Kurz vor Ende der Übung, so sagt der ehemalige Kompaniechef weiter aus, sei er dann auch selbst in der als "Gefangenenlager" hergerichteten Sandgrube gewesen. Er habe fünf bis sechs Rekruten gesehen, deren Hände gefesselt und deren Augen verbunden waren, er habe auch gesehen, wie einige mit Wasser bespritzt wurden oder einen Baumstamm tragen mussten.
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Doch nichts davon sei aus seiner Sicht zu beanstanden gewesen. Fesseln sei eine ,,übliche Praxis'' bei der Bundeswehr, man habe zu diesem Zweck immer Kabelbinder in der ABC-Tasche bei sich. Das Übergießen mit kaltem Wasser habe er angesichts sommerlicher Temperaturen als "willkommene Abkühlung" betrachtet.
Von den sogenannten "Exzessen" will Ingo S. erst später von "einheitsfremden Offizieren" erfahren haben. Rekruten, die er dazu befragt habe, hätten davon nichts berichtet. Zu weiteren Nachforschungen sei er dann nicht gekommen, weil er zum einen "mit anderen Aufgaben zugeschüttet" war und zum anderen "zeitnah" in Urlaub gegangen sei.
Aus den Akten erfahren
Von Stromschlägen und Wasser-in-den-Mund-Pumpen habe auch er "erst aus den Akten erfahren", beteuert der Hauptfeldwebel Martin D. Andernfalls wäre er selbstverständlich "massiv dagegen vorgegangen". Er kann bis heute nicht fassen, warum er wegen dieser Angelegenheit vor Gericht gezerrt wird. Er und seine Kameraden seien Vorzeigesoldaten gewesen, das habe ihn "mit einigem Stolz erfüllt", ja, er könne sagen, "dass ich für die Bundeswehr gelebt habe".
Immer habe er sich für eine "innovative" und "erlebnisorientierte" Ausbildung eingesetzt. "Früher", sagt der Angeklagte D., ,,hieß es immer: Der Osten greift an, wir verteidigen uns. Wir waren bemüht, neue, realistischere Übungslagen zu schaffen.'' Wie so etwas aussehen kann, hatten Martin D. und Michel H. in ihrer eigenen Sonderausbildung für den Auslandseinsatz erlebt. Da wurden sie aus einem Bus heraus gefangengenommen und im Rahmen eines simulierten Verhörs einigen sehr anstrengenden Leibesübungen unterzogen.
Den Rekruten jedenfalls, da ist sich Hauptfeldwebel Martin D. sicher, habe die ganze Sache einen Heidenspaß gemacht. "Alle äußerten sich euphorisch", sagt der Angeklagte, keiner habe was Negatives gesagt. Auch als er ausdrücklich um "konstruktive Kritik" gebeten habe, sei der einstimmige Tenor nur gewesen: "Das war o.k. Das war richtig geil".
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Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 20. März 2007)
Stockender Kita-Ausbau
Ich schätze die Armee unseres Landes sehr, halte den Auftrag und die Einsätze der Bundeswehr für durchaus sinnvoll und bin auch kein erbitterter Gegner der Wehrpflicht. Jedoch habe auch ich sehr schlechte Erfahrungen mit einigen Ausbildern der Bundeswehr gemacht.
Die Bundeswehr muß von solchem Gesindel wie diesen Ausbildern befreit werden - sie schaden dem Ansehen einer Armee mit an sich guten Konzepten (Konzept Innere Führung, Staatsbürger in Uniform, Auftragsprinzip statt Befehlsprinzip etc.).
Daher finde ich es begrüßenswert, daß man nun einige von diesen Menschenschindern aufgespürt hat. Ich hoffe, daß sie eine faire Verhandlung und ein gerechtes Urteil erhalten. Die Armee eines Landes, welches "die Würde des Menschen" in der ersten Zeile seiner Verfassung trägt, kann sich solches Verhalten nicht leisten.
Haben die Angeklagten im Rahmen des geltenden Dienstrechts gehandelt? Nein, ganz sicher nicht. Haben sie dabei Straftaten begangen? Diese Frage bleibt zu klären. Wird dem Fall übergroße Bedeutung zugemessen? Ja, ganz sicher.
Die Berichterstattung selbst in der SZ ist schon sehr tendenziös. Die Überschrift, die erst im letzten Satz aufgelöst wird, vorher denkt man, dass es ein Zitat der Ausbilder ist. Gut, das ist es, aber es bezieht sich auf die Meinung der Rekruten, und ich kann mir als Reserveoffizier absolut vorstellen, dass die meisten von ihnen wirklich dieser Meinung waren. Jedenfalls zu der Zeit der Ausbildung, ob sie das so im Prozess aussagen werden, ist eine andere Frage, aber glauben wir wirklich, dass junge Wehrpflichtige nicht durch die Berichterstattung über den Fall beeinflusst werden?
Dann gibt es im Artikel solche Sätze wie "im Kasernenkeller sollen Soldaten mit Stromstößen aus einem Feldtelefon traktiert worden sein". Klingt unglaublich schmerzvoll, aber wer schon mal einen elektrischen Weidezaun angefasst hat, weiß, dass es sicher angenehmere Erfahrungen gibt, sich aber der Schmerz durchaus in Grenzen hält. Man sollte es als Journalist also nicht dramatischer machen als es ist.
Keine Frage, im Rahmen des Dienstrechts muss den Angeklagten (und allen anderen Ausbildern) unmissverständlich klargemacht werden, dass sie zu weit gegangen sind. Gleichzeitig sollten sich aber Politiker fragen lassen, warum es in der Bundeswehr überhaupt zu so etwas kommen kann. Junge Soldaten ins Kosovo oder nach Afghanistan zu schicken ist eine wichtige politische Option, keine Frage. Sind sie aber dort, muss man ihnen immer wieder erklären, warum sie eigentlich dort sind, welche Perspektiven sich durch den jeweiligen Einsatz für das Land ergeben und vor allem wie lange die Bundeswehr vor Ort gebraucht wird.
Ohne solche Erklärungen suchen sich die Soldaten selbst welche, orientieren die Ausbildung eigenmächtig an vermeintlichen Erfordernissen - und das Ergebnis sehen wir in diesem Prozess.
Ob und wieviele der Rekruten begeistert waren, wird doch hoffentlich spätestens das Verfahren zeigen. Zumindest einige der mit Stromstößen bedachten, könnte ich mir vorstellen, haben das ganze weniger genossen.
Dass von den Rekruten ein nennenswerter Anteil in Gefangenschaft oder Gefechte kommt und dann den Ausbildern noch dankbar ist, darf wohl bezweifelt werden... die meisten Grundausbildungsabsolventen dürften wohl wehrpflichtige sein, die in der Regel nicht "an die Front" geschickt werden.
Zudem dürfte die Situation, wenn denn tatsächlich mal ein Bundeswehrsoldat gefangenommen werden sollte, wohl doch eine deutlich andere sein... Aber selbst angenommen, die Übung wäre ein geeignetes Training für solche Situationen, müsste das wohl kaum in der Grundausbildung an Soldaten, die überwiegend niemals an "die Front" kommen werden, geübt werden.
Ich denk, das war vor allem anderen eine Spaßveranstaltung, hauptsächlich zur Belustigung der Ausbilder. Und wer andere zur eigenen Belustigung mißhandelt gehört vor Gericht, wo geklärt werden kann, in wie weit die Mißhandelten eingewilligt oder es sogar genossen haben. Das hat nichts mit "Gutmenschelei" zu tun sondern mit Recht, Gesetz, und Verantwortung.
malikos2: "Worauf ich hinaus will ist die Frage, ob man in Kauf nimmt einen Krieg zu verlieren, aber dafür keine Menschenrechtsverletzungen zu begehen und quasi moralisch nicht verliert, oder ob man militärisch siegen will, um jeden Preis wie es die USA (noch) im weltumspannenden Kampf gegen den Terror versuchen und dafür so einiges in sagen Menschenrechte falsch machen. "
Es klingt viel zu oft, auch in dieser frage, die Idee an, man könne nicht gleichzeitig hohe moralische standards haben und dennoch gewinnen, dass es eher die aufgabe von moral und menschenrechten ist, die zum Sieg verhilft. Dabei kann man doch dieser zeit oft genug sehen, dass auch die aufgabe von moral und menschenrechten nicht zum sieg verhilft, ganz im Gegenteil!
Die USA haben im Irak und auf guantanamo viele ihrer menschenrechtlichen ideale veraten, gewonnen haben sie deswegen dennoch nicht. Im Irak wird das chaos trotzdem - oder auch gerade deswegen- immer größer, der Sieg dort rückt in immer weitere ferne. Israel ist auch nicht für eine besonders freundliche haltung gegenüber (gleichfalls unfreundlichen) Gegnern bekannt, dennoch lebt Israel nicht etwa in Frieden sondern in immer wieder aufkeimendem Krieg.
Bush hatte mit einer Sache recht: Um die modernen, asymetrischen Kriege zu gewinnen, muss man die "Hearts and Minds" der Menschen gewinnen, das Vertrauen der Bevölkerung, aus der sich die gegnerischen Truppen rekrutieren, erobern. Das kann man nicht indem man Moral und Menschenrechte über Bord wirft, dazu braucht man vor allem auch moralische Stärke und Glaubwürdigkeit.
Die Antwort auf die Frage muss also sein: Einen Krieg, den man nicht bereit ist zu verlieren, kann man auch nicht gewinnen, aber die Chancen dauerhaft zu Gewinnen sind deutlich besser, wenn man eben nicht Menschenrechte und Gewissen ignoriert, sondern sich ihnen entsprechend auch gegenüber Gegnern verhält. Anders lassen sich Kriege kaum mehr auf Dauer gewinnen.
"Das war o.k. Das war richtig geil"
Eine "innovative" und "erlebnisorientierte Ausbildung ... zeigen sich die angeklagten Soldaten keiner Schuld bewusst.
Das kann man ja nur so lesen, daß die Angeklagten das "richtig geil" fanden. Erst ganz am Ende des Artikels auf Seite 2 wird dann gesagt, daß es die "Opfer" waren, und nicht die Täter, die es angeblich "geil" fanden.
Das ist doch ein ganz erheblicher Unterscheid.
Klar war das nur die Behauptung des Angeklagten. Aber das ist ja einfach zu überprüfen, und wenn der Prozess irgendwas wert ist, werden die "Opfer" auch dazu befragt werden, und dann wird man sehen, wie die darunter gelitten haben oder ob sie es wirklich "geil" fanden, wie behauptet.
Jedenfalls schwindet bei solchen absichtlich irreführenden und die Tatsachen verdrehenden Überschriften das Vertrauen in die Zeitung und der Unvoreingenommenheit erheblich.
Ich hasse Krieg, bin kein Fan des Militärs und bin sicher nicht für Folter, pseudo-freiwillig simuliert oder nicht. Aber ehrlich und fair muß sein. Der Artikel hier war nur Hetze.
Paging