Die Sabotageakte aus der CSU-Spitze gegen die Kandidatur von Horst Seehofer reißen nicht ab. Nach der gezielten Veröffentlichungen aus seinem Privatleben, heißt es jetzt: Er habe sich nur mit einer perfiden Drohungen in das Amt des Bundesminister gebracht.

Mittlerweile empfindet es Gesundheitsminister Seehofer als Fehler, dass Edmund Stoiber zum Rückzug von seinen Ämtern als Ministerpräsident und CSU-Chef gedrängt wurde. "Aber es ist passiert, und jetzt müssen wir die überragende Kompetenz von Edmund Stoiber nutzen", sagte Seehofer der Welt am Sonntag.

Anzeige

Er möchte die Nachfolge als Parteichef antreten. Doch manche Partei-Granden machen ihm seit geraumer Zeit das Leben schwer. Nun versucht er es mit einer neuen Taktik: Sollte er gegen seinen Konkurrenten Erwin Huber gewinnen, wolle er Stoiber einbinden. "Ich begrüße sehr, dass er sich nicht zurückzieht. Wir werden ihn noch sehr brauchen", sagte Seehofer. Stoiber sei nicht nur für bestimmte Wählergruppen wie die nationalkonservativen Wähler eine wichtige Identifikationsfigur.

Seehofer äußerte Verständnis dafür, dass Berichte über sein Privatleben in der Partei für Diskussionen sorgen. "Ich habe dabei auch für die eine oder andere kritische Stimme Verständnis", sagte der Minister. Aus Begegnungen, Briefen oder Telefonaten ziehe er aber den Schluss, dass dies seine Chancen auf den CSU-Vorsitz nicht schmälere.

Inzwischen berichtet das Magazin Focus, dass der stellvertretende CSU-Vorsitzende Stoiber im Oktober 2005 damit gedroht haben soll, die CSU zu verlassen und gegebenenfalls eine eigene Partei zu gründen, falls dieser ihn nicht in ein Ministeramt der Bundesregierung befördere. Denach setzte Stoiber Seehofer in einem Telefonat mit der designierten Kanzlerin Angela Merkel am 16. Oktober 2005 nur auf Druck durch.

Stoiber hatte die Berufung seines Vize gegenüber Vertrauten damit begründet, Seehofer "würde außerhalb der CSU mehr Schaden anrichten, als wenn wir ihn einbinden". Mit dem mächtigen Sozialverband VdK im Rücken, dessen bayerischer Landeschef Seehofer seinerzeit war, verfüge er über Millionen potentieller Wähler, die als Verlierer der damals auf neoliberal getrimmten Unionspolitik angesprochen werden könnten, schreibt Focus am Samstag in seiner Internet-Ausgabe. Der VdK zählt als Interessenvertretung von Senioren, Behinderten und Kranken bundesweit 1,4 Millionen Mitglieder - allein in Bayern sind es mehr als eine halbe Million Mitglieder.

Focus will Seehofer mit den Informationen aus der CSU-Spitze konfrontiert haben - und fing sich ein harsches Dementi ein. Seehofer nannte entsprechende Meldungen "bösartige Lügen der Wohnzimmer-Analysten". Zu behaupten, er habe Stoiber erpresst, sei "Lichtjahre von der Wahrheit entfernt".

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/dpa)