Debatte nach Newtown-Amoklauf US-Waffenlobby fordert Bewaffnete in jeder Schule

Nach dem Amoklauf von Newtown meldet sich die NRA zu Wort: Sie will jede Schule in den USA mit bewaffnetem Sicherheitspersonal ausstatten - gerne auch mit Ex-Soldaten. Die Verantwortung für Gewalttaten schiebt sie den Medien und brutalen Videospielen zu. Während die Lobbyisten vor der Presse sprechen, tötet ein Amokschütze 200 Kilometer entfernt vier Menschen.

Von Jakob Schulz

Eine Woche lang hielt sich die Waffenlobby nach dem Amoklauf von Newtown mit Statements zurück. Jetzt holt die mächtige National Rifle Association (NRA) zum Gegenschlag aus. Auf einer Pressekonferenz in Washington D.C. übt der NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre in einer pathetischen Rede heftige Kritik an den Medien. Eine seiner Hauptforderungen: Schulen in den USA sollen künftig von bewaffnetem Sicherheitspersonal überwacht werden.

Zweimal unterbrachen Demonstranten die Erklärung LaPierres. Ein Mann hielt vor dem Rednerpult mehrere Sekunden lang ungestört ein Banner mit dem Schriftzug "Die NRA tötet unsere Kinder" in die Kameras. Als er schließlich doch von Sicherheitskräften aus dem Saal gezerrt wurde, schrie er "Stoppt das Töten, die NRA ist der Angreifer!" Wenig später rief eine Demonstrantin "Die NRA hat Blut an ihren Händen!", bevor sie ebenfalls nach draußen gebracht wurde.

NRA beschuldigt Medien und Spiele-Industrie

LaPierre suchte die Verantwortung für Amokläufe vor allem bei den Medien. Er warf ihnen vor, den Attentätern eine Bühne zu bereiten. Anstatt ihre eigenen moralischen Fehler einzugestehen, beschuldigten die Medien alle Waffenbesitzer, sagte er. Außerdem prangerte er die Darstellung von Gewalt im Fernsehen an und sprach von einer "korrupten Schattenindustrie": Die Videospielindustrie vergifte die Jugend mit gewalttätigen Videospielen, an einer Stelle seiner Rede spielte er Szenen aus einem Videospiel namens "Kindergarden Killer" vor. En passant forderte er auch, alle Geisteskranken in einer Datenbank zu erfassen.

"Das einzige, was einen bewaffneten Bösen stoppt, ist ein bewaffneter Guter!", sagte LaPierre. Wenn qualifiziertes Sicherheitspersonal in der Grundschule in Newtown gewesen wäre, hätte der Attentäter gestoppt werden können, sagte er. LaPierre forderte, jede Schule in den Vereinigten Staaten unter bewaffneten Schutz zu stellen - und schlug vor, pensionierte Polizisten, Soldaten und Sicherheitspersonal in die Schulen bringen.

Lobbyisten wollen "Schutzschild für Schulen" entwickeln

LaPierre kündigte an, dass die NRA ein "Schutzschild für Schulen" erarbeiten werde. Das Programm werde von erfahrenen Experten entwickelt und von Asa Hutchinson, einem ehemaligen republikanischen Kongressmitglied, geleitet. Hutchinson erklärte, jede Schule in den USA könne dieses Sicherheitskonzept später adaptieren und an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Der Republikaner, ein ehemaliger Mitarbeiter des Ministeriums für Innere Sicherheit der USA, brachte auch eine Art Bürgerwehr ins Spiel - Freiwillige aus der Region, die mit der Sicherung der Schulen beauftragt würden. Fragen ließen die Waffen-Lobbyisten im Anschluss an die Pressekonferenz nicht zu. Wann die Journalisten sie stellen dürften? "Nächste Woche", hieß es.

Während die Waffen-Lobbyisten in Washington D.C. vor der Presse sprachen, starben etwa 200 Kilometer vier Menschen bei einem weiteren Amoklauf. Ein Attentäter feuerte Berichten zufolge auf einer Landstraße auf Menschen, dabei starben eine Frau und drei Männer, drei Polizisten wurden verletzt.