CSU-Chef Seehofer will Staatshilfen für Arcandor - und desavouiert den Hoffnungsträger der Partei, Wirtschaftsminister Guttenberg. Das ist riskant.
Wäre es nur ein Spiel, es wäre unterhaltsam anzusehen. Da ist auf der einen Seite Karl-Theodor zu Guttenberg. Der Bundeswirtschaftsminister gibt die Stimme der ökonomischen Vernunft, die vor leichtfertigen Staatshilfen für schwankende Unternehmen warnt. Erst bei Opel, jetzt bei Arcandor.
CSU-Chef Horst Seehofer und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. (© Foto: AP)
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Sein Gegenspieler ist der eigene Parteichef, Horst Seehofer. Der ist auch bayerischer Ministerpräsident, und weil Arcandor - anders als Opel - auch einige tausend Arbeitsplätze im Freistaat hat, wirft er sich für den Handelskonzern in die Bresche.
Formal attackiert Seehofer die EU-Kommission, die voreilig Hilfen für Arcandor ausgeschlossen habe. Faktisch lässt er Guttenberg im Regen stehen, der am Dienstag noch schnell mit dem Vorwurf zur Hand gewesen war, die SPD blöke in Sachen Arcandor Heilsversprechen heraus.
Seehofers Kalkül ist klar: Er will die CSU aus der Schusslinie nehmen. Sie soll, nur Tage vor der Europawahl, nicht als herzlose Partei dastehen, die hehre ordnungspolitische Grundsätze über das Schicksal Tausender Menschen stellt, in diesem Fall bei Quelle in Fürth.
Doch dabei gerät umso mehr Guttenberg in die Schusslinie - und für ihn war eigentlich die Rolle des Hoffnungsträgers der strauchelnden CSU vorgesehen. Nicht umsonst sieht, wer dieser Tage durch Bayern fährt, auf den großen Plakatwänden nur die Gesichter von Seehofer und Guttenberg, die bekanntlich beide nicht fürs Europa-Parlament kandidieren.
Es ist ein doppeltes, riskantes Spiel, das die CSU hier aufführt. Denn Guttenbergs als geradlinig empfundene Haltung während der Opel-Verhandlungen findet bei der eigenen Klientel viel Zustimmung. Er gibt all jenen eine Stimme, die Staatseingriffe in die Wirtschaft grundsätzlich skeptisch sehen. In ihm finden sich diejenigen wieder, die beklagen, dass mit Milliardenbeträgen den Großen geholfen werde, während die mittelständischen Betriebe mit ihren Problemen alleingelassen würden. Und er gibt all den Parteianhängern Hoffnung, die einen wie Friedrich Merz in der Union vermissen. Dies alles setzt Seehofer aufs Spiel.
Freilich hatte die CSU noch nie ein Problem damit, zugleich für und gegen eine Sache zu sein. Regierung und Opposition in sich zu vereinen, war stets ihr Erfolgsrezept. Seehofer insbesondere ist ein Großmeister dieses Spiels. Doch diesmal könnte es die CSU teuer zu stehen kommen. Denn es ist allzu offensichtlich, wie schnell sich ihr Fähnchen dreht, wenn es um Arbeitsplätze in Bayern geht. "Was Opel für Rüsselsheim, das ist Quelle für diese Region" - mit diesem Satz hat der aus Franken stammende Markus Söder die Motive der CSU offengelegt. Und alle ordnungspolitischen Grundsätze werden noch viel weniger gelten, wenn erst einmal bayerische Vorzeigefirmen wie
Schaeffler offiziell um Hilfe bitten. Bei der Landtagswahl hat die CSU ein Debakel erlitten, weil sie über Jahre an Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren hatte. Um das wiederzugewinnen, muss sie ein anderes Spiel aufführen.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 05.06.2009)
Müll an der Isar
Schon 3 Tage nach der Europawahl kommt derselbe abgedroschene Mist von der CSU.
Die Europäische Kommission entscheidet über Beihilfen, nachdem sie formal notifiziert wurde oder nachdem sie selbst ein Verfahren eröffnet hat.
Beides hat nicht stattgefunden im Fall Arcandor und ergo kann die Kommission auch keine verbindliche Position bezogen haben.
Schade, dass der bairische Wähler die CSU noch einmal in EP bugsiert hat. Verdient hat diese Partei das wahrlich nicht.
Wer an wichtigen Wahlen in der Türkei Urlaub macht, sich von seinem Mutterland entfernt und die Schweinepest von außerhalb beobachtet, der kann kein Land führen.
..auf den von und zu Guttenberg ist ungeheuer nervtötend. Nach dem Motto: Wir holen uns ein unbeschriebenes Adelsblatt und interpretieren in ihn alle Hoffnungen und Träume die wir über den idealen Politiker haben hinein. Dieser Mann hat noch nichts geleistet. Daher konnte er auch noch nicht viel verkehrt machen. Leute, lasst doch bitte mal die Kirche im Dorf. Denkt bitte mal darüber nach, warum der Herr Guttenberg da sitzt wo er jetzt sitzt, und dann denkt mal darüber nach, wie das in deutschen Parteien funktioniert (zumal in der Amigopartei) wenn man in höhere Posititionen hinein möchte.
Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen. Danke!
Seehofer sollte ganz schnell abgesägt werden, denn er ist ein charakterloser Opportunist.
Da allerdings viele Bayern so sind, die in der Politik unterwegs sind - man erinnere sich an den CSU-Generalsekretär Söder - sollte man vom Freistaat nicht mehr allzu viel erwarten.
Die beste Lösung wäre, wenn die CSU demnächst zweimal an der 5%Hürde scheitert.
Paging