Debatte über Impfung Wie die USA auf den Masern-Ausbruch reagieren

Ein Arzt im US-Bundesstaat Kalifornien hat einen jungen Patienten gerade gegen Masern geimpft.

(Foto: AP)
  • In den USA ist es zu einem Maserausbruch gekommen: Mehr als 100 Fälle in mittlerweile 14 US-Bundesstaaten wurden von den Behörden gemeldet.
  • Schuld daran sind vor allem Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen.
  • In den USA wird über den Sinn und die Gefahren von Impfungen diskutiert. Die Republikaner Chris Christie und Rand Paul haben die Debatte angeheizt.
Von Sebastian Gierke und Markus C. Schulte von Drach

Ausgerechnet Disneyland. Der "fröhlichste Ort der Welt", wie die Eigenwerbung behauptet. Ein Ort, dem Alltag und der Realität enthoben. Dieser Ort wird plötzlich ein Zentrum von Angst und Krankheit. Der aktuelle Masernausbruch in den USA hat in dem kalifornischen Vergnügungspark seinen Anfang genommen und zu mehr als 100 Fällen von Masern in mittlerweile 14 US-Bundesstaaten geführt. Die Behörden warnen ihre Bürger vor einem Besuch des Vergnügungsparks. Wenn sie nicht geimpft sind.

Allein in Kalifornien haben sich nach den jetzt veröffentlichten Zahlen 68 Menschen mit dem gefährlichen Virus infiziert. 58 der Erkrankungen führt die Behörde auf eine Masernansteckung Ende Dezember in Disneyland zurück. Doch auch in anderen Bundesstaaten breitet sich die Krankheit aus. Im Bundesstaat New York zum Beispiel, nachdem dort ein infizierter Student quer durch den Staat gereist ist und eine unbekannte Zahl von Reisenden dem Virus ausgesetzt hat.

In den USA ist deshalb eine Debatte entbrannt. Denn im Land lassen viele Eltern ihre Kinder nicht impfen - aus Sorge vor möglichen Nebenwirkungen. Es gibt eine Anti-Impf-Bewegung. Und die wird immer größer.

Präsident Barack Obama hat Eltern dringend zur Impfung geraten. "Es gibt allen Grund dafür, geimpft zu werden - und es gibt keine Gründe dafür, es nicht zu tun", erklärte er jüngst in einem TV-Interview. Er wolle, dass die Menschen über die wissenschaftlichen Fakten informiert seien.

Republikaner betonen Entscheidungsfreiheit der Eltern

Der Republikaner Chris Christie, Gouverneur von New Jersey und gehandelt als einer der Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2016, zeigte dagegen Verständnis, dass Impfungen freiwillig sind. Es brauche "eine Balance" in der Diskussion um die Schutzimpfung. Die Ängste der Eltern vor der Impfung müssten ernstgenommen werden. Rand Paul, Mediziner und Senator aus Kentucky, sprang Christie bei und erklärte, die Entscheidung zur Impfung ihrer Kinder müsse den Eltern überlassen werden.

Das allerdings ist bereits der Fall. In den USA wird niemand gezwungen, sich zu impfen. In den meisten Bundesstaaten dürfen Kinder, die nicht geimpft sind, aber nicht am Schulunterricht teilnehmen. Bundesstaaten gestatten hier aber Ausnahmen, zum Beispiel aus medizinischen aber auch aus religiösen Gründen. In 20 der 50 Bundesstaaten werden auch philosophisch-moralische Gründen akzeptiert. (Hier eine Liste der Ausnahmeregelungen für jeden US-Bundesstaat.)

Die Äußerungen von Christie und Paul sorgen auch deshalb für Unmut. Gerade zum aktuellen Zeitpunkt sei es unverantwortlich, die persönliche Freiheit des Einzelnen gegen die Gesundheit der Allgemeinheit auszuspielen, argumentiert ein bekanntes Wissenschaftsblog. Christie habe den Impfgegnern mit seinen Worten einen Gefallen getan.

Impfgegnern wie dem Arzt Jack Wolfson, einem der umtriebigsten in den USA. Ständig drängt er in die Medien und erklärt, wie schädlich aus seiner Sicht Impfungen doch sind. Wolfson hasst sie regelrecht - und er verachtet Eltern, die Impfungen verteidigen.