Russlands Präsident kritisiert die Justiz des Landes - gegen Michail Chodorkowskij aber darf sie ihre alte Rolle weiterspielen.
Nun sitzt er wieder in der "Matrosenruhe", und nach Ansicht des Boulevardblatts Moskowskij Komsomolez sitzt er da sehr gut. Michail Chodorkowskijs Zelle in dem Untersuchungsgefängnis ist mit höchstens vier Betten belegt, es gibt einen Fernseher, einen Kühlschrank, "und alles ist mit hübschen Kacheln ausgelegt, nicht schlechter als in einem günstigen Hotel".
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Chodorkowskij während seines ersten Prozesses 2004 (© Foto: AP)
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Die Süffisanz ist kaum zu überlesen, wenn es um das neue Verfahren gegen den ehemaligen Oligarchen und Chef des Ölkonzerns Yukos geht. Chodorkowskij soll sich gemeinsam mit seinem früheren Geschäftspartner Platon Lebedjew wegen Unterschlagung und Geldwäsche in Milliardenhöhe erneut der Justiz stellen.
Am Dienstag findet im Moskauer Chamownitscheskij-Gericht die erste nichtöffentliche Voranhörung statt, dazu wurde Chodorkowskij aus der sibirischen Haft in Tschita nahe der chinesischen Grenze in Russlands Hauptstadt verlegt.
Im Mai 2005 war der Unternehmer bereits wegen Steuerhinterziehung und Betrugs zu neun Jahren Haft verurteilt worden, auch damals hatte er zunächst im Gefängnis "Matrosenruhe" gesessen. Später wurde die Strafe auf acht Jahre verkürzt, aber nach Meinung des Chodorkowskij-Lagers spielt das ohnehin keine Rolle.
"Die russischen Machthaber wollen mit dem neuen Prozess erreichen, dass Chodorkowskij auf lange Zeit im Gefängnis bleibt", sagte sein Anwalt Robert Amsterdam. "Niemand sollte glauben, dass dies ein juristischer Prozess ist. Wir haben den Grad der politischen Einmischung in Russland ja immer wieder erlebt." Im Falle einer Verurteilung droht Chodorkowskij nach Angaben Amsterdams eine weitere Haftstrafe von 22,5 Jahren.
Bereits das erste Verfahren gegen den einst reichsten Mann Russlands war zum Symbol einer fragwürdigen, willkürlichen Justiz geworden. Betrug und Steuerhinterziehung hätte die Staatsanwaltschaft vermutlich vielen Privatisierungsgewinnlern der neunziger Jahre vorwerfen können, Chodorkowskij aber drängte auf eine Liberalisierung des Energiemarkts, auf private Pipeline-Strecken nach China, während Präsident Wladimir Putin die besten Stücke der nationalen Wirtschaft unter die Kontrolle des Staates stellen wollte. Und Chodorkowskij setzte seinen Reichtum politisch ein, unterstützte oppositionelle Parteien und Gruppen.
Auf Distanz zu Moskau
Mit dem Beispiel Chodorkowskij, das lag auf der Hand, wollte Moskau die politische Macht der Oligarchen brechen. Und die Inhaftierung in einem Arbeitslager in Sibirien erschwerte nicht nur die Kommunikation des Häftlings mit Anwälten und Journalisten. Sie führte auch zu einer symbolischen Distanz zur Macht.
Doch weshalb nun ein neuer Prozess stattfindet, ausgerechnet in einer Zeit, in der Präsident Dmitrij Medwedjew die Rolle der Justiz und die geringe Transparenz der Gerichtsverfahren in Russland beklagt, darüber wird im Lande gerätselt.
Der Vorwurf in der 14-bändigen Anklageschrift lautet, dass Chodorkowskij und Lebedjew zwischen 1998 und 2003 von Yukos-Firmen Öl im Wert von fast 20 Milliarden Euro gestohlen haben. Die Sache soll so funktioniert haben: Yukos-Tochterfirmen kauften Förder-Unternehmen des Konzerns Öl zu verbilligten Preisen ab und verkauften es dann zu teuren Marktpreisen weiter.
Die Förder-Gesellschaften seien auf diese Weise betrogen und Geld gewaschen worden. Verständnislos kommentierte jetzt der ehemalige Ministerpräsident Jegor Gajdar in einem Beitrag des russischen Wochenmagazins Neue Zeit die Anklage. "Diese Geschäfte waren damals legal." Auch andere Unternehmen wie Gazprom oder Rosneft hätten unterschiedliche Preise im In- und Ausland ausgenutzt.
Aussicht auf viele weitere Jahre im Knast
Die Behörden haben mit den Ermittlungen wegen der neuen Vorwürfe bereits kurz nach dem Urteil im ersten Strafverfahren gegen Chodorkowskij begonnen, für viele wirkt der neue Prozess daher wie Teil zwei einer langfristigen Strategie, den ehemaligen Konzernchef auf lange Zeit in Haft zu halten. Denn bei guter Führung könnte er eigentlich im Herbst aus dem Gefängnis freikommen.
Chodorkowskij selbst hat immer wieder den jetzigen Regierungschef Wladimir Putin und seinen Vizepremier Igor Setschin beschuldigt, mit ihm abrechnen zu wollen. Setschin, der frühere Verwaltungschef des Kremls, ist ein enger Vertrauter Putins und Aufsichtsratsvorsitzender der staatlichen Ölgesellschaft Rosneft. Das Unternehmen hat von der Zerschlagung des Chodorkowskij-Konzerns besonders stark profitiert.
Der Politologe Stanislaw Belkowskij vermutet, die russischen Behörden wollten mit dem neuen Prozess auch an das Auslandsgeld von Chodorkowskij heran, das angeblich für Aktionen gegen Putin genutzt werden solle. Auch eine Art Machtgerangel zwischen Setschin und Präsident Medwedjew, der sich für eine modernere, transparentere Justiz in Russland einsetzt, hält er für möglich.
Chodorkowskijs Anwalt Robert Amsterdam hält Medwedjews Äußerungen zur Justiz immerhin für ein gutes Zeichen, und auch, dass der Prozess in der Hauptstadt Moskau stattfindet, von der sein Mandant so lange ferngehalten wurde. "So kann er all jenen ins Gesicht sehen, die so viel unternommen haben, um sein Leben zu zerstören."
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(SZ vom 3.3. 2009/odg)
Youtube-Hit aus USA
Einer der grössten Profiteure aus den anarchischen Zuständen nach dem Zusammenbruch der SU, der mit Hilfe seiner Nähe zu Jelzin das russische Volk um Abermilliarden erleichtert hat als er sich sein Imperium im Graubereich unter den Nagel riss, zahlte so gut wie keine Steuern für seinen Raubzug und sein Anteil am Wohlstand der Allgemeinheit seit Anfang dieses Jahrzehnts ist als minimal zu bezeichen.
Aber unter Putin ging nicht mehr was unter Jelzin möglich war. Also wandelt man sich vom Saulus zum Paulus. Redet von privatisierten Pipelines (damit der Staat gleich gar nichts mehr an Abgaben bekommt), Liberalisierung des Energiemarktes (also verfestigen der oligopolen Macht für diejenigen, die bisher schon die Knete hatten - u.a. er selber), flugs mal ein paar Oppositionelle unterstützt die sich über schöne Zuschüsse freuen und dann im Sinne der fütternden Hand entscheiden wenn sie an der Macht sind.
Ausserdem: Die Immunität, die eine politische Funktion inne hat, schützt vor so lästigen Leuten wie Steuerbeamten und Wirtschaftsprüfern. Also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die im Westen hauen auf den dummen Putin ein, weil das hat hunderte Jahre gegen die Russen funktioniert - warum nicht auch jetzt. Und man selber steht da wie der geläuterte Raubritter, der nun Goldstücke an die Armen verteilt. Aber die böse Justiz hat ihn nun nach Sibirien geschickt; seit dort gibts Bilder von ihm mit verlorenem Blick und ein drittes Kind. Und der Westen ist immer noch gerührt. Bleibt er auch, da wette ich was.
Also bitte ... Putin ist zwar kein lupenreiner Demokrat, aber Chodorkowski schon gar nicht. Er ist nur ein Trittbrettfahrer der Geschichte, dem der eigene Raubzug auf den Kopf fällt.
Der Unterschied zwischen heutigen russischer Justiz und deutscher Justiz während 3. Reiches ist wirklich sehr gering. aber zwischen heutigen deutschen Justiz und heutigen russischen Justiz liegen Welten. Erst wird dem Chodorkowski das zur Last gelegt was in 90 jahren in Russland absolut legal war, und das ohne Russland von 90 Jahren als Unrechtstaat zu erklären.
Chodorkowskij und Konsorten haben sich durch kriminelle Machenschaften ein Riesenvermögen unter den Nagel gerissen. Wer hier noch glaubt, da sei alles mit rechten Dingen zugegangen, der glaubt sicher auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.
Andere Kriminelle wie Abramowitsch haben sich zeitig abgesetzt. Chodorkowskjj und seine Kumpane haben in ihrem Größenwahn jedoch geglaubt, unangreifbar zu sein und kriegen nun nicht mehr, als sie verdient haben.
Insoweit könnte sich die deutsche Strafjutiz von der russischen eine Scheibe abschneiden und endlich mal anfangen, gegen die "Nieten in Nadelstreifen" vorzugehen, nämlich gegen Investmentbanker, die unsere Volkswirtschaft an den Rand des Abgrundes gezockt haben und auch gegen ihre Hiwis in der Politik, die dies mit der Deregulierung des Marktes erst ermöglichten.
Also die Russen, die ich bei meinen Aufenthalten dort kennengelernt hatte, haben alle so grob über ihre Regierung vom Leder gezogen, gespickt mit zotigen Witzen, da würde den Deutschen in der Regel die Phantasie zu fehlen.
Aber Hauptsache, der Erbfeind vererbt sich weiter - ...da fallen die Ursachen eigenen Probleme nicht mehr auf.
@Geronimo.:
Russische - oder - deutsche Justiz. Wo ist da bitte der Unterschied?
^^
Der Unterschied ist das jemand wie sie der sich solche Aussagen über den eigenen Staat erlaubt das dort nicht lange machen würde. Aber sie Freiheitsverwöhnter Skeptiker wissen eben nicht wie gut sie es mit der Deutschen Justiz haben. Freu mich wenn sie mal im Auslandsurlaub in die Räder anderer Rechtssysteme geraten.
Paging