Wolfgang Clement tritt nicht als Bittsteller vor die Presse, sondern als Mann mit einer berechtigten Forderung: Meinungsfreiheit muss auch für ihn gelten.
Um es vorwegzunehmen: Entschuldigt hat sich Wolfgang Clement nicht. Er hat lediglich die Folgen seines Aufsatzes in der Welt am Sonntag kurz vor der Hessen-Wahl bedauert. Dass sich hessische Parteifreunde möglicherweise in ihren Gefühlen verletzt sähen, sich im Stich gelassen fühlten durch ihn. Wolfgang Clement sagt lediglich: "Es tut mir leid, wenn es zu solchen Emotionen gekommen ist."
Bild vergrößern
Will sich nicht entschuldigen für etwas, das er nicht getan habe: Wolfgang Clement (SPD). Foto: ddp (© Foto: ddp)
Anzeige
Inhaltlich zurückzunehmen hat er nichts. Clement sieht sich im Recht. Und wer die entsprechenden Passagen in seinem Beitrag noch einmal nachliest, dem dürfte es schwerfallen, keine Zweifel an einem Schuldspruch aufkommen zu lassen.
Genossen aus Nordrhein-Westfalen haben ein Parteiausschlussverfahren gegen Clement angestrengt, weil er angeblich zur Nichtwahl der hessischen Spitzenfrau Andrea Ypsilanti aufgerufen habe. Ein klar parteischädigendes Verhalten, wenn es denn so war. Nach einer Rüge der Bezirksschiedskommission Bochum hat die Landesschiedskommission NRW vergangene Woche seinen Rauswurf beschlossen. Endgültig entscheiden muss die Bundesschiedskommission der SPD.
Es geht um die letzten drei Wörter des folgenden Satzes: "Deshalb wäge und wähle genau, wer Verantwortung für das Land zu vergeben hat, wem er sie anvertrauen kann - und wem nicht." Es ist der Schlusssatz einer Argumentationskette, in der er die Energiepolitik der hessischen SPD auseinandernimmt. Anlass war die Erklärung von Andrea Ypsilanti, mittelfristig sowohl auf Kohle als auch auf Atomkraft verzichten zu wollen. Clement hält das für "verantwortungslos", wie er heute noch einmal bekräftigte.
"... - und wem nicht". Ist das nur Teil der freien Meinungsäußerung innerhalb der SPD? Oder der eindeutige und damit parteischädigende Aufruf, Ypsilanti nicht zu wählen? Clement sagt: "Ich habe nicht zur Nichtwahl der SPD aufgerufen." Klar ist also nur: Der Satz eröffnet Interpretationsspielräume. In diesem Fall muss der Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" auch für eine Schiedskommission der SPD gelten.
Dass die Landesschiedskommission anders entschieden hat, muss mit mehr zu tun haben, als den drei zitierten Wörtern. Clement steht wie kaum ein anderer ehemaliger Spitzenmann der SPD öffentlich hinter der Agenda 2010 und hinter der Kohle. Das macht in der SPD des Jahres 2008 verdächtig. In der SPD des Jahres 2003 war er damit noch voll auf Linie.
Viele Linke, die die SPD mit der Agenda 2010 verlassen haben, sagen, nicht sie hätten sich verändert, sondern die Sozialdemokratie.
Clement dürfte sich heute in einer ähnlichen Rolle wiederfinden. Er hat mehr als 14 Jahre lang in verantwortlichen Positionen sozialdemokratische Politik gestaltet. Seine Überzeugungen haben sich in dieser Zeit nur graduell verändert. Wieder ist es die Partei, die eine Kehrtwende vollzogen hat. Über die Agenda will heute niemand mehr sprechen. Ein Mann wie Clement wirkt da wie ein Dinosaurier aus einer längst vergessenen Zeit.
Für die SPD kann das nicht gut sein. Zum Wesen von Volksparteien gehört, dass sie es schafft, viele Strömungen unter einem Dach zu binden. Wenn erst die Linken abspringen und jetzt noch die Rechten aus der Partei vertrieben werden, dann bleibt bald niemand mehr, der die SPD mit Leben füllen könnte. Darum muss Clement bleiben. Es ist so, wie er selbst sagt: "Ich bin Sozialdemokrat und ich werde Sozialdemokrat bleiben." Ob nun mit oder ohne Parteibuch. Eine Partei, die solche Leute ausschließt, schaufelt sich ihr eigenes Grab.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de/jja)
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Das Ende dessen, was einstmals unter Demokratie und Rechtsstaat verstanden wurde!
Es dürfte bekannt sein, dass die deutschen Konzerne nie in ihrer Geschichte solche Gewinne machten, wie unter der Hitlerei - gleichzeitig war die Gesellschaft nie so korrupt. Ausser vielleicht heute.
Für dieses in jeder Hinsicht "erhellende" posting, das die Zustände beschreibt und aufzeigt, dass dieser -bereits über 30 Jahre lang nicht gereinigte- Augiasstall endlich ausgemistet gehört!
Allerdings, darauf zu hoffen ist leider durch nichts gerechtfertigter Optimismus, denn für eine Reinigung an Haupt und Gliedern, d.h. Politik und Wirtschaft, fehlt es dem gemeinen Volk, also UNS, an Macht oder an Energie und bei den sog. Eliten an moralischer Integrität! So ziemlich alle haben sich mit diesen gewachsenen Verhältnissen irgendwie arrangiert. Und was dabei am Ende herauskommt, ist am überdeutlichsten in den USA zu besichtigen: Das Ende dessen, was einstmals unter Demokratie und Rechtsstaat verstanden wurde!
Sehr richtig. Ich weise noch einmal darauf hin, dass RWE und Konsorten während der Amtszeit als Superminister nicht wie früher von außen auf Clement einwirkten, sondern eigene Mitarbeiter in das Ministerium entsandten, mit eigenem Schreibtisch und Gehaltsbezug von ihrem Arbeitgeber. Dort haben sie dann nach Recherchen von ARD - Magazin Monitor bei der Erstellung von Gesetzen mitgearbeitet. Und nicht nur in diesem Bereich! Damit ist für mich eine neue Qualität von Korruption erreicht, die dreister nicht mehr sein kann. Dabei ist es nach meiner Ansicht unerheblich, ob irgend Jemandem eine " Belohnung" gezahlt, oder ob man Clement einen Aufsichtsratsposten zugesichert hat. Letzteres werden wir wohl niemals beweisen können. Aber alles Andere währe absurd!
Somit ist auch der Vorwurf von Amtsmissbrauch und Meineid (Amtseid) erfüllt.
Im übrigen, untersucht der Bundesrechnungshof diese und zahlreiche andere Fälle, die genau so gelagert sind. Aber es kommt noch toller, die gegenwärtige Bundesregierung vertuscht die Fälle mit allen Kräften. Sogar Abgeordnete wurden und werden belogen. Und die Bevölkerung sowieso. Quelle: Der gekaufte Staat von S.Adamek und K.Otto
Die Diskussion geht am eigentlichen Skandal vorbei.
Clement äußerte sich nachdem er Aufsichtsratsmitglied der RWE wurde als Lobbyist der Energiewirtschaft und nicht mehr als ehemaliger SPD-Bundesminister. Nach seinem öffentlichen Amt übt er nun (wahrscheinlich gegen ein hohes Gehalt) Einfluss für superreiche Konzerne aus.
Das ist für mich der Verrat an der Öffentlichkeit (an den Wählern seiner Partei) und eine Art "legale Bestechung" oder wenn man so will "nachträglicher Amtsmissbrauch". Aus diesem Grund gehört er ausgeschlossen.
wir haben es hier um einen angriff persönlicher natur zu tun. eine entschuldigung wäre insbesondere gegenüber frau ypsilanti notwendig, der wc mit dem messer machomäßig in den rücken gefallen ist. so werden in der spd die besten leute kaputt gemacht. vor allen dingen ypsilanti hat genugtuung zu verlangen.
Paging