Der Islam gehört zu Deutschland wie der Schneefall zum Wetter. Bundespräsident Wulff hat nichts Neues gesagt. Seinen Kritikern geht es um die Abwertung des Anderen und eigene Identitätsprobleme. Das ist zukunftslos.
Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland: Der Satz, den Bundespräsident Christian Wulff am Sonntag sagte, hat für sich gesehen ungefähr den gleichen Neuigkeits- und Erkenntniswert wie der Satz: Zum Wetter in Deutschland gehört der Schneefall. Der Schneefall prägt nicht das Wetter in Deutschland, aber er gehört dazu, es gibt ihn. Und wer sich nicht auf ihn einstellen mag, der rutscht im Winter mit dem Auto in den Straßengraben.
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Die Merkez Moschee in Duisburg: Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland. (© dpa)
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In der Bundesrepublik leben vier Millionen Muslime und stehen Tausende Moscheen, in den Schulen gibt es islamische Religionskunde und an den Universitäten die ersten Islam-Lehrstühle; im Land wird diskutiert, wie eine künftige Imame-Ausbildung aussehen könnte. Und da sollte der Islam nicht zu Deutschland gehören? Er gehört auch zu Deutschland, hat Wulff treffenderweise gesagt und vor diesen Satz jene beiden Religionen gestellt, die unvergleichlich stärker das Land und seine Kultur geprägt haben, prägen und prägen werden: das Judentum und das Christentum.
Wer nun sagt, dass Wulff seinen Satz über den Islam so nicht hätte sagen sollen, dürfte in der Regel dies alles gar nicht leugnen. Es geht den Kritikern des Präsidenten auch gar nicht so sehr um solche Fakten, es geht ihnen um die Bewertung des Islams. Es geht ihnen um Ausgrenzung: Die Fremden sollen erst einmal etwas leisten, damit sie Teil der kollektiven Identität werden können. Es geht um Ihr und Wir, um die Stärkung des Eigenen durch die Abwertung des Anderen, um eigene Identitätsprobleme.
Der Islam soll kein Teil der eigenen Kultur sein: Das ist so geschichtsvergessen wie zukunftslos. Es ist geschichtsvergessen, weil der Satz leugnet, dass der Islam durchaus seinen Teil zur kulturellen Identität Europas beigetragen hat. Ohne die islamischen Bibliotheken wären die Schriften des Aristoteles verloren gegangen, der weise und tolerante islamische Herrscher gehörte zum feststehenden Topos der Aufklärungsliteratur des 18. Jahrhundets; zu Europas Geschichte gehören die orientalischen Bauten in Südspanien genauso wie die bosnischen Muslime. Zukunftslos ist der Satz, weil er verkennt, dass der Islam wie das Christentum oder das Judentum zu jenen Bindungskräften gehört, die Menschen, Familien, eine gesamte Gesellschaft zusammenhalten. Der Erste übrigens, der das immer wieder gesagt hat, war kein Visionär der multikulturellen Beliebigkeit - es war Wolfgang Schäuble, der vormalige Innenminister.
Der Islam ist ein Teil der deutschen Identität geworden
Der Islam ist ein Teil von Deutschland: das zu sagen verneint ja gar nicht die Probleme, die daraus entstehen, wenn eine fremde Religion zur heimischen Religion wird. Im Gegenteil, denn der Satz bedeutet auch: Die Frage, wieweit Koran und Aufklärung, Scharia und Demokratie zusammenpassen, ist zu einer deutschen Frage geworden. Das Geschlechterverhältnis im Islam ist genauso zum Gegenstand der deutschen Debatte geworden wie die Frage, welcher Mohammed-Witz klasse ist und welcher geschmacklos - und ob man einen Karikaturisten, der irgendwo am Rande der Geschmacksgrenze operiert, als Helden der Meinungsfreiheit feiern soll. Der Umgang der Mehrheit mit dem Islam ist zur deutschen Frage geworden. Daher kommt die Aggressivität der Islam-Gegner, und daher kommt die Verletztheit vieler Muslime angesichts dieser Aggressivität.
Der Islam ist ein Teil der deutschen Identität geworden, weil es Menschen gibt, die in die Moschee gehen und zum Ramadan fasten - oder die sich daran erinnern, wie das ihre Eltern taten; weil es Menschen gibt, die im Koran die Begründung finden, warum sie sich um ihre Eltern oder Kinder kümmern. Identitäten leben, wandeln sich, atmen in einer freiheitlichen Gesellschaft. Nur ängstliche Geister wünschen, dass eine Identität verordnet wird. Deshalb gehört der Islam inzwischen auch zu Deutschland. Wie der Schneefall zum Wetter.
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(SZ vom 07.10.2010/segi)
Protest gegen dritte Startbahn
"Zum Wetter in Deutschland gehört der Schneefall.." Der Satz hat die gleiche Logik wie der Satz: "Zum Wetter in Deutschland gehört die Luftverschmutzung." Beides mit Blick auf den Islam. Wer Hitlers "Mein Kampf" in den Abschnitten zum Judentum gelesen hat und die Passagen des Korans zum Judentums liest, wird zustimmen, dass der Islam Teil der deutschen Kultur einmal war. In keinem Land der EU-25 gibt es eine Mehrheit für den Beitritt der Türkei, und wenn morgen über die Präsenz des Islams in der EU-25 abgestimmt würde, wäre das Ergebnismehrheitlich gleich. So viele können nicht irren. Wer für Stuttgart-21 die Volksabstimmung verlangt, sie für den Isam verweigert, ist unehrlich und gefährlich.
so wie Merkelsche Leisetreterei einen weit bringt, bringt einen diese Rede in Miss-
verständnisse. Wenn etwas aus den Religionen zu Deutschland gehört, dann die
Reformation. Sie wurde anschliessend in die Welt exportiert. Einen römischen Glauben
oder einen muselmanischen, das kann man hier schon machen und praktizieren, ist
aber etwas weit hergeholt. Im wahrsten Sinne
huch... da hab ich als guter katholik aber so manchmal ein gebot übertreten... aber ich bin ja tolerant: ich erlaube auch die ehe vor dem sex :)
mit eurer Demokratiefähigkeit ist es ja nicht weit her. Statt offen eure Meinung zu äussern und auf gestellte Frage zu antworten, taucht ihr ab und hinterlasst nur feige eure Duftmarken in Form von roten Balken! :-))))
Was muss das nur für eine Weltanschauung sein, die ihr da hegt und pflegt, aber nicht der öffentlichen Diskussion aussetzten könnt?
Der Verweis auf die Scharia ist auch deshalb interessant, weil ja in den wenigsten muslimischen Ländern die Scharia angewendet wird.
In wie vielen Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit wird denn die Scharia angewendet?
Paging