Der unionsinterne Widerstand gegen das Elterngeld für Väter bröckelt: Nun traut sich ein CSU-Politiker und erhält Lob und Zuspruch aus den eigenen Reihen.
Als Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) plante, das Elterngeld auch für Väter einzuführen, stieß sie bei Unionskollegen auf heftigen Widerstand.
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Wenn Papa eine Auszeit nimmt: Selbst im CSU-Vorstand findet man mittlerweile Gefallen am "Wickel-Volontariat". (Archivbild) (© Foto: dpa)
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Vor allem die CSU-Herren ließen die Ministerin abblitzen. "Wir müssen dieses Wickel-Volontariat nicht unbedingt haben", spottete der Chef der CSU-Landesgruppe in Berlin, Peter Ramsauer, der emanzipatorischer Regungen nicht verdächtig ist. Um den Kulturbruch abzumildern, brachte die CSU sogar die Idee vom Betreuungsgeld auf, das als Herdprämie Karriere machte und dafür sorgen sollte, dass auch die Mama, die ganz daheim bleibt, nicht zu kurz kommt.
Doch gerade die bayerischen Männer erwiesen sich als besonders modern: Schon ein Jahr nach Einführung des Elterngeldes verkündete von der Leyen mit süffisantem Lächeln die frohe Nachricht: Ausgerechnet die bayerischen Väter nehmen das Elterngeld bevorzugt in Anspruch. "Die Bayern sind Trendsetter", so die Ministerin.
Inzwischen hat man selbst im CSU-Vorstand Gefallen am "Wickel-Volontariat" gefunden: Stefan Rößle, Landrat des Landkreises Donau-Ries und Mitglied des Parteivorstands, ist der erste Landrat Deutschlands, der sich aus seinem Amt ausklinkt, um mit von der Leyens "Bundeselterngeld" seinen Nachwuchs zu betreuen. Rößle, 44, hat fünf Kinder und wurde zuletzt mit 94,2 Prozent als Landrat wiedergewählt.
Alle CSU-Kreisräte waren stolz auf ihn - bis er bekanntgab, er werde für zwei Monate in Elternzeit gehen. Applaus bekam er von SPD, Grünen und Linken. Die CSU-Fraktion blieb stumm. "Da ist dem einen oder anderen das Gesicht heruntergefallen", sagt Rößle. In einer Krisensitzung musste er sich sogar für seinen Schritt rechtfertigen. Zwei Monate zu Hause, hieß es, ob er sich denn keinen Babysitter leisten könne?
Rößle zieht die Erziehungszeit dennoch durch, auch wenn er dabei am Weltbild einiger Parteikollegen rüttelt. "Ich mache das bewusst, um ein Zeichen zu setzen", sagt er. "Das tut der Kleinen gut, und auch mir." Tochter Maike ist elf Monate alt und wird in den kommenden zwei Monaten vom Vater versorgt - zusammen mit den anderen Kindern im Hause Rößle. "Ich werde keinen einzigen amtlichen Termin wahrnehmen und keine Parteisitzung besuchen."
Historisches Vorbild war Anfang der 90er Jahre Wiesbadens Oberbürgermeister Achim Exner (SPD) mit einem halben Jahr Erziehungsurlaub, mittlerweile bereiten sich die nächsten Politiker auf ihre Babypause vor: Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) wird sich im kommenden Jahr eine zweimonatige Auszeit für sein drittes Kind gönnen. "Es gab keinerlei negative Reaktion", sagt der 35-Jährige. Selbst die politischen Gegner äußerten sich wohlwollend.
Der SPD-Abgeordnete Anton Schaaf hat seine Tochter trotz Bundestagsmandats selbst betreut: Notfalls schob er den Kinderwagen in den Sitzungssaal. Landrat Stefan Rößle berichtet von einer vorsichtigen Anfrage eines Bürgermeisters aus Franken. "Haben die Leute arg geschimpft?", habe sich der junge Kollege besorgt erkundigt. Rößle riet: "Durchziehen!" Er selbst habe großen Zuspruch erfahren, "auch von den Frauen und jungen Männern aus der CSU".
Heute nehmen in Deutschland 15,4 Prozent aller jungen Väter Elterngeld. In Bayern sind es sogar 22,1 Prozent. "Wir sind Zeuge einer leisen Revolution", sagt Ursula von der Leyen, die bereits an einer Verlängerung der Vätermonate bastelt - übrigens mit Unterstützung der CSU.
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(SZ vom 13.02.2009/cag)