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DDR-Legenden auf dem Prüfstand – Schein und Sein
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In dem Buch "Friedensstaat, Leseland, Sportnation?" werden die gängigen DDR-Legenden von Experten überprüft. sueddeutsche.de fasst die Ergebnisse zusammen.
Die Sportnation DDR
"Laufen Sozialisten schneller?" Diese Frage beschäftigte viele in Westeuropa und wurde sogar in Fachaufsätzen beschrieben, nachdem die DDR bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko mehr Goldmedaillen gewonnen hatte als die Bundesrepublik. Die Erfolge der DDR-Athleten hielten an: 1976 und 1988 lag das Land mit seinen 16 Millionen Einwohnern vor den USA und bei den Winterspielen 1984 wurde sogar die UdSSR übertrumpft. Allerdings war der Preis beträchtlich, wie die Historikerin Jutta Braun beschreibt.
1969 wurde der "Leistungssportbeschluss" verabschiedet: Disziplinen, in denen viele Medaillen zu gewinnen waren, wurden als "Sport I" besonders gefördert, während alle Mannschaftssportarten außer Fußball zum "Sport II" herabgestuft wurden. Schwimmen galt wie Rudern oder Leichtathletik als "Sport I", während Wasserball oder Handball als minderwertig galten: Viel Aufwand bei wenig garantiertem Ertrag. Um vor allem die BRD auszustechen, wurden alle Schulkinder laut Braun "akribisch gewogen und vermessen". Weitere Folge des Medaillenwahns: Der Breitensport wurde kaum gefördert, Schwimmbäder und Sportplätze waren heruntergekommen, Laufschuhe für den Normalbürger Mangelware.
Eine Vielzahl von Dokumenten belegt, dass von 1966 an flächendeckend gedopt wurde - dabei wurden Steroide bei Minderjährigen oft als Vitamintabletten dargestellt. Immer wieder überlegten Funktionäre, wie man verhindern könnte, dass etwa Schwimmerinnen mit tiefen Stimmen und breiten Schultern interviewt werden. Moralische Fragen spielten eine untergeordnete Rolle. Nach dem Mauerfall versuchten die Funktionäre, die Pillen und Spritzen zu beseitigen und Akten zu zerstören. In der Wendezeit zeigte sich, dass die Sporterfolge einen weiteren Zweck nicht erfüllten: Das Ansehen der DDR sollte "nach innen und außen" gestärkt werden - doch die Bürger waren nicht mehr stolz auf ihr Land.
Die damals 18 Jahre alte Katarina Witt gewann 1984 Gold bei den Olympischen Winterspielen in Sarajewo. Foto: dpa
2. November 2009, 11:54 2009-11-02 11:54:00 ©