Ein Kommentar von Daniel Brössler

Der Fall Opel zeigt: Wenn es um Geschäfte mit Russland geht, können sich SPD und Union einigen. Das Verhalten ihrer Abgeordneten im Fall Chodorkowskij ist aber beschämend.

Michail Chodorkowskij ist ein Opfer der russischen Justiz. Sie hat, wie vom Europarat festgestellt, in einem ersten Prozess gravierend gegen die eigene Strafprozessordnung verstoßen, um den einstigen Milliardär für acht Jahre ins Arbeitslager zu schicken. In einem zweiten Verfahren will sie nun sicherstellen, dass Chodorkowskij auf unabsehbare Zeit hinter Gittern bleibt.

Bild vergrößern

Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowskij auf dem Weg ins Gericht. (© Foto: AP)

Anzeige

Der Vorwurf der Unterschlagung von 350 Millionen Tonnen Erdöl ist so absurd, dass er diesem Prozess kafkaeske Züge verleiht. Zur Abschreckung von Kritikern und Oligarchen hatte Wladimir Putin, der Präsident, Chodorkowskij einst einkerkern lassen. Nun verhindert Putin, der Regierungschef, seine Freilassung.

Wer im Russland des Dmitrij Medwedjew den Partner sucht, wird anständigerweise also auch immer Putins Gefangenen im Blick haben müssen. Das gilt für Außenminister Frank-Walter Steinmeier, wenn er an diesem Mittwoch Moskau besucht. Das gilt aber ebenso für den Bundestag. Dort sind sich alle Parteien mit der erwartbaren Ausnahme der Linken im Prinzip einig über das Wesen des Chodorkowskij-Prozesses.

Es müsste ihnen leicht fallen, in einer Resolution das Unrecht zu benennen. Stattdessen aber schlägt in der großen Koalition die Stunde der Rechthaber; eine Einigung über einen Resolutionstext ist vor der Bundestagswahl kaum in Sicht.

Im Ergebnis heißt das: SPD und Union sind in der Lage, gemeinschaftlich Opel nach Russland zu verkaufen, nicht aber dazu, im Fall Chodorkowskij zu einer gemeinsamen Sprache zu finden. Kanzlerin und Kanzlerkandidat mag das recht sein. Es erspart ihnen Ärger mit Moskau. Die Mehrheit im Bundestag aber darf sich schämen.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/blg/mati)