CIA-Dokument Lateinamerika - der "Hinterhof" der USA

So musste 1961 Rafael Trujillo in der Dominikanischen Republik dran glauben, oder zwei Jahre später der südvietnamesische Staatspräsident Ngo Dinh Diem. Die vielen vergeblichen Versuche, den verhassten kubanischen Máximo Líder Fidel Castro mit explodierenden Zigarren oder vergifteten Füllfederhaltern umzubringen, sind so legendär, wie sie erfolglos waren. Lateinamerika galt den USA schon immer als ihr "Hinterhof".

Die Aufsichtsbehörde in Washington mochte es denn auch nicht dulden, dass Chile 1970 den Sozialisten Salvador Allende zum Staatspräsidenten wählte. Drei Jahre später, am 11. September 1973, putschte ihn das von nordamerikanischen Beratern unterstützte Militär aus dem Amt. Allende beging Selbstmord, während der Präsidentenpalast bombardiert wurde. Ziel erreicht.

Die CIA war dabei immer gern behilflich. Politischer Mord, Folter, Vertreibung schufen eine verheerende Unkultur des Todes, oder wie Tim Weiner es in "Legacy of Ashes", seiner Geschichte der CIA, beiläufig formuliert: "Die CIA war ein Totenschädel mit einem Budget von einer Milliarde Dollar." Das stimmt natürlich heute nicht mehr, denn der Etat hat sich seit den Sechzigern vervielfacht, und die politisch sanktionierte Mordlust hat kaum abgenommen.

Keine Angestellten des Staates sollen sich am Morden beteiligen

Am 4. Dezember 1981 weitete US-Präsident Ronald Reagan mit der executive order Nr. 12333 die Befugnisse der amerikanischen Geheimdienste aus, untersagte aber gleichzeitig in feierlichstem Ton weitere Mordanschläge: "Niemand, der bei der Regierung der Vereinigten Staaten angestellt ist oder in ihrem Auftrag arbeitet, soll sich an Attentaten oder deren Vorbereitung beteiligen." Wie wenig die USA bereit waren, sich an diese Vorschrift zu halten, bewiesen sie, als unter demselben Präsidenten die Häfen von Nicaragua vermint wurden.

1984 wurde ein fünfzehnseitiges "Handbuch für Freiheitskämpfer" bekannt, mit dem die CIA den Contras bei ihrem Aufstand gegen die Regierung der Sandinisten helfen wollte. Es sei möglich, heißt es da, "sorgfältig ausgewählte und bedachte Ziele wie Richter, Polizisten und Staatsschutzbeamte etc. zu neutralisieren". Als Nicaragua die USA beim Internationalen Gerichtshof in den Haag verklagte und sogar Entschädigung zugesprochen bekam, erklärten die USA, keine Urteile aus Den Haag mehr anerkennen zu wollen.

Reagan tat das freiheitstrunkene Papier mit einem Shakespeare-Titel ab: "Viel Lärm um Nichts". Um dieses angebliche Nichts - wie gesagt, es geht ums Töten - sollen möglichst wenige und möglichst harmlose Worte gemacht werden. Wie das terminate ist auch das "Neutralisieren" ein scheinwissenschaftlicher, aber umso brutalerer Euphemismus für das sonst übel beleumdete Geschäft des Tötens.

Dass Morden eine Kunst sei, hätte in früheren Jahrhunderten der dafür bestallte Henker ohne Weiteres bestätigt. Dass es sich dabei um eine politische Wissenschaft handelt, beweist dieses neue Geheimpapier, in dem sie mit kissingerscher Coolness vorgetragen wird. Es ist ja auch eine Referentenvorlage für den tatsächlichen Gebrauch in der Exekutive. Für Insider ist eine E-Mail-Adresse und sogar eine Telefonnummer angegeben, denn Diskussionsbeiträge und Verbesserungsvorschläge sind in Bürokratien wie dem Geheimdienst immer willkommen. Für den schnellen Gebrauch in einer Power-Point-Präsentation in Langley oder in Fort Bragg sind die entscheidenden Argumente in Spiegel-Punkte sortiert:

"- Erwünschtes Ergebnis benennen

- Entscheidungen fällen aufgrund Kenntnis der internen Strukturen bei den Aufständischen

- HVT-Operationen mit anderen Elementen der Aufstandsbekämpfung verknüpfen usw."