über die Ausweitung des US-Raktenschilds auf ganz Europa diskutiert.
Ungeachtet internationaler Kritik hat Iran am Dienstag im Atomstreit noch einmal nachgelegt. Der Chef der nationalen Atombehörde, Gholam-Resa Aghasadeh, kündigte an, die Führung in Teheran habe vor, nicht nur 3000, sondern 50 000 Zentrifugen zur Uran-Anreicherung in der Atomanlage in Natans zu installieren. Experten bezweifeln, dass Irans Atomprogramm technisch bereits so weit fortgeschritten ist.
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Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft kritisierte die Erklärung Irans umgehend. "Mit großer Sorge" habe man die Ankündigung zur Kenntnis genommen, erklärte das Auswärtige Amt. Ein solcher Schritt Irans stünde "in direktem Widerspruch zu den wiederholten Ersuchen des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde" (IAEA) und zu den Forderungen des UN-Sicherheitsrats.
Die EU-Erklärung spiegelt die internationale Befürchtung wider, das iranische Atomprogramm diene nicht nur zivilen Zwecken, sondern auch dem Bau von Atomwaffen. Im Zentrum der Debatte steht die geplante Urananreicherung: Hoch angereichertes Uran ist Voraussetzung für den Bombenbau.
Der Sicherheitsrat hat wegen der Teheraner Weigerung, die Anreicherung einzugrenzen, bereits Sanktionen verhängt. Daher bedeutet der jüngste Schritt Irans eine neue Herausforderung der Staatengemeinschaft. Dazu passend stellte Außenminister Manutschehr Mottaki klar, dass seine Regierung Verhandlungen als überflüssig betrachte, solange der Westen als Bedingung die Aussetzung der Urananreicherung verlange. Die andere Seite "sollte etwas Neues vorlegen". Für Gespräche ohne Bedingungen stehe Iran bereit.
Zentrifugen-Zahl unklar
Staatschef Mahmud Ahmadinedschad hatte an Ostern bekanntgegeben, Iran sei nun zur Produktion von angereichertem Uran im industriellen Stil in der Lage. Er hatte aber keine Details genannt. Westliche und russische Nuklearexperten bezweifeln daher, dass das Atomprogramm technisch einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht hat. Möglich sei, dass Ahmadinedschads Erklärung im Machtkampf zwischen den zerstrittenen Fraktionen des Regimes innenpolitisch motiviert war.
Andere Experten meinen, Iran versuche vor dem Beginn neuer Verhandlungen mit dem Westen eine unnachgiebige Position der Stärke vorzutäuschen, um die Position zu verbessern. Zumal Chefunterhändler Ali Laridschani sogar mit einer Aufkündigung des Atomwaffensperrvertrages drohte.
Nicht klar ist, wie viele der für die Uranproduktion notwendigen Zentrifugen in der zentraliranischen Urananreicherungsanlage Natans schon in Betrieb sind. Iran hatte die Zahl von 3000 existierenden genannt und angekündigt, man wolle insgesamt 50000 der hochempfindlichen Geräte in Natans installieren. Früher waren nur 328 Geräte im Rahmen einer Versuchsanordnung in Betrieb.
Union für US-Raketenschild
Wegen der internationalen Sanktionen kann Iran Zentrifugen nicht einfach kaufen. Sie müssen im Land hergestellt oder auf dem Schwarzmarkt besorgt werden. Ebenfalls offen ist, ob die iranischen Wissenschaftler bereits in der Lage sind, die Zentrifugen zu "Kaskaden" zu bündeln. Für die Kaskaden müssen die Zentrifugen in einem technisch anspruchsvollen Verfahren in Reihe geschaltet werden, damit am Ende hoch angereichertes Uran erzeugt wird.
Aufklärung kann vielleicht eine Gruppe von Inspekteuren der IAEA schaffen. Die Experten trafen laut Reuters am Dienstag in Iran ein. Sie sollen eine Woche die unterirdische Anreicherungsanlage Natans untersuchen.
Politiker von CDU und CSU plädieren angesichts des iranischen Atomprogramms für einen Raketenabwehrschild der Nato. Der CSU-Außenpolitiker Eduard Lintner verwies auf Pläne der USA, Raketenabwehrsysteme in Polen und Tschechien aufzubauen.
"Der US-Abwehrschirm muss über ganz Europa ausgedehnt werden. Dabei müssen wir notfalls auch bereit sein, Raketen in Deutschland aufzustellen", sagte Lintner der Bild-Zeitung vom Mittwoch laut Vorabbericht. Bei SPD und Grünen stieß dies auf scharfe Ablehnung.
"Man darf jetzt nicht kopflos reagieren", sagte der abrüstungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rolf Mützenich, der Nachrichtenagentur Reuters.
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(SZ vom 11.04.2007)
500, 3000, 50000 - unabhaengig davon, wieviele Zentrifugen Iran tatsaechlich in Betrieb hat oder mittelfristig in Betrieb setzen kann, setzt Ahmadinedschad wieder einmal erfolgreich (!!) seine Hauptwaffen ein: a) Propaganda und b) daraus resultierend: FUD (Fear, Uncertenty, Doubt) - gezielt abgeschossen in Richtung westlicher Welt und kein Raketenschrim kann sie aufhalten.
Sein Ziel hat er bereits erreicht. Z.B. wird die Diskussion um eben jenen Raketenschrim in Politik und den Medien wieder angeheizt. Wieder eine Diskussion um einen ganz falschen Ansatz, der im Iran nur eine unnoetige Bedrohungkulisse aufbaut und damit Ahmadinedschad staerkt.
Eine Loesung dieses Konfliktes kann i.m.h.o nur im Iran selbst, von innen heraus gelingen. Es gilt, die demokratischen Fluegel und nichtradikalen Linien zu staerken. Dazu bedarf es aber (außerhalb Irans) einer anderen Politik.
Eine Frage laesst mich aber nicht in Ruhe: Wann lernen unsere (nicht im außenpol. Resort taetigen) Politiker (und das betrifft damit die Mehrheit) endlich, sich von solchen primitiven Taktiken nicht provozieren zu lassen und diese Angelegenheiten stattdessen vertrauensvoll in die leiser arbeitende Haende der Diplomatie zu legen ...
Wir lesen hier von einer Bedrohung durch iranische Langstreckenraketen (die es nicht gibt), ausgerüstet mit Kernsprengköpfen (die es nicht gibt). Daß es all das jemals geben wird, und zwar sicher und bald, wissen wir von den Leuten, die Massenvernichtungswaffen im Irak... jetzt nicht mehr suchen.
Es ist nicht unlogisch, dieser Bedrohung mit einem Raketenabwehrsystem zu begegnen, das nicht funktioniert. Daß es funktionieren wird, und zwar sicher und bald, wissen wir von den Leuten, die im Irak den Krieg gegen den Terror... schon nicht mehr wirklich gewinnen können.
Bloß kosten diese Hirngespinste leider sehr viel, und nicht nur Geld, es geht auch um Wettrüsten, und das Verhältnis zu Rußland. Leider ist bei manchen Politikern Bedrohungshysterie viel beliebter als Nachdenken. Warum nur?
Viel Hirnriesigkeit hört man letzte Zeit sehr oft.
hier hat Russland ausnahmsweise Recht!
aber, wie man es auch im einigen Kommentaren aus dem Ausland lesen kann, dass die Rüstungsindustrie der befreundeten Politiker aus Texas brauchen einige Aufträge.
Einige deutsche Firmen aus Bayern und BW können auch davon profitieren!
Und sie sollten schnell kommen, bevor die Freunde den Löffel abgeben!
Wenn das Raketenabwehrsystem der Amerikaner wirklich vor den Iranern schützen soll, dann finde ich es überhaupt nicht einleuchtend, dieses in Polen und Tschechien oder auch in Deutschland zu stationieren. Die Iraner verfügen nämlich nicht über solch weitreichenden Raketen, die sie mit Atomsprengköpfen bestücken könnten. Sie können uns also gar nicht gefährlich werden.
Also wäre das Abwehrsystem nur sinnvoll, wenn es in Israel aufgebaut würde (unter der Annahme, dass der Iran einen Angriff überhaupt vorhat).
Und die Herren Politiker von der CDU/CSU sollten das wissen. Also bitte erst nachdenken, bevor man solchen Mist schwafelt (das hier mit freundlichen Grüßen nach Berlin!). Ich kann wirklich darauf verzichten, Raketen in Deutschland und Umgebung vor die Nase gesetzt zu bekommen, die unsere Region (d.h. Europa) nur gefährden.
Wir sollten eher darüber nachdenken, warum die USA das System unbedingt in Osteuropa aufbauen wollen. Ist etwa Russland das Ziel? Der Verdacht kommt auf, daß Russland als Konkurrenzatommacht ausgeschaltet werden soll.
Hierzu ein Link: http://www.globalresearch.ca/PrintArticle.php?articleId=4873
Toll, dass Kommentare nur noch zur Hälfte freigegeben werden.
excuse Mr. Vennaix
Tja dann gebt mal Gas und deckt mal auf mit wem sich der Lindener abend´s so trifft -
Paging