Daimler Lernen von Volkswagen

Die Autobauer aus Stuttgart dürften es besser machen als die aus Wolfsburg.

Von Ulrich Schäfer

Nun also auch Daimler. Gegen Mitarbeiter des Autoherstellers aus Stuttgart wird, wie am Dienstag bekannt wurde, ermittelt. Es geht um Dieselfahrzeuge, um den Verdacht des Betrugs und um strafbare Werbung. Und man denkt unwillkürlich: Das ist ja ganz ähnlich wie bei Volkswagen. Tatsächlich jedoch spricht - auch wenn über die Details der Ermittlungen bislang wenig bekannt ist - sehr viel dafür, dass die Fälle grundsätzlich anders gelagert sind und auch anders ausgehen dürften.

Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass man in Stuttgart sehr viel mehr von richtiger Krisenkommunikation versteht als in Wolfsburg. VW hat auf diesem Feld so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Der Konzern und sein Vorstand haben lange, viel zu lange abgestritten, wie umfassend der Betrug war - und wie viele hochrangige Manager davon wussten oder daran beteiligten waren. Man erfand in Wolfsburg auch den euphemistischen Begriff der "Diesel-Thematik" und redete damit etwas klein, was tatsächlich ein gewaltiger Skandal war, ein veritabler Kriminalfall, wie er in der deutschen Industrie so noch nie vorgekommen ist.

Aus all dem kann man viel lernen. Und zwar vor allem: wie man es nicht macht. Wer Fehler begeht, sollte diese öffentlich einräumen; sofort, direkt, nicht erst dann, wenn es viel zu spät ist. Das weiß man auch bei Daimler in Stuttgart.