CIA-Affäre Judith Miller verlässt die NYT

Ihre Beugehaft hatte eine weltweite Welle der Entrüstung ausgelöst, die New York Times stand hinter ihr. Doch die unklare Rolle der Pulitzer-Preisträgerin bei der Enttarnung einer CIA-Agentin hat zum Zerwürfnis mit ihrem Arbeitgeber geführt.

Die New York Times-Reporterin Judith Miller hat die Zeitung nach 28 Jahren verlassen.

Judith Miller

(Foto: Foto: Reuters)

Vorausgegangen waren wochelange Verhandlungen mit der Chefetage über Millers berufliche Zukunft. Sie könne nicht mehr für das Blatt arbeiten, nachdem sie selbst zur Nachricht geworden sei, schreibt Miller in einem Abschiedsbrief, der heute in der NYT veröffentlicht worden ist.

Dem Abgang war eine bittere Auseinandersetzung zwischen der Zeitung und Miller vorausgegangen.

Miller hatte die Preisgabe vertraulicher Quellen im Weißen Haus verweigert und hatte deshalb im Sommer drei Monate im Gefängnis verbracht. Zunächst unterstützte sie ihre Zeitung mit allen juristischen Mitteln.

Als sie dann aber doch aussagte, die Informationen über die CIA-Agentin Valerie Plame stammten vom damaligen Stabschef des Vizepräsidenten Dick Cheney, Lewis Libby, kam es zum Bruch mit der Zeitung, der sie seit 1977 angehörte.

Anschließend warf Chefredakteur Bill Keller ihr vor, die Kollegen über ihre Kontakte mit Libby in die Irre geführt zu haben. Miller bestritt dies.

Sie war unter Kollegen auch umstritten, weil sie mehrere Artikel über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak geschrieben hatte, die sich später als falsch herausstellten.

NYT-Herausgeber Arthur Sulzberger nahm ihre Kündigung dankend an und lobte ihr "beträchtliches persönliches Opfer, um ein journalistisches Prinzip zu verteidigen". Ein Anwalt Millers bezeichnete die Aufhebungsvereinbarung als einvernehmlich.