Immer mehr Bürger wollen wissen, was in ihrer Stasi-Akte steht. Im vorigen Jahr stellten fast 100.000 Deutsche den entsprechenden Antrag. Zugleich registriert die Birthler-Behörde, dass frühere Stasi-Täter "immer ungenierter" auftreten.

Die Stasi-Unterlagenbehörde registriert auch 17 Jahre nach der Wiedervereinigung ein wachsendes Interesse an den Dokumenten der DDR-Staatssicherheit. Im vorigen Jahr wurden 20 Prozent mehr Anträge auf persönliche Akteneinsicht gestellt als 2005, wie die Bundesbeauftagte Marianne Birthler anlässlich ihres neuen Tätigkeitsberichtes in Berlin mitteilte.

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Marianne Birthler registriert ein steigendes Interesse an der DDR-Geschichte. (© Foto: ddp)

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Die Zahl stieg damit auf 97.000 Anträge. Dieser Trend habe sich in den ersten Monaten dieses Jahres fortgesetzt. Das Interesse an der DDR-Geschichte habe in den vergangenen Jahren generell spürbar zugenommen. Für das wachsende Interesse nannte Birthler mehrere Ursachen. Offenbar hätten viele Menschen einen gewissen Abstand gebraucht, um Einsicht zu beantragen. Auch stelle die jetzt erwachsen werdende Generation Fragen an die Eltern. Hinzu komme eine neue Lehrergeneration im Osten. Auch einen Einfluss des Oscar-prämierten Films "Das Leben der Anderen" wollte Birthler nicht ausschließen.

Birthler beklagte zugleich, dass frühere Täter aus den Reihen der Stasi "immer ungenierter" aufträten, die Geschichte umdeuteten und nicht davor zurückschreckten, Opfer öffentlich zu verhöhnen. Die Aktivitäten der ehemaligen Stasi-Täter seien ein besonders gravierendes Beispiel für verschiedene Versuche in Politik und Kultur, die SED-Diktatur nachträglich zu verharmlosen, zu rechtfertigen und im schlimmsten Falle sogar zu legitimieren.

Ingesamt haben laut Birthler bisher rund 1,6 Millionen Menschen Akteneinsicht beantragt. Beim größten Teil seien auch Akten gefunden worden.  (AFP/ddp)

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