CIA-Folter in Polen Pistole am Kopf

Aktivisten simulieren im Oktober 2009 vor dem Weißen Haus in Washington im Rahmen einer Demonstration gegen den Irak-Krieg die Foltertechnik des Waterboardings.

(Foto: AFP)

Bohrmaschinen und Waterboarding: Ein als "Top Secret" eingestuftes Dokument belegt "unautorisierte" Foltermethoden des US-amerikanischen Geheimdienstes. Angewendet wurden sie bei hochrangigen Gefangenen wie Khalid Scheich Mohammed in Kerkern der CIA - vermutlich auch in Polen.

Von John Goetz und Frederik Obermaier

Die Wasserflasche war ein Indiz dafür, wohin die Reise ging. Khalid Scheich Mohammed war im März 2003 in Pakistan festgenommen und an die CIA übergeben worden. Er galt als Chefplaner der Anschläge des 11. September 2001, der amerikanische Geheimdienst verhörte ihn in Afghanistan, wollte die Namen von Hintermännern, von Anschlagzielen, wohl auch vom Aufenthaltsort Osama bin Ladens. Nach mehreren Wochen wurde Khalid Scheich Mohammed geknebelt, gefesselt und an Bord eines Flugzeugs gebracht.

Als die Maschine nach mehreren Stunden landete, so erzählte Khalid Scheich Mohammed es später einem Mitarbeiter des Roten Kreuzes, sah er Schnee - und er bekam eine Wasserflasche gereicht. Das Label war noch darauf. Khalid Scheich Mohammed kannte die Sprache zwar nicht, aber er kannte die Länderkennung, die hinter der Internetadresse des Herstellers stand: pl - für Polen.

Heute weiß man aus verschiedenen Quellen: Die CIA hatte Khalid Scheich Mohammed nach Stare Kiejkuty gebracht. Er war einer der Gefangenen, die zwischen Dezember 2002 und September 2003 in dem polnischen Kerker verhört wurden - und er war einer von jenen, die dort offenbar auch gefoltert wurden.

Top-Secret-Papier zu "unautorisierten" Verhörmethoden

Stare Kjiekuty war ein Verlies für "high value detainees", so wurden die hochrangigen Gefangenen im US-Militärjargon genannt. Khalid Scheich Mohammed war dort, auch Abu Zubaydah, ein mutmaßlicher Helfer von Osama bin Laden, und Abd al-Rahim al-Nashiri, der in den Anschlag auf das US-Kriegsschiff USS-Cole im Jahr 2000 verwickelt gewesen sein soll.

In einem früher als "Top Secret" eingestuften Papier des Generalinspekteurs der CIA vom 7. Mai 2004 sind im Zusammenhang mit allen dreien "unautorisierte und bislang undokumentierte Verhörmethoden" aufgelistet. So habe man al-Nashiri zwischen dem 28. Dezember 2002 und dem 1. Januar 2003 - also in der Zeit, als er mutmaßlich in Polen war - eine halbautomatische Pistole an den Kopf gehalten. Außerdem habe man ihn ausgezogen und mit einer laufenden Bohrmaschine bedroht. Khalid Scheich Mohammed sei gedroht worden, man werde seine Kinder töten.

Zudem sei bei dem Häftling in "einer Vielzahl von Fällen" das Waterboarding angewendet worden - eine Foltermethode, bei der Ertrinken simuliert wird. Die CIA stritt lange Zeit ab, diese Methode jemals genutzt zu haben. Erst 2008, bei einer Anhörung vor dem US-Kongress, gestand der damalige CIA-Chef Michael Hayden ein, dass Gefangene mit dieser Methode verhört worden waren. Er nannte drei Namen: Khalid Scheich Mohammed, Abu Zubayda und Al-Nashiri. Alle drei sitzen heute im Gefangenenlager Guantanamo, alle drei waren einst in Stare Kiejkuty.