Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer gerät immer stärker unter Druck. Wegen seiner Liebesaffäre fordern nun erste CSU-Politiker seinen Verzicht auf die Kandidatur für den Parteivorsitz.

Als erster CSU-Politiker forderte der bayerische Landtagsabgeordnete und stellvertretende Bezirksvorsitzende von Unterfranken, Bernd Weiß, Seehofer in der "Bild am Sonntag" zum Rückzug auf. "Horst Seehofer schadet der Partei mit seinem ungeklärten Privatleben", sagte Weiß.

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Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (© Foto: dpa)

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"Er stilisiert sich als die verfolgte Unschuldsfigur - dabei ist er der einzige in der Partei, der selbst öffentlich darüber spricht." Er fordere Seehofer auf, seine Kandidatur für den Parteivorsitz zurückzuziehen, "um weiteren Schaden von der CSU fernzuhalten". Nach Gesprächen mit der Basis spüre er eine deutliche Mehrheit für Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber, der auch Nachfolger von CSU-Chef Edmund Stoiber werden will.

Der Oberbürgermeister von Bayreuth, Michael Hohl, sagte "BamS": "Die Berichterstattung über Horst Seehofer wird an der Basis intensiv diskutiert." Nach zahlreichen Gesprächen habe er den Eindruck gewonnen, dass der Rückhalt für Seehofer spürbar abgenommen habe, auch bei Parteifreunden, die ihm bisher nahe gestanden hätten. "Die Parteibasis wünscht sich, dass jetzt Ruhe einkehrt."

Der designierte bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein bekräftigte am Wochenende in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel seine Präferenz für Erwin Huber. Beckstein wies Vorwürfe Seehofers zurück, ihn bei der Besetzung der CSU-Führungsspitze übergehen zu wollen: "Es wurde niemand übergangen." Der bayerische Innenminister warnte gleichzeitig vor einem Zerwürfnis der Partei mit einem der beiden Kandidaten. Nach der Entscheidung werde der andere in der Führungsebene weiterhin eine wichtige Rolle zu spielen haben, sagte Beckstein der Zeitung. Huber habe schon als Generalsekretär der CSU eine enge Bindung zur Partei gehabt, was von enormer Bedeutung sei. Außerdem kenne und schätze er die Arbeit Hubers.

Showdown am Aschermittwoch

Seehofer ist an der CSU-Basis vor allem wegen der Medienberichte über eine Liebesaffäre des Bundesagrarministers mit einer jungen Frau in Berlin unter Druck geraten. Laut "Bild am Sonntag" verbringt Seehofer an diesem Wochenende einen Kurzurlaub mit seiner Familie, um sich mit seiner Frau auszusöhnen. Wegen der Berichte hatte der streng konservative Kölner Kardinal Joachim Meisner in der vergangenen Woche Seehofers Eignung als CSU-Vorsitzender angezweifelt.

Im Kampf um den CSU-Vorsitz ist Wirtschaftsminister Huber dem Vorwurf entgegengetreten, ein Provinzpolitiker zu sein. "Ich habe viele internationale Kontakte und kann, wenn es sein muss, mit Kommissaren der EU-Kommission stundenlange Fachdebatten direkt und auch in Englisch führen", sagte Huber der Leipziger Volkszeitung (Montagsausgabe). Wie andere auch müsse er mit gewissen Klischees leben. Doch er werde schon dafür sorgen, "dass das richtige Huber-Bild Platz greift". Schließlich sei er seit 1990 an Koalitionsverhandlungen beteiligt und seit 15 Jahren auch in der Bundespolitik präsent.

Huber bekräftigte, er wolle einen faire Auseinandersetzung mit Seehofer. "Von mir kriegt aber jeder etwas auf die Finger, wer sich innerhalb der CSU an einer Kampagne beteiligt." Der bayerische Wirtschaftsminister hielt weiter seine Option auf einen Wechsel nach Berlin nach der Bundestagswahl 2009 aufrecht. "Das ist nahe liegend", sagte er der "B.Z: am Sonntag".

Beim Politischen Aschermittwoch in Passau werden die beiden Konkurrenten Huber und Seehofer erstmals seit Eröffnung des CSU-internen Wahlkampfs direkt aufeinander treffen. Huber wird bei der Großveranstaltung in der Dreiländerhalle als niederbayerischer Bezirkschef ein Grußwort sprechen, Seehofer als Gast teilnehmen. Hauptredner ist zum vorausichtlich letzten Mal der scheidende CSU-Chef Edmund Stoiber. "Wir haben einen richtigen Anmeldeschub bekommen, weil viele Leute Stoiber noch einmal sehen wollen", sagte Generalsekretär Markus Söder. Stoiber stehe "ganz klar im Mittelpunkt". Stoiber will nach Angaben Söders einen wertkonservativen Akzent setzen. Nach Andrang eines CSU-Sprechers gibt es einen Andrang wie seit Jahren nicht mehr. "Die Leute reißen uns die Karten fast aus den Händen."

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(sueddeutsche.de/dpa/AFP)