Der Dalai Lama sucht einen Nachfolger als politischer Anführer der Tibeter - für Peking sollte dies eine schlechte Nachricht sein.
Kann ein Gott in den Ruhestand gehen? Wer den Dalai Lama jemals persönlich erlebt hat, der weiß, dass er, sollte ihm diese Frage gestellt werden, bestimmt vergnügt kichern würde. "Warum nicht?", würde er vermutlich zurückfragen. Das geistige und bis jetzt auch politische Oberhaupt der Tibeter hat viel Humor. Das ist ein Grund dafür, warum er weltweit ein gern gesehener Gast geblieben ist - vor gut einem Jahr etwa wieder im Weißen Haus, bei Barack Obama.
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Nun hat der Dalai Lama angekündigt, als politisches Oberhaupt der Tibeter zurücktreten zu wollen. Die Hintergründe für diese Äußerung sind allerdings überhaupt nicht heiter. Es geht um seine eigene Nachfolgeregelung, denn der 76-jährige Mönch musste in den vergangenen Jahren schon mehrmals in Krankenhäusern behandelt werden. Zudem erlebt Tibet die schwerste chinesische Repression seit vielen Jahren. Tag für Tag verschwinden Tibeter in chinesischen Gefängnissen. Der Dalai Lama hat mit seinem Wunsch nach einer teilweisen Pensionierung nun selbst an seine Sterblichkeit erinnert.
Das weckt unter anderem Ängste vor einer erneuten Eskalation in Tibet, denn der Friedensnobelpreisträger steht wie kein anderer für eine gewaltfreie Lösung der Tibet-Frage. Der Rückzug von der politischen Verantwortung, der in der kommenden Woche vom tibetischen Exilparlament debattiert werden soll, ist aber auch ein Schachzug im Tauziehen um die nächste Reinkarnation des Dalai Lama. Die kommunistischen Führer Chinas haben die politische Bedeutung dieser religiösen Tradition längst erkannt. So hatte Peking die vom Dalai Lama verkündete Wiedergeburt des Pantschen Lama, des zweitwichtigsten Würdenträgers, im Jahr 1995 zurückgewiesen. Den Jungen, der damals sechs Jahre alt war, ließ man verschwinden. Er ist der jüngste politische Gefangene der Welt.
Die Kommunistische Partei Chinas vergaß damals den Atheismus eines Marx oder Mao und erklärte, ab sofort selbst für Reinkarnationen zuständig zu sein. Sie "fand" ihren eigenen Wiedergeborenen. Seither gibt es zwei Pantschen Lama, doch der von Peking gekrönte wird von den Tibetern verachtet. Die Menschen in Tibet müssen gezwungen oder bestochen werden, bevor sie sich bei einem seiner Ausflüge an den Straßenrand stellen. Und der Pantschen ist nicht der einzige "doppelte" Lama. Aufgrund ähnlicher Winkelzüge gibt es zur Zeit auch zwei Karmapa Lamas.
Der Dalai Lama hat gesagt, seine echte Reinkarnation werde, wenn überhaupt, in der "freien Welt" gefunden werden. Der jetzige, vierzehnte Dalai mag hoffen, dass die Abkoppelung der politischen von der religiösen Rolle seinen Nachfolger im Exil stärken wird. So wurde er selbst von Barack Obama nur im Kartenraum des Weißen Hauses empfangen, weil immer noch jede Regierung der Welt peinlich darauf zu achten hat, den Dalai Lama aus Rücksicht auf Chinas wirtschaftliche Macht nur als religiöses und nicht als politisches Oberhaupt der Tibeter zu betrachten. Ein rein religiöser Führer könnte gar ein besserer Botschafter der tibetischen Sache im Ausland sein.
Die chinesische Regierung hat jetzt nicht gezögert, an ihre Verachtung für den Dalai Lama zu erinnern. Er "spiele Tricks", um die internationale Gemeinschaft zu täuschen, kommentierte eine Sprecherin. Die kalten, unfreundlichen Worte spiegeln die Überzeugung Pekings wieder, nach dem Einsatz massiver militärischer Gewalt in der Folge der TibeterProteste vom März 2008 in Lhasa erneut fest im Sattel zu sitzen. Doch es gibt auch Beobachter, die davor warnen, dass Peking seinen Hochmut bald bereuen könnte. Der Dalai Lama wird immer häufiger von jungen, hitzköpfigen Tibetern für seinen Weg der Gewaltlosigkeit kritisiert. Möglicherweise verpasst Peking gerade die historische Chance, eine vom enormen Ansehen des jetzigen Dalai Lama getragene, dauerhafte Lösung der Tibet-Frage zu finden.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 11.03.2011/segi)
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Der Dalai Lama zieht sich aus der Politik zurueck ? Es klang erst wie etwas unglauliches, aber es ist so. Die Geistliche Rolle will er behalten,dass geht auch nicht anders. Nun hat er diesen Ball, der Politik abgegeben und Peking steht nun da wie ein kleiner Schuljunge.Sie wissen nicht so recht, was sie damit anfangen sollen. Die Sprecherin von der Chinesischen Regierung machte da weiter wo Peking immer war.Die Tibetianer sind selber an ihren Schicksal schuld,Peking meint es doch nur gut mit ihnen. Jetzt wird es einen neuen Vertreter dieser Minderheit geben,ob man mit denen in Peking auch gut zurechtkommen kann, dass ist dann die Frage. Wer die Unruhen und Aufstaende Weltweit sieht,der kann sich davon nun sein eigenes Bild davon machen. China ist gross,es ist auch ein Vielvoelker Staat und wenn die Regierenden in Peking nicht aufpassen,dann gibt es Unruhen. Deren Resultat niemand vorhersagen kann,auch gibt es berechtigte Zweifel,ob man in der KP Chinas das Ausmass der zukuenftigen Probleme erkennen kann, oder will.
ich glaube, ich verstehe Sie. Ich denke, Sie wissen, wohlinformiert, daß ein Gott, wenigstens ein buddhistischer/lamaistischer nicht sterben kann. Da seien, in diesem wie im nächsten Kalpa, die Seelenwanderung, das ewige Rad der Wiedergeburten und die immerwährende barmherzigkeit der Bodisattvas davor! Mag der Körper des Dalai Lama sterben, der Buddha in ihm wird sich eine neue Wiedergeburt suchen. Deshalb kann der Dalai Lama auch nur seine politische Führerschaft niederlegen, nicht aber die religiöse.
Das wissen Sie, selbstverständlich.
Aber wenn Sie, wie vermutlich, bewußt oder unbewußt, mit dem Titel "Ein sterblicher Gott" Ihres Artikels auf den verwiesen hätten, auf den das wirklich zuträfe, ich meine niemand geringeres als Karl-Theodor zu Guttenberg, wären Ihnen gut 500 000 Facebook user, die meisten gerade erst mit dem Internet vertraut geworden, um ihren Gutti verteidigen zu können, auf den Kopf gestiegen und hätten irgendwo auf der sueddeutschen online den Protestbotton gesucht. Aber nicht gefunden. Das wäre tragisch gewesen. Denn ihr Heiland stirbt nicht! Denken sie. Tatsächlich wird er fürs erste überleben. Aber sein Glanz verblßt doch schon ganz erheblich, bis ihn, trotz öltriefender Frisur, gar nicht mehr wahrnehmen kann.
Wie gesagt, ich verstehe Sie. Aber machen Sie sich doch in Zukunft auch jenen verständlicher, die nicht auf Anhieb wissen, daß Buddha unsterblich ist. Allerdings auch kein Got...
mit nach wie vor vielen menschlichen Schwächen.
Ich bin mir nicht ganz sicher was mit "...aufgrund ähnlicher Winkelzüge...zwei Karmapas" gemeint ist. Momentan gibt es sogar mehrere Menschen oder Kreise die beanspruchen, die richtige Reinkarnation des Karmapas zu sein. Ob die KPCh hier ihre Finger im Spiel hat, kann man sehr stark bezweifeln.
Die eigentliche Crux der Reinkarnation liegt ja darin, dass es eine Glaubensache ist. Sobald aber dies in politische bzw. ökonomische Macht umschlägt, wird es zum Problem und führt automatisch zum Missbrauch. Genauso wenn es um unseren "Gott" Kundun geht. Das Ideal der Gewaltlosigkeit ist sehr nobel und wird wirklich nur von sehr wenigen "Hitzköpfen" kritisiert.
Doch die eigentliche Gewaltenhoheit sollte beim tibetischen Volk liegen und nicht in wenigen Händen religiöser Führern. Denn diese sind nicht demokratisch gewählt bzw. haben absolut keine Legitimation politische Entscheidungen zu treffen. Seit dem 13. Dalai Lama gibt es angeblich Reformen zur Demokratisierung im politischen Systems Tibets, doch de jure wie auch de facto ist nichts passiert.
Der KPCh kann der Status Quo nur genehm sein. Denn ihr Feindesbild reduziert sich auf eine Person (Dalai Lama). Doch die grössere Gefahr für ein diktatorisches Regime ist eine demokratisch legitimierte Regierung bzw. Exil-Regierung Tibets die wirklich von der tibetischen Diaspora unterstützt wird. Solange aber Kundun, hohe Reinkarnationen und Rinpoches nicht abtreten, kommt es nicht dazu.