Während sich führende CSU-Politiker gegen einen vorgezogenen Abgang Edmund Stoibers als Parteichef und Ministerpräsident aussprechen, kündigt Horst Seehofer eine schnelle Entscheidung um den CSU-Vorsitz an - und kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen.

Im CSU-Machtkampf forderten mehrere Vorstandsmitglieder, die Debatte um einen vorzeitigen Stabwechsel in Staat und Partei zu beenden.

Anzeige

Bayerns Wirtschaftsminister und Aspirant auf den Parteivorsitz Erwin Huber sagte im Bayerischen Rundfunk, man solle die Entscheidung von Ministerpräsident Stoiber, bis Ende September in seinen Ämtern zu bleiben, respektieren.

Auch Partei-Vize Barbara Stamm und der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach unterstützten dies. Stamm sagte vor Beginn der CSU-Vorstandssitzung, Stoiber habe "das Heft des Handels in der Hand". Sie forderte "Respekt vor dem Amt und der Lebensleistung" des Regierungschefs.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hatte am Wochenende einen früheren Rückzug Stoibers ins Spiel gebracht. Auch Stoibers wahrscheinlicher Nachfolger als Ministerpräsident, Innenminister Günther Beckstein, sagte der Süddeutschen Zeitung, "über zwei Monate weniger wird man sicherlich reden können".

Der Franke relativierte sein Vorpreschen inzwischen. Einer seiner Sprecher sagte, nach wie vor respektiere der Innenminister selbstverständlich die Entscheidung Stoibers für einen Rückzug zum 30. September.

Der CSU-Vorstand wollte am Mittag das weitere Vorgehen im Streit zwischen Huber und CSU-Vize Horst Seehofer um den Parteivorsitz erörtern. Seehofer hielt seine Kandidatur aufrecht. Er habe an der Basis und in der Bevölkerung viel Zuspruch", sagte der Bundesagrarminister bei der Ankunft zur Vorstandssitzung.

Seehofer: Lösung der Vorsitz-Frage innerhalb von drei Wochen

Dass sich führende CSU-Vertreter gegen seine Bewerbung um den Parteivorsitz ausgesprochen haben, störe ihn dabei nicht. Seehofer konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen:

In den vergangenen zwei Jahren habe sich häufiger gezeigt, dass das, was die CSU hinter verschlossenen Türen glaube, oft nicht mit der Praxis übereinstimme. Damit spielte er offensichtlich auch darauf an, dass Stoiber bis vor wenigen Wochen dachte, fest im Sattel zu sitzen.

Seehofer sagte, er glaube ebenso wie Stoiber, dass die Causa Parteivorsitz in spätestens drei Wochen bis zur nächsten Vorstandssitzung geklärt sei. "Wir haben das Ziel, aus dieser schwierigen Situation herauszukommen." Dazu gebe es weitere Gespräche.

Bayerns Justizministerin und Partei-Vize Beate Merk sprach sich generell gegen eine Kampfabstimmung aus. Viele CSU-Anhänger hätten die Sorge, dass die Partei dadurch gespalten würde, sagte sie.

Ramsauer: Parteivorsitz für Glos oder Seehofer

Der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, machte sich dafür stark, dass Horst Seehofer den Parteivorsitz übernimmt. "Bei einer Ämtertrennung gehört der Parteivorsitz grundsätzlich nach Berlin", sagte Ramsauer und warnte: Wer voreilig Posten verteile, "macht die Rechnung ohne den Wirt". Stehe Bundeswirtschaftsminister Michael Glos für den CSU-Vorsitz nicht zur Verfügung, bleibe nur Seehofer.

Ramsauer schien noch eine andere, nicht so ernst gemeinte Lösung der Querelen im Kopf zu haben: "Wenn das so weiter geht, dann dauert es nicht mehr lange, bis der Ruf erschallt: 'Edmund, bleibe!'"

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/dpa/ddp)