De Maizière über Klagen von Soldaten Der Verteidigungsminister und die Jammerliesen

Verteidigungsminister de Maizière über seine Truppe: "Sie haben den verständlichen, aber oft übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung. (Archivbild vom 10.07.12)

(Foto: dapd)

"Sie haben den verständlichen, aber oft übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung", hat Verteidigungsminister de Maizière in einem Interview über seine Soldaten gesagt. Die Reaktionen kommen prompt - und sind vor allem trotzig.

Ein Innenminister ist der oberste Chef der Polizeibeamten und lässt deswegen in der Regel auf seine Jungs nichts kommen. Gleiches gilt für den Verteidigungsminister. Dass dieser kritische Worte über die Truppe verliert, ist äußerst selten. Kein Wunder also, dass CDU-Politiker Thomas de Maizière mit seinem Interview, das er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gab, für ordentlich Rabatz sorgt.

"Sie haben den verständlichen, aber oft übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung", sagte de Maizière über die deutschen Soldaten. "Sie sind vielleicht geradezu süchtig danach." Deutliche Worte über die Truppe, aus der immer wieder Klagen über mangelnde gesellschaftliche Anerkennung der Streitkräfte zu vernehmen sind. Soldaten, die derlei vorbringen, dürften sich kaum von einem Verteidigungsminister verstanden fühlen, der sie öffentlich als Jammerliesen hinstellt.

Und so lassen die Reaktionen auf das Interview nicht lange auf sich warten. Hellmut Königshaus, der Wehrbeauftragte des Bundestags, sagte der Süddeutschen Zeitung: "Ich habe nicht den Eindruck, dass die Soldatinnen und Soldaten nach Anerkennung gieren."

Auch FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff widersprach dem Minister: "So sehr ich die Arbeit des Ministers ansonsten schätze: An dieser Stelle teile ich seine Meinung nicht", sagt sie der SZ. "Das Besondere am Soldatenberuf verdient auch eine besondere Aufmerksamkeit", so Hoff. "Verglichen mit anderen Ländern, die teilweise einen regelrechten Heldenkult betreiben, gehen wir noch sehr zurückhaltend mit unseren Streitkräften um. Ich verstehe nicht, was den Minister zu diesen Äußerungen bewegt."

Grünen-Verteidigungspolitiker Omid Nouripour führte de Maizières Äußerungen auf dessen eigenes Scheitern als Bundesminister zurück. "Wenn der Minister vom Gieren nach Anerkennung spricht, verwechselt er Anerkennung mit Zuverlässigkeit. Die Truppe ist völlig verunsichert, weil sie immer noch nicht weiß, wo der Dienstherr mit ihr hin will." und weiter: "Die Soldaten wollen nicht die Liebe des Ministers, sondern regelmäßig Weihnachtsgeld."

Zustimmung wurde de Maizière allein aus der SPD zu Teil: Rainer Arnold, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, äußerte sich tendenziell zustimmend: "Die Wahrnehmung mangelnder Wertschätzung begegnet auch mir häufig", sagte er der SZ. Zwar sei die "Begrifflichkeit Gieren sicherlich nicht glücklich gewählt" - aber: "Man muss Soldaten gelegentlich auch erklären, dass es keine Missachtung der Bundeswehr ist, wenn Menschen militärischen Einsätzen skeptisch gegenüberstehen."