Von Nico Fried

In der Union wächst der Unmut über den Koalitionskompromiss zum Post-Mindestlohn: Manchem fällt "kein Argument dafür ein, dieser Regelung zuzustimmen".

Die Große Koalition wird kommende Woche im Bundestag dem Post-Mindestlohn voraussichtlich nicht geschlossen zustimmen. In der Union wächst der Unmut über den Koalitionskompromiss, der vom 1. Januar 2008 an Mindestlöhne zwischen acht und 9,80 Euro für Angestellte von Briefdienstleistern vorsieht. In Koalitionskreisen wird deshalb damit gerechnet, dass Abgeordnete von CDU/CSU entweder offen mit Nein stimmen oder sich nicht an der Abstimmung beteiligen werden. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion, Norbert Röttgen (CDU), bekräftigte allerdings den Willen auch der Union, das Entsendegesetz auf die Briefdienstbranche auszudehnen.

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Pin-Mitarbeiter: Laurenz Meyer denkt, dass angesichts der angekündigten Entlassungen die Debatte über Mindestlöhne noch klarer geführt werden muss als bisher. (© Foto: dpa)

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Der CSU-Wirtschaftsexperte Albert Rupprecht sagte, in der Sache falle ihm "kein Argument dafür ein, dieser Regelung zuzustimmen". Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder (CDU). Er werde einer Regelung "ausschließlich aus Gründen der Fraktionsdisziplin zustimmen". Kritik äußerte auch Wirtschafts-Staatssekretärin Dagmar Wöhrl (CSU) in der Financial Times Deutschland: "Was vereinbart wurde, ist ökonomisch falsch. Der Mindestlohn führt zu Arbeitsplatzverlusten und verhindert, dass mehr gering Qualifizierte eine Arbeit finden."

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Laurenz Meyer (CDU), wollte sich auf sein Abstimmungsverhalten noch nicht festlegen. Klar sei aber, dass angesichts der angekündigten Entlassungen die Debatte über Mindestlöhne noch klarer und engagierter geführt werden müsse als bisher. "Ein Aufknüpfen der Pläne ist derzeit nicht absehbar", sagte Meyer der Berliner Zeitung. Das von CDU und FDP regierte Niedersachsen kündigte an, dem Mindestlohn am 20. Dezember im Bundesrat nicht zuzustimmen.

"Verheerendes Bild"

Die Kritik an Post-Chef Klaus Zumwinkel wegen des Verkaufs seines Post-Aktienpakets für 4,73 Millionen Euro nach dem Kursanstieg infolge der Mindestlohn-Vereinbarung riss am Donnerstag nicht ab. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte: "Führende Wirtschaftspersönlichkeiten sollten sich nicht ohne Not dem Verdacht aussetzen, dass sie erwartete Monopolrenditen zu Geld machen." Der CDU-Wirtschaftspolitiker Peter Rauen kritisierte: "So geben die Wirtschaftsführer ein verheerendes Bild ab." Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend sagte über den Post-Chef: "Man mag seine persönlichen Motive verstehen können, aber das trägt nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der Mindestlohn-Vereinbarung bei."

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(SZ vom 07.12.2007/sma)