Chronik des BER Was lange währt, wird lang nicht gut

Ursprünglich visierten die Verantwortlichen die Eröffnung des Berliner Großflughafens BER einmal für 2008 oder 2009 an. Dann wurden Einladungen für die Eröffnungsparty am 3. Juni 2012 verschickt. Doch die Gäste müssen noch zwei, vielleicht drei Jahre auf die Feier warten.

Chronik eines Desasters.
  • 1990: Kaum ist Deutschland wieder vereinigt, wird darüber nachgedacht, einen der bestehenden Flughäfen in der Umgebung Berlins auszubauen. Denn es ist zu erwarten, dass die Bedeutung der Stadt in den nächsten Jahren wachsen wird. Auf den Standort können sich die verantwortlichen Politiker lange Zeit nicht einigen. So streiten etwa die Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus über die Vor- und Nachteile einzelner Orte, auch die Bundesregierung mischt in der Debatte mit.
  • 18. Dezember 1991: Gründung der Berlin-Brandenburg-Flughafen Holding (BBF), in der die Flughäfen Tegel, Tempelhof und Schönefeld zusammengefasst werden. Die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund sind Gesellschafter.
  • Januar 1992: Unter dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI, beginnen die Planungen für einen neuen Flughafen.
  • Juni 1993: Für drei mögliche Standorte der Anlage werden Raumordnungsverfahren eingeleitet: Schönefeld-Süd, Sperenberg und Jüterbog-Ost.
  • 17. November 1994: Im Raumordnungsverfahren werden Sperenberg und Jüterbog-Ost als geeignete Standorte ausgewiesen. Schönefeld-Süd gilt aufgrund von zu erwartender Lärmbelästigung und der Umsiedlung von Anwohnern als nicht geeignet.
  • 28. Mai 1996: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen (CDU), Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) und der Ministerpräsident von Brandenburg, Manfred Stolpe (SPD), einigen sich nach langem Streit und Verhandlungen auf den sogenannten Konsensbeschluss. Demnach wird doch der Flughafen Schönefeld zu einem "Single-Airport" ausgebaut, während die Flughäfen Tempelhof und Tegel geschlossen werden.
  • 5. Juni 1996: Der Berliner Senat akzeptiert den Konsensbeschluss.
  • 1999: Dem Planungsverfahren der Flughafengesellschaft BBF zufolge soll der neue Flughafen von privater Hand gebaut und betrieben werden. Die Anlage soll 2008 in Betrieb gehen. Allerdings wird die erste Vergabe an ein Konsortium um den Baukonzern Hochtief vom Brandenburgischen Oberlandesgericht wegen Verfahrensfehlern kassiert.
  • 2002: Weitere Versuche, den Bau und die Finanzierung des Projekts in die Hand eines Konsortiums zu geben, scheitern.
  • Mai 2003: Die Versuche, das Flughafenprojekt zu privatisieren, werden aufgegeben. Berlin, Brandenburg und der Bund beschließen, die Anlage selbst zu bauen. Und zwar bis 2009.
  • 13. August 2004: Das Genehmigungsverfahren endet mit einem Planfeststellungsbeschluss des Brandenburgischen Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung. Der Flughafen darf - unter Auflagen - gebaut werden.
  • Oktober 2004: Gegner des Projekts reichen beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Klagen ein. Es sind Tausende Anwohner, die gegen den zu erwartenden Fluglärms protestieren.
  • April 2005: Die Richter des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig geben Eilanträgen mehrerer Anwohner statt. Es wird ein Baustopp verhängt. Nur noch Bauvorbereitungen sind zulässig.
  • März 2006: Nach dem Baustopp weist das Bundesverwaltungsgericht die Musterklagen von 4000 Anwohnern und vier Gemeinden gegen den Planfeststellungsbeschluss in letzter Instanz zum überwiegenden Teil ab. Der Baustopp wird aufgehoben. Die Lärmschutzauflagen werden jedoch verschärft.