Comeback von Silvio Berlusconi Wiederkehr eines Untoten

Silvio Berlusconi: Ein Mann ist wieder da!

(Foto: AP)

Silvio Berlusconi hat zuletzt vor allem mit seinen Skandalen von sich reden gemacht. Vor 13 Monaten trat er als italienischer Regierungschef ab. Nun will er, 76-jährig, noch einmal eingreifen.

Es ist wie die Wiederkehr eines Untoten: Silvio Berlusconi ist zurück. Noch nicht als Regierungschef Italiens, aber doch reicht allein die Ankündigung aus, um Europa zittern zu lassen - und sein Land in eine neue Regierungskrise zu stürzen.

Gestern hatte Berlusconi bestätigt, dass er erneut Regierungschef werden will. "Ich gehe ins Rennen, um zu gewinnen", sagte er. "Ich mache das noch einmal aus Verantwortungsbewusstsein heraus", sagte Berlusconi in Cargnago in der Lombardei. Er kehre zurück, auch wenn ihm der Regierungspalast Chigi in Rom "nicht eine Minute" gefehlt habe, sagte er voll Pathos und mit unbestrittenen schauspielerischem Talent.

Aus Berlusconis PdL (Volk der Freiheit) wurde die Entscheidung Montis begrüßt. "Endlich, Rücktritt", sagte Massimo Corsaro, Vizefraktionschef der PdL im Parlament. In einem Jahr der "technischen Regierung" habe sich in Italien vom Bruttoinlandsprodukt bis zur Arbeitslosenquote alles zum Schlechteren gewandelt, kritisierte er.

Die Linke warf Berlusconi verantwortungsloses Verhalten vor, er stürze das Land in eine tiefe Krise. "Er will Italien zerstören", sagte der frühere Chef der Mitte-Links-Partei PD (Demokratische Partei), Walter Veltroni, dem Mailänder Corriere della Sera.

Die Parlamentswahlen könnten von März auf Februar vorgezogen werden. Seine Mitte-Rechts-Partei PdL ließ er bei seinem erneuten Eingriff in die Tagesgeschäfte so agieren, dass Regierungschef Mario Monti gar nicht anders konnte, als seinen Rücktritt anzukündigen.

Schlechte Umfragewerte für Berlusconis Partei

Stets im Zwist mit der Justiz und verfolgt von Sexgeschichten konnte sich der umstrittene Premier Berlusconi jahrelang erfolgreich behaupten. Erst die letzten Skandale zu Zeiten der Wirtschaftskrise wurden dem umstrittenen Regierungschef 2011 zum Verhängnis. Nach seinem Abgang wurde Berlusconi noch nachgesagt, Staatspräsident werden zu wollen. Dabei ist er nach wie vor in mehreren Prozessen angeklagt.

Der Sohn eines Bankangestellten kann auf einen beachtlichen Werdegang blicken. Vom Entertainer auf Kreuzfahrtschiffen brachte es der studierte Jurist zu einem Milliardenvermögen. Mit der Gründung neuer Parteien und Formationen gelang es dem Medienmogul seit 1994, Frontmann des rechten Lagers zu sein - lange Zeit fast unangefochten. Sein Medienimperium untermauerte seine Macht.

Berlusconi hat nahezu zwei Jahrzehnte lang Italien politisch geprägt. 3340 Tage hat er im Regierungspalast Chigi verbracht, alles in allem so lange wie kein anderer in der Geschichte der italienischen Republik.

Seine Sexskandale konterte der gebürtige Mailänder in der Regel mit saloppen Sprüchen über seine Potenz. Italien wurde dadurch international zum "Bunga-Bunga"-Land abgestempelt. Der geliftete Politiker hat vor allem noch den sogenannten Ruby-Prozess am Hals, in dem es um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch geht.

Immerhin: In Umfragen stehen die Siegchancen von Berlusconi derzeit schlecht. Seine zerstrittene Partei liegt in Umfragen seit langem nur noch an dritter Stelle. Am stärksten ist danach mit Abstand die linke PD von Pier Luigi Bersani vor der populistischen Internet-Bewegung "Fünf Sterne" des Komikers Beppe Grillo.