Von Rudolph Chimelli

Karikaturen des Propheten Mohammed in einer dänischer Zeitung haben zu Protesten, Boykotts und Gewalt in der islamischen Welt geführt.

"Wir verkaufen keine dänischen Erzeugnisse" steht an großen Supermärkten in Saudi-Arabien. Das Königreich hat aus Protest seinen Botschafter aus Kopenhagen abberufen, weil weder Dänemarks Regierung noch die Zeitung Jyllands-Posten sich für eine Serie von zwölf Karikaturen entschuldigen wollen, die den Propheten Mohammed abschätzig darstellten.

Gaza-Stadt, AFP Bild vergrößern

Im Zeichen des Zorns: Palästinenser zünden in Gaza-Stadt eine Fahne an (auch wenn sie hier die dänische mit der norwegischen verwechselt haben). Die radikal-islamische Hamas forderte alle Muslime auf, keine Produkte aus dem skandinavischen Land mehr zu kaufen. (© Foto: AFP)

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Auch Libyen schließt deshalb seine Vertretung in Dänemark und droht mit wirtschaftlichen Repressalien. Zornige Muslime drangen am Montag zeitweise in die EU-Vertretung in Gaza-Stadt ein. Überall in der islamischen Welt, selbst in Mauretanien und Kaschmir, häufen sich die Proteste.

Die Karikaturen waren schon im September erschienen. Eine davon zeigte den Propheten mit einem Turban in Form einer Bombe mit brennender Lunte. In der islamischen Welt sind Darstellungen Mohammeds sogar in rühmender Form verboten, um einer Verehrung seines Abbildes vorzubeugen.

Unter Polizeischutz

Feuilleton-Redakteur Flemming Rose, hatte die Zeichnungen in Auftrag gegeben, als er erfuhr, dass dänische Künstler nicht an einer für Kinder bestimmten Biografie Mohammeds mitarbeiten wollten - angeblich aus Angst vor der Reaktion von Fundamentalisten unter den 200.000 Muslimen des Landes. Rose verbrachte Monate unter Polizeischutz.

Vier von fünf Dänen sind der Meinung, dass die Regierung sich nicht entschuldigen soll, und 62 Prozent billigen auch die Entscheidung der Zeitung. Premierminister Anders Fogh Rasmussen wies wiederholt darauf hin, dass seine Regierung keine Möglichkeit habe, auf die Medien einzuwirken.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai, der ihn am Wochenende besuchte, sagte, die Veröffentlichung der Karikaturen sei "ein Fehler" gewesen, aber ihn als Muslim hätten die Erklärungen des Regierungschefs voll zufrieden gestellt. "Die Presse hier ist frei wie jetzt bei uns in Afghanistan." Die Muslime sehen dies anders.

Der führende dänische Imam Ahmed Abu-Laban bewertet die Karikaturen als Ausdruck von "Hass gegen den Islam" und einer Stimmungswelle gegen Einwanderer. "Man will uns als Gegner dänischer Werte darstellen", sagte er.

Erst langsam erfasste die Empörung der dänischen Muslime die islamische Welt. Die wirtschaftlichen Folgen des Kulturkampfes können beträchtlich sein. Die dänische Firma Arla Foods, der zweitgrößte europäische Exporteur von Milch-Produkten nach Saudi-Arabien, hat in nahöstlichen Zeitungen Anzeigen platziert, um einen weiteren Boykott abzuwenden.

Boykott in Supermärkten

Arla Foods verkauft jährlich für etwa 140 Millionen Euro dänische Erzeugnisse allein nach Kuwait. Auch dort haben sich bereits Einfuhr-Firmen und Supermärkte dem Boykott angeschlossen. Dänemarks Botschafter wurde ins Außenministerium zitiert.

Die EU erwägt, wegen des Boykotts die Welthandelsorganisation einzuschalten und drohte Saudi-Arabien mit Sanktionen. Der Vize-Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Ben Helli, plant, bei den UN ein Verbot von Religions-Schmähungen zu erwirken.

Ein dänischer EU-Mitarbeiter im Gaza-Streifen wurde mittlerweile von der EU-Kommission zu seinem Schutz nach Jerusalem zurückbeordert. Extremisten im besetzten Palästina haben aber nicht nur Dänen bedroht, sondern auch norwegische Staatsbürger aufgefordert, sofort abzureisen: Eine Zeitung in Oslo hatte aus Solidarität mit Jyllands-Posten die Zeichnungen nachgedruckt.

Nördlich der irakischen Hauptstadt Bagdad wurde am Montag ein Anschlag auf einen dänisch-irakischen Militärkonvoi verübt. Verletzt wurde niemand. Es wurde geprüft, ob der Anschlag im Zusammenhang mit den Karikaturen steht.

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(SZ vom 31.1.2006)