Verhärtete Fronten im Streit um die Atommeiler: RWE will seine Kernkraftwerke nicht vorzeitig abschalten und stellt sich so gegen Umweltminister Röttgen.
Die CSU und der Energiekonzern RWE wollen die Laufzeiten von Atomkraftwerken vorerst nicht begrenzen. Wenige Wochen vor der geplanten Vorlage eines Energie-Konzeptes durch die Bundesregierung verhärten sich damit die Fronten im Streit um die Zukunft der Atommeiler. SPD und Grüne reagierten mit scharfer Kritik.
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Bundesumweltminister Norbert Röttgen sieht in der Kernkraft keine Zukunftsoption. (© dpa)
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Der Vorstandschef von RWE, Jürgen Großmann, warnte vor einem vorzeitigen Abschalten von Atomkraftwerken, weil damit betriebs- und volkswirtschaftliches Kapital verschleudert werde. In einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung schrieb Großmann: "Gerade Deutschland mit seiner immer noch starken und hoffentlich auch weiterhin leistungsfähigen industriellen Basis braucht die Kernkraft als tragende Säule." Sie helfe, Schwankungen in der Stromerzeugung bei Wind und Sonne auszugleichen. Der RWE-Chef reagierte damit auf Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), der vergangene Woche in einem SZ-Interview gesagt hatte, Kernkraft sei "nicht die Zukunftsoption".
Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer sprach sich am Wochenende ebenfalls gegen feste Laufzeitbeschränkungen für Atomkraftwerke aus. Er sehe "auf absehbare Zeit" keine Chance, bei der Energieversorgung des Freistaats auf die Kernkraft zu verzichten", sagte Seehofer vor der Landesversammlung der bayerischen Jungen Union in München.
"Für mich macht es keinen Sinn, sichere bayerische Kernkraftwerke abzuschalten, um anschließend den gleichen Strom aus Tschechien zu beziehen." In der Frankfurter Rundschau hatte der CSU-Chef zuvor gesagt, der Maßstab, wie lange ein Kernkraftwerk laufe, müsse zuallererst die Sicherheit sein. Die CSU werde deshalb nicht mit konkreten Jahreszahlen in die Verhandlungen der Koalition gehen.
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Auf was bezieht sich denn dieses "vorzeitig" ?
An 12 Standorten produzieren in Deutschland noch immer Atomkraftwerke radioaktiven Müll, ohne dass dessen sichere Endlagerung für Jahrtausende geklärt wäre. Abgesehen davon kann es jederzeit in einem der 17 Reaktoren zu einem Störfall kommen, der ganze Landstriche unbewohnbar macht. Die einzig sichere Alternative: Abschalten!
Und unsere Kinder und Kindeskinder. Auf so gut wie ewig. ;-(((
Hier geht es um leicht zu verdienendes Geld. Wetten , die Werke laufen weiter und die Politiker knicken ein!!! Gewinn ist die Maxime, den Atommüll beseitigt der Steuerzahler.
Deutsche gegen Ausweitung der Atomkraft-Laufzeit
dpa | 21.07.2010
Hamburg - Die Deutschen lehnen eine deutliche Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken ab. 77 Prozent der Befragten sprachen sich bei einer TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag der "Zeit" dagegen aus, die Meiler mehr als zehn Jahre länger als vereinbart am Netz zu lassen. Fast die Hälfte der Bevölkerung (48 Prozent) ist laut Studie dagegen, die Laufzeiten überhaupt zu verlängern.
58 Prozent der Deutschen wären bereit, für Strom aus erneuerbaren Quellen rund zehn Prozent mehr zu zahlen als bisher. 47 Prozent der Bürger glauben, dass die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen würde.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus hatte kürzlich für eine Frist von 15 Jahren und mehr plädiert. Diese Position wird von seinen Landsleuten im Südwesten deutlich abgelehnt: 47 Prozent wollen überhaupt keine Laufzeitverlängerung, 27 Prozent sprechen sich für eine Verlängerung um höchstens zehn Jahre aus. Acht Monate vor der Landtagswahl lehnen damit insgesamt 74 Prozent der Baden-Württemberger Mappus' Atompolitik ab.
Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid hatte im Auftrag der "Zeit" vom 15. bis 17. Juli insgesamt 1130 Bürger telefonisch befragt.
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