Man findet Gott nicht im religiösen Wettkampf - man findet ihn miteinander. Und der eine baut ihm einen Glockenturm, der andere ein Minarett.
Man muss sich das vorstellen: Wie der König Balthasar von seinem Elefanten herunterklettert, König Melchior von seinem Kamel, König Caspar von seinem Pferd - und wie die drei dann auf dem Weg zur Krippe ihre prächtigen langen Mäntel durch den Schafscheiß schleifen.
Miteinander suchen, Gemeinsamkeiten finden. Das ist ein bisher gescheitertes Jahrtausendprojekt. Es ist der Weihnachts- und Dreikönigsweg. (Im Bild: ein geschnitztes Altarbild aus dem Jahr 1520, aufgenommen 1996 in einer Dauerausstellung im Freiberger Stadt- und Bergbaumuseum) (© Foto: ddp)
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Als Kind hat mir diese Vorstellung stets Vergnügen gemacht: Es liegt nun einmal viel Dreck auf einer Schafweide, auch dann, wenn ein geschweifter Leitstern den Weg dorthin gewiesen hat und soeben noch der Engel des Herrn bei den Hirten seinen glanzvollen Auftritt hatte.
Glocken und Minarette
Die drei Könige kommen also ein wenig verdreckt an beim Jesuskind, und das gefiel mir eigentlich ganz gut; weil somit erstens bewiesen war, dass Sauberkeit selbst bei den allerheiligsten Angelegenheiten nicht das Wichtigste ist; zweitens weil die Könige nicht nur im echten, sondern auch im übertragenen Sinn herunterkommen mussten vom hohen Ross.
Man steht nicht prunkend und protzend vor seinem Gott, auch wenn der derzeit in Windeln liegt. Immer wieder hatte und hat man freilich den Eindruck, dass die Kirche glaubt, sie selbst liege in der Krippe und müsse also königlich verehrt werden. Das ist ein gefährlicher Irrtum.
Die Geschichte von den Heiligen Drei Königen gehört zu den großen Erzählungen der Christenheit. Für das Volk waren die drei Könige mit ihrer phantastischen Menagerie jahrhundertelang so etwas wie ein religiöser Zirkus Krone: Das exotisch Fremde hielt seinen Einzug in die Frömmigkeit, und das zauberhaft Andere lagerte in der ansonsten vertrauten, weil ins Heimische transportierten biblischen Szenerie. Die Krippenschnitzer, die Fassmaler und Vergolder haben sich seit jeher mit den drei Königen am meisten Arbeit gemacht. Im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation galten sie als Reichsheilige, sie waren den deutschen Königen und Kaisern Vorbild und Fürbitter, weshalb diese nach ihrer Krönung in Aachen nach Köln zogen, zum Gebet vor dem Dreikönigsschrein.
Eine große biblische Basis hat dieser schöne Dreikönigskult nicht. Die Geschichte steht nur in einem der vier Evangelien, bei Matthäus, und auch dort ist nicht die Rede von Königen, sondern, je nach Übersetzung, von persischen Priestern, Magiern oder Sterndeutern. Aber aus den knappen Sätzen beim Evangelisten Matthäus haben Phantasie, Volksglaube und christlicher Symbolismus viel gemacht. Die drei Könige verkörpern, so steht es in der Heiligenlegende, die drei Lebensalter und die drei in der alten Zeit bekannten Kontinente: Der als Greis dargestellte älteste König, Caspar benannt, steht für Europa; er bringt Gold als Geschenk. Melchior, ein König im besten Mannesalter, vertritt Asien, er überreicht Weihrauch. Der jüngste und schönste, der Mohrenkönig Balthasar, steht für Afrika und bringt die Myrrhe. Oft gilt auch Caspar als der schwarze und Balthasar als der alte König.
Wenn man die Dominanz und Überordnung der christlichen Kirche gegenüber anderen Religionen begründen will, lässt sich das mit den drei Königen gut bewerkstelligen. Sie, die andersgläubigen Herrscher, verlassen schließlich Land und Leute, um die Knie vor dem Gott der Christen zu beugen. So hat man die Epiphanie lange gesehen, und das war und ist dem Miteinander der Religionen nicht sehr gut bekommen. Wer sich nicht beugte, musste gebeugt werden, das war eine ungute Lehre aus Matth 2, 1 - 12. Damit wird bis heute römischer Monozentrismus und ein fordernder Anspruch zumal der katholischen Religion begründet. So kann man darlegen, warum allenfalls in einer hölzernen Weihnachtskrippenlandschaft "im arabischen Stil" ein Minarett stehen darf, nicht aber in der christlichen Schweiz.
Überlegenheit der christlichen Religion über die anderen? Man sollte die Dreikönigs-Geschichte nach 2000 Jahren mit einer anderen und verträglicheren Symbolik anreichern: Da machen sich drei Könige auf den Weg, auf die Suche nach Gott. Weil sie miteinander an der Krippe eintreffen, müssen sie sich irgendwo getroffen, verabredet und auch darüber gesprochen haben, wer was wie sucht und warum, was man schenkt und in welcher Haltung und Reihenfolge man sich dem Gesuchten nähert. Das ist der Dialog, der Trialog der Religionen - und dann sind Caspar, Melchior und Balthasar nicht, wie in der Legende, Vertreter von Erdteilen, sondern heute Repräsentanten der drei abrahamitischen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam. Das Christentum war vor zwei Jahrtausenden erst im Entstehen; den Islam gab es noch nicht; es gab den Zoroastrismus, dem die "Weisen aus dem Morgenland" in der klassischen Exegese zugewiesen werden. In Konkurrenz zum Christentum stand in den ersten Jahrhunderten der zoroastrische Mithras-Kult und der Manichäismus; heute ist es der Islam.
Die neue Interpretation der Dreikönigs-Geschichte könnte also sein: Man findet Gott nicht im Wettlauf, nicht im religiösen Wettkampf; man findet ihn miteinander. Das ist auch der Kern des im Okzident verkannten und im Orient pervertierten Dschihad, der nicht den Heiligen Krieg fordert, sondern ein "Sich-Abmühen auf dem Weg Gottes". Gott findet der, der sich auf den Weg macht, sich ins Unbekannte führen lässt. Er findet ihn im Reden mit den Anderen und in der gemeinsamen Suche; manchmal muss dabei auch einer auf den anderen warten.
Jeder König hat sein Schicksal hinter sich. Jeder kennt den Fundamentalismus in sich, den Glauben, die alleinige Wahrheit gepachtet zu haben. Jeder weiß, wie aus Monotheismus heiliger Nationalismus wird, der schlimmer war und ist als der politische. Gott wurde und Allah wird immer wieder zum Motiv einer angeblich um des Heils willen gerechtfertigten Gewalttätigkeit. Die Könige treffen also in prekärem Zustand aufeinander.
Gott und Allah, ewige Konkurrenz?
Die Christen und die, die es einmal gewesen sind, tun sich schwer mit dem Islam-Dialog, oft auch deswegen, weil sie dem muslimischen Glaubensstolz und der Inbrunst vieler Muslime nicht viel entgegenzusetzen haben. Sie fürchten, dass die Zukunft der christlichen Vergangenheit verlorengeht. Die Auseinandersetzung mit den glaubensbewussten Muslimen macht vielen Westlern, ob gläubig oder nicht, ihre eigene Unkenntnis über die Grundlagen des Christentums klar. Die Angst vor dem Verlust der "christlichen Werte" ist ja hierzulande paradoxerweise gerade in jenen Milieus ausgeprägt, die von eben diesen Werten sonst wenig wissen wollen - während viele praktizierende Christen den interreligiösen Dialog suchen und pflegen.
Ewige Konkurrenz zwischen Gott und Allah? Was ist besser: Wenn aus einer christlichen Kirche, die überflüssig geworden ist, ein Supermarkt - oder wenn daraus eine Moschee gemacht wird? Gott ist der Gott, den auch der andere verehrt, aber jeder nennt ihn anders und jeder erkennt ihn anders, jeder preist ihn anders. Der eine baut ihm einen Glockenturm, der andere ein Minarett.
Miteinander suchen, Gemeinsamkeiten finden. Das ist ein bisher gescheitertes Jahrtausendprojekt. Es ist der Weihnachts- und Dreikönigsweg.
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(SZ vom 24.12.2009/segi)
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Das Dreikönigsfest wird eigentlich nur so bei den Katholiken gefeiert, die Protestanten halten nicht so viel von den drei Heiigen und ihrer Interpretation als Vertreter von Erdteilen (Europa, Asien, Afrika) oder von Rassen (weiß, gelb schwarz). Nicht umsionst stehen die drei Personen unterschiedlicher Hautfarbe/Herkunft viel mehr für den katholischen Universalismus als für das, was Herr Prantl meint.
Insofern sind die Prantl´schen Überlegungen kein Königsweg für einen Trialog zwischen Juden, Christen und Muslimen, es sei denn, die Katholiken wären für die einzigen Verteter des Chrstentums.
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Religionen sind - folgt man dem Philosophen Popper - wegen ihrer nicht überprüfbaren Aussagen - nichts anderes als spekulative Systeme.
Religionen müssen, obwohl ihre Aussagen nicht überprüfbar sind, behaupten, daß ihr jeweiliger Galubensinhalt der einzig richtige sei. Würden sie ihre Aussagen relativieren, was einem redlichen Kaufmann gut anstünde (z.B. wir wissen nicht 100 %ig, ob es überhaupt Gott gibt und ob unsere Form der Verehrung die einzig richtige ist und wie das nach dem Tod einaml weitergeht, im HImmel oder der Hölle...), dann gäbe es ein Problem: Weil der Mensch nämlich in den letzten Dingen nach Gewißheit strebt und bei relativierten Aussagen er nicht mehr glauben würde... und er sich folglich einem anderen spekulativem System anschließen würde, das vorgibt ihm Gewißheit geben zu können
Religionen müssen somit, wennn sie auf dem Markt bestehen bleiben wollen, per se von sich aus behaupten, sie seien jeweils die einzig richtige und die anderen natürlich die falschen. .
Was soll da bei dieser Bedingungskonstellation ein Trialog zwischen Juden, Christen und Muslimen ausrichten, Herr Prantl? Entweder man glaubt (und gewöhnlich das, was man in einer frühen Entwicklungsphase beigebracht bekommen hat) oder man glaubt nicht oder - weil man als aufgeklärter Mensch sowieso alles als Humbug ansieht, nicht mehr . Wobei anzumerken ist, daß der Nichtglqaube (Agnostizismus und Atheismus) natürlich auch nur ein spekulatives System ist, das sich nicht beweisen läßt.
Und wenn es um die Frage geht, ob bei uns die muslimischen Minarette höher sein dürfen als die christlichen Spitz-und Zwiebeltüme, dann steht nicht eine religiöse Dominanz- oder Überlegeneheitsfrage zur Debatte, sondern es geht ausschließlich darum, ob eine zugewanderte Minderheit unter dem Signum der Religionsfreiheit sich aufführen darf, als wäre die alteingesessene Mehrheit die Zugewanderten und nicht umgekehrt. Man will sich ja schließlich noch zuhause fühlen dürfen. Muslime christianisieren oder sie in der Religonsausübung beschneiden will niemand.
Einen Trialog zwischen den drei abrahamitischen Religionen anzufangen - wozu und mit welcher Zielrichtung? Auch mit dem Trialogisieren finden die nicht heraus, weleche Religion zu Recht sich als überlegen und dominant betrachten darf. Und sollten sdie drei Religionen trotzdem sich einigen wollen, kommen dann die Hindus, die Daoisten, die Schintoisten und die Sonnenanbeter und Voodoo-Anhänger und fordern dann auch noch mitreden zu wollen - quasi in einer Art Religions-Uno.
Übrigens, die Frage, welche Religion den anderen überlegen sein darf, entspringt doch einem geo-und egozentrischen Denken, das den Menschen zum höchsten Maß aller Dinge macht, und dann Fehler bei dessen gedanklichen Konstrukte und Spekulationen. feststellt. Besser wäre es, lieber Herr Prantl, sie würden sich mal in die Rolle vom lieben Gott versetzen. Dann kämen sie vielleicht dahinter, daß es selbigem vielleicht total wurscht wäre , mit welchem Namen (Gott, Allah, Jahwe...) und in welcher Form von Religion (monotheiostisch, politheistisch) und mit allem Drumherum (religiöse Inhalte, Rituale, Architektur der Gebäude usw.) er verehrt wird - solange er verehrt wird und, Hauptzweck: daß die Menschlein ethisch hochstehend, tugendhaft nd sittsam sich verhalten.
Wenn überhaupt Wettbewerb, dann Wettbewerb der guten Taten die man tut und der bösen Taten, die man läßt. Sie hätten mal bei Lessing und seiner Ringparabel (von 1793 ) oder im Decamerone (aus dem 14.Jahrhundert nachlesen sollen. Da steht dieser Gedanke drin. Und noch einer: Nämlich der der Toleranz. Nicht den Anderen von der Richtigkeit seiner Argumente überzeugen zu wollen, sondern ihn ganz einfach mit seiner Religion selig werden lassen.
'Und mit diesem Gedanken, der Toleranz, der bei ihren C+M+B-Betrachtungen (auch ohne "Schafsch..ße") total fehlt, war man vor über 600 bzw. 300 Jahren bestimmt weiter als Sie, lieber Herr Prantl im Jahr 2009 mit ihren in der Sache untauglichen Synthetisungsansichten, aus drei Relgionen einen abrahamitischen Einheitsbrei herzustellen.
Toleranz macht C+M+B-Trialoge entbehrlich - und schließt andere Religionen nicht aus. Und auch nicht die, bei denen die Anzahl der Götter gegen Null tendiet, nämlich die Agnostizisten und Atheisten. Diejenigen nämlich, die mit ihrem praktiziertem Humanismus den Wettbewerb im Lessingschen Sinne wahrscheinlich gewinnen würden.
interreligiöser plätzchenteig zu weihnachten
100g christentum
100g islam
100g judentum
50g "vergessenes"
1prise toleranz
zu weihnachten sollte ein solcher kommentar natürlich nicht fehlen.
die drei könige, gehen in richtung jesus, das sehen wir natürlich metaphorisch als gang der religionen.
nur ist dieses bild korrekt? den christlichen gott allah gleichsetzen -bzw. umgekehrt?
erst gegen ende des kommentars, bei aller toleranz Was ist besser: Wenn aus einer christlichen Kirche, die überflüssig geworden ist, ein Supermarkt - oder wenn daraus eine Moschee gemacht wird? [ ] Der eine baut ihm einen Glockenturm, der andere ein Minarett" - stellen sich mir die haare auf.
jippieh. unsere religionen sind ja alle so gleich.
Ich bin mir nicht sicher, aber würde ein moslem dem auch zustimmen?
im studium lernte ich mal ein (inzwischen ausgewaschenes) bild kennen:
zwei blinde haben kurz die gelegenheit zum ersten mal einen elefanten zu erfühlen. Als sie wieder heimkommen erzählt der eine ein elefant ist ganz dünn, wie eine schlange die nach oben strebt (er war wohl am kopf gestanden) der andere erzählte ich konnte ihn gar nicht umfassen, so möchtig ist er
ob wir nun alle durch jahwe und allah den gleichen gott berühren, weiß ich nicht. Die götter der bibel und des korans entsprechen sich jedoch meiner meinung nach nicht nicht.
ein gutes neues jahr. oder sagen wir ehrlich und vernünftig:
wir sind anders! ein miteinander, ein dialog der religionen ist trotzdem möglich! dazu brauchen wir ein aufgeklärtes hirn. dann können wir das fremde als etwas interessantes betrachten, über das wir mehr erfahren möchten. und wir bewahren trotzdem unsere identität.
"Miteinander suchen, Gemeinsamkeiten finden. Das ist ein bisher gescheitertes Jahrtausendprojekt" - so die Bildunterschrift. Um daraus doch noch ein erfolgreiches Projekt zu machen, empfehle ich, auch die jeweiligen Wesensunterschiede (Christentum / Islam / Judentum) gemeinsam zu suchen und miteinander zu besprechen. Hierzu verweise ich auf einen interssanten, in der Sache weiterhelfenden Vortrag, den Sie, wenn Sie "googlen" unter dem Stichwort "Archiati: Judentum, Islam und Christentum. Wer von diesen dreien hat Recht?" unter "marcstein" finden. Es lohnt sich die Mühe, ihn zu lesen - zumal, wenn man das Projekt wirklich ernst nimmt.
Paging