Normalerweise sind Buchvorstellungen eine kuschelige Sache. Bei der Präsentation des neuesten Werkes des Datenschutzbeauftragten zeigten Innenminister Wolfgang Schäuble und Autor Peter Schaar jedoch, dass es auch anders geht.
Peter Schaar ist Bundesdatenschutzbeauftragter, er muss sich darum kümmern, dass die vertraulichen Daten der Bürger auch vertraulich bleiben. Er kämpft qua Amt gegen die Begehrlichkeiten nach immer mehr Informationen über die Bürger. Außerdem ist er in der Großstadt Berlin aufgewachsen. Einwohnerzahl: 3,6 Millionen.
"Die Daten geraten außer Kontrolle", sagte der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar (© Foto: AP)
Anzeige
Wolfgang Schäuble ist Bundesinnenminister, er ist qua Amt dafür zuständig, die Bürger zu schützen und will dafür ihre Daten nutzen - damit niemand beim Internetbanking ausgespäht wird und Attentatsplanungen von Terroristen frühzeitig entdeckt werden. Außerdem ist Schäuble in der kleinen Stadt Hornberg im Schwarzwald aufgewachsen. Einwohnerzahl: 4300.
Die Herkunft der beiden Männer ist wichtig, um zu verstehen, was am Dienstag in Berlin geschehen ist: nichts weniger als der Zusammenprall von anonymer Großstadt und überschaubarer Kleinstadt, von digitaler und analoger Welt.
"Die Daten geraten außer Kontrolle"
Schaar hat sein Buch präsentiert: "Das Ende der Privatsphäre. Der Weg in die Überwachungsgesellschaft." Und ausgerechnet Wolfgang Schäuble, der Protagonist der Online-Durchsuchung, hat es vorgestellt. Sein Fazit: Wirkliche Privatsphäre hat es auch früher schon nicht gegeben, die soziale Kontrolle war überall. Zumindest bei Schäuble auf dem Dorf.
"Die Daten geraten außer Kontrolle", sagt Schaar. Unternehmen und Staat wollten immer mehr wissen über ihre Kunden und Bürger. Durch die Speicherung der Telekommunikationsdaten gerate sogar die Unschuldsvermutung in Gefahr. Denn wer Telefondaten von unschuldigen Bürgern sechs Monate lang speichere, der halte diese Bürger nicht für unschuldig.
"Ja, sind Sie jetzt auch gegen die Autokennzeichen?" hält ihm da Schäuble entgegen. "Die haben wir doch auch nur deswegen, um bei einem Schaden zu sagen: Du warst es." Genauso sei es auch bei der Speicherung der Telefondaten. Aber die Autokennzeichen würden doch nicht überall registriert, erwidert Schaar. "Aber ich seh' Sie um die Ecke fahren", sagt Schäuble.
So geht es weiter. Schaar sagt, Internet-Buchhändler oder die Betreiber von Suchmaschinen könnten durch die Speicherung von Bestellungen exakte Kundenprofile anlegen. Schäuble: "Früher hat mir mein Buchhändler im Ort auch gesagt: Das Buch hier könnte Sie interessieren. So was lesen sie doch gern."
Schaar beklagt, dass heute "ganz beiläufig" Daten entstünden, mit denen der Bürger überall zu orten sei - durch die Kommunikation mit Handys, durch Navigationssysteme. "Schmeißen Sie Ihre Handys weg", ruft Schäuble in den Saal. "Reißen Sie ihre Navigationssysteme aus dem Auto, kaufen Sie sich wieder einen Stadtplan!"
Schäuble: "Wir leben heute besser als früher"
Schaar beschwört den Fluch der schönen, neuen Datenwelt, Schäuble ihren Segen. Und Schäuble erzählt von seiner Heimat Hornberg - gut 4000 Einwohner, jeder kennt jeden. "Da wussten ziemlich viele von ziemlich vielen anderen ziemlich viel. Wir müssen uns die Sensibilität für den Datenschutz bewahren. Aber wir stehen nicht am Ende der Moderne und wir leben heute besser als früher."
Schäubles Argumente machten zumindest eines klar: Den Weg zurück auf die ganz persönliche eigene Insel in der Datenflut gibt es nicht. Und daran hat noch nicht einmal der Staat die größte Schuld - sondern der Exhibitionismus vieler Bürger. "Wir haben keinen Überwachungsstaat im orwellschen Sinne", betont Schaar. Es werde nur immer einfacher, alles zu überwachen.
Ihm werde ganz "schwindlig", wenn Studenten auf Internet-Seiten wie "Studi-VZ" von ihrer politischen Ansicht bis zur sexuellen Vorliebe alles öffentlich feilböten, sagt Schaar. Die sollten sich nicht wundern, wenn später kommentarlos Absagen von Arbeitgebern kämen: "Da liegt dann neben der Bewerbungsmappe auch das Internet-Dossier über den Bewerber."
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 10.10.2007)
Stockender Kita-Ausbau
das zweite sollte ein "und" sein :)
bin schon ganz wuschig im kopf vor lauter überwachung ;)
ein HüRDE
ws beweist es woche für woche wieder durch inkompetenz inkompetenz ignoranz
Schäuble "will dafür ihre Daten nutzen - damit niemand beim Internetbanking ausgespäht wird", schreibt Frau Rammelsberger und betreibt damit nichts anderes als Hofberichterstattung. Sie sollte mal den Versuch unternehmen, eine E-mail-Nachricht, die offensichtlich ein Phishing-Versuch ist, von der nächsten Polizeidienststelle, und dort der dafür zuständigen Abteilung, untersuchen zu lassen. Sie wird höchst unbefriedigende Antworten bekommen.
Darum geht es Schäuble also nicht. Der Trojaner, den er für die Terrorismusbekämpfung vorgeblich so dringend braucht, kann kein Beweismittel sein: wer in einen Rechner einbricht, kann restlos alles manipulieren, auch Daten einschmuggeln - wer will beweisen, welchen Ursprungs die dann sind?
Was nun genau dahintersteckt, wird Wolfis Geheimnis bleiben. Nach dem Ausschlußverfahren beurteilt, stellt er aber ein ganzes Volk unter Generalverdacht und dafür gehört er abserviert und alle, die mit ihm die gleichen Ziele verfolgen.
""Ja, sind Sie jetzt auch gegen die Autokennzeichen?" hält ihm da Schäuble entgegen. "Die haben wir doch auch nur deswegen, um bei einem Schaden zu sagen: Du warst es." Genauso sei es auch bei der Speicherung der Telefondaten."
Hier hat Herr Schaar leider nicht so gut geantwortet. Ein Autokennzeichen ist nicht mit der Vorratsdatenspeicherung vergleichbar, sondern mit der Telefonnummer. Man kann bereits heute schon Perverse per Fangschaltung identifizieren und anzeigen, das ist vergleichbar mit dem Starenkasten an der Ampel. Was unser Ober-Schäuble da plant, wäre vergleichbar mit der Totalaufzeichung aller Auto-Bewegungen in Deutschland, um dann später zeigen zu können: Hier warst du zu schnell.
Aber keine Angst, das kommt sicher auch noch!
PS: übrigens bringt man mit zu schnellem oder alkoholisiertem Telefonieren üblicherweise niemand in Gefahr...
Sobald die Großindustrie von Intransparenz profitiert,gibt es keine politische Lobby für ein Offenlegen der Empfänger EU-Agrarsubventionen in Deutschland.Aber sobald es darum geht,die Menschen in diesem Land zu überwachen un zu kontrollieren,hören die stakkatohaften Wiederholungen für den "Schutz" der Menschen nicht auf.Hier ist klar,welche Interessen dahinter stecken.In Europa ensteht ein sicherheitsindustrieller Komplex,mit dem sich auf Kosten von Freiheit viel Geld verdienen lässt und ist vergleichbar mit dem Ablasshandel im Mittelalter,bei dem aufgrund von Machtinteressen den Menschen eine Illusion verkauft wurden ist.Sicherheit ist eine Illusion,den diese kann es nicht zu 100% geben,ohne Einschränkungen im Verhalten von Menschen und den Abbau von Demokratie zu forcieren.
Es geht um eine Kontrolle der Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit der Menschen.Wer weiß,dass seine Datenspur im Internet gespeichert wird,überlegt sich,ob Seiten,die Rückschlüsse über Krankheiten,private Problemen oder ängste geben könnten,besucht.Das Internet kann zur Gefahr werden,wenn man es z.B.zur Recherche während z.B.eines Chemiestudiums nutzt und viele chemische Begriffe eingibt,die die Strafverfolgungsbehörden dazu verleiten könnten,es handelt sich um einen Gefährder.Selbst bei Privaten Interesse aufgrund eines Hobbys währe sowas denkbar.
Ein Profil ist schnell erstellt,weil viele Daten ein verzerrtes Bild eines Menschen ergeben können,während man im Auto an jemanden vorbeifährt nur eine Momentaufnahme ist,ohne das Ziel und den Namen,wenn man die Person nicht schon kennt,zu erfahren.Er/sie könnten zur arbeit,einkaufen oder einen Bekannten besuchen fahren.Hier werden die Freiheitsrechte gewahrt,aber sobald der Staat Kennzeichen-Scanning einführt und somit ein Bewegungsprofil erstellt,kann das wieder zu falschen Rückschlüssen führen.Die Frage,was hat der Staat davon,ist die Frage,wer ist der Staat?Solange man noch das Gefühl hat,es handelt sich um eine Demokratie,kann man darüber den Kopf schütteln,aber sobald das Korsett zwischen erlaubten und verbotenem immer enger wird,wird einem erst klar,wie wertvoll es ist,ohne Angst vor möglichen Repressalien sich auf der Daten- und realen Autobahn zu bewegen.
Die Freiheit wird geopfert für eine Illusion von Sicherheit die Kontrolle und Generalverdacht bedeutet,w
Paging