Ein Kommentar von Guido Bohsem, Berlin

Die CSU-Spitze um Parteichef Huber will an diesem Montag ihr milliardenschweres Steuersenkungspaket beschließen: So richtig die dem Vorschlag zugrunde liegende Idee auch ist - die CSU macht sich selbst damit unseriös. Denn sie sagt nichts darüber, woher das Geld für die Entlastung kommen soll.

"Mehr netto für alle", heißt das Steuerkonzept der CSU. Insgesamt 28 Milliarden Euro will die im Umfrage-Tief steckende Bayern-Partei den Bürgern erlassen. Profitieren sollen weniger die Spitzenverdiener, als vielmehr der Facharbeiter in der Fabrik, die Verkäuferin, der Bankangestellte. Ziel der CSU ist es, die schleichend steigende Steuerlast abzufedern, die diese Leute seit Jahren plagt.

Musste zuletzt viel Kritik einstecken: Erwin Huber. (© Foto: ddp)

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Das ist eine gute, eine richtige Idee. Denn: Vor 50 Jahren musste den Spitzensteuersatz zahlen, wer 17 Mal soviel Geld bekam wie der Durchschnitt. Heutzutage greift die höchste Abgabestufe schon beim 1,4fachen des Durchschnittseinkommens.

Abschied von einem Kernziel der Koalition

So richtig der Plan auch ist, die CSU ruiniert ihn. Sie macht ihn angreifbar und sich selbst unseriös, weil sie nichts darüber sagt, woher das Geld für die Entlastung denn kommen soll. Weil das Vorhaben mit einer seriösen Gegenfinanzierung nur noch halb so schön glänzen würde, lässt der gelernte Steuerinspektor und CSU-Parteichef Huber sie einfach weg.

Er setzt auf das Prinzip Hoffnung, also darauf, dass die Steuereinnahmen steigen und sich das Geld schon irgendwie findet.

Das ist allemal leichter als zum Beispiel anzukündigen, die Zuschüsse des Staates für die Landwirtschaft oder die Kohle zusammenzustreichen. Dieser Trick ist schon oft aufgeführt worden, geklappt hat er noch nie.

Vernünftiger wäre es, zunächst die Etats zu sanieren und erst danach über Steuersenkungen nachzudenken.

Das Manöver der Bayern lässt eigentlich nur einen einzigen Schluss zu: Mit ihren Steuerplänen verabschiedet sich die CSU von einem Kernziel der großen Koalition, nämlich 2011 mit der Schuldenmacherei Schluss zu machen.

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(SZ vom 5.5.2008)