Beim Pressetermin fällt die Übersetzung aus, doch Präsident Hu Jintao äußert sich später trotzdem zur Frage der Menschenrechte in China. Die USA bemühen sich, den Gast als gleichberechtigten Partner zu behandeln.
Es lief alles gut, bis Ben Feller kam. Feller ist einer der Korrespondenten der US-Nachrichtenagentur AP im Weißen Haus, und er stellte die Frage, die jeder erwarten muss von einem Journalisten in einer Pressekonferenz mit Chinas Vormann, zumal in Gegenwart des US-Präsidenten. Wie, fragte also Feller im East Room des Weißen Hauses, wie steht es mit den Menschenrechten in China? Und Hu Jintao, Chinas Präsident, schwieg. Nichts sagte er dazu. Kein Sterbenswort. Zunächst einmal. Dann stellte sich heraus - zur sichtbaren Verärgerung seines Gastgebers -, dass es keine Simultanübersetzung gab. Lost in Translation, sozusagen. Das passiert sonst nicht bei gemeinsamen Pressekonferenzen mit Regierungschefs und Staatsoberhäuptern im Weißen Haus.
Staatsbankett im Weißen Haus
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Warum es das diesmal keine Sofortübersetzung gab im Zentrum der Weltmacht, ließ sich nicht feststellen. Obama sprach von "technischen Schwierigkeiten", und Hu ließ sich die Frage, um sein Gesicht nicht zu verlieren, noch einmal übersetzen - und fand dann doch ein paar Worte. Nichts Überraschendes, aber immerhin sprach er das Thema direkt und ohne Umschweife an. China, ließ er die Journalisten wissen, sei "stets dem Schutz der Menschenrechte verpflichtet" und habe "enorme Fortschritte" dabei gemacht. Kein Wort indes verlor Hu in Gegenwart des Friedensnobelpreisträgers des Jahres 2009 am Rednerpult neben ihm darüber, dass sein Land den Friedensnobelpreisträger des Jahres 2010, Liu Xiaobo, als politischen Gefangenen einsperrt. Obama sprach den Fall ebenfalls nicht öffentlich an, betonte indes die Universalität der Menschenrechte und sagte, dass er seinem Gast gegenüber in der Menschenrechtsfrage "so ehrlich" gewesen sei, "wie man es von einem Partner erwarten muss".
Auch wenn den Amerikanern das Übersetzungsdebakel peinlich sein wird - die relativ offenen Worte vor der Presse werden ihnen ins Konzept passen. Sie waren fest entschlossen, dem chinesischen Gast alle protokollarischen Ehren eines gleichberechtigten Partners im globalen Machtspiel zukommen zu lassen - Begrüßung am Washingtoner Militärflughafen durch Vizepräsident Joe Biden, ein privates Dinner im Weißen Haus mit Präsident Obama vor Beginn des förmlichen Teils der Visite, dann am Mittwoch die offizielle Begrüßung vor dem Weißen Haus mit 21 Schuss Salut, danach die üblichen Gespräche, gefolgt von einer sogenannten Pressekonferenz (zwei ausgewählte Medienvertreter jeder Seite dürfen je eine Frage stellen) und dem festlichen Bankett im Weißen Haus inklusive einem offiziellen Foto der Präsidentenpaare auf der Grand Staircase des Weißen Hauses.
Auch den bevorstehende Staffelwechsel in China - 2012 soll Hu von seinem Vize Xi Jinping abgelöst werden - haben die Diplomaten antizipiert: Ein Ergebnis des Washingtoner Treffens dürfte die Ankündigung weiterer Treffen sein - was im diplomatischen Menuett ein Schritt von erheblicher Bedeutung ist. Es wird erwartet, dass die chinesische Führung Vizepräsident Biden nach Peking einlädt. Das wäre die Voraussetzung für die Gegeneinladung Xis nach Washington, was helfen würde, dessen außenpolitische Referenzen auf dem Weg in Chinas höchstes Staatsamt zu mehren.
Aber genauso fest waren die Amerikaner entschlossen, den Chinesen mit weniger Nachgiebigkeit als bisher zu begegnen. Ein gemeinsames Kommuniqué zum Abschluss des Tages in Washington? Bis zuletzt war das in der Schwebe. Und noch im Frühstücksfernsehen am Mittwoch, als sich Hus Delegation in ihren Hotelzimmern für den Tag fertigmachte, ließ sich Außenministerin Hillary Clinton mit unbewegter Miene zum Sinn und Zweck des Treffens aus amerikanischer Sicht ein: Man wolle im Handel zwischen beiden Nationen endlich ausgeglichenere Verhältnisse herstellen: "Wir wollen einen Wettbewerb, bei dem keiner mit dem Daumen oder der Faust die Waage hinunter drückt."
Schon in den Tagen zuvor hatte Finanzminister Timothy Geithner angemahnt, dass China vor weiterem Entgegenkommen der USA seine Märkte US-Firmen besser zugänglich machen müsse und vor allem seine Währung nicht weiter künstlich niedrig halten dürfe - was Chinas Exporte in die USA billig, Importe aus den USA aber teuer macht. Auch Obama selbst unterstrich bei der Pressekonferenz, wie wichtig es ihm ist, dass China die Importe aus den USA endlich ankurbelt. Trotz des Übersetzungsdebakels und des Nachspiels, das es hinter den Kulissen haben wird, dürfte aus Sicht Pekings das Hauptziel des Besuchs erreicht sein: der Empfang Hus mit allen protokollarischen Ehren - von gleich zu gleich mit dem Führer der Weltmacht.
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(SZ vom 20.01.2011/olkl)
Müll an der Isar
Ich finde es sehr unhöflich, wenn ein Journalist bei einem Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten diesen auf den Zustand der Menschenrechte in China anspricht. Der Chinese weißt auch nicht darauf hin, dass in Amerika noch immer die große Mehrheit der Todeskandidaten Schwarze sind oder dass es Pressefreiheit für Kommunisten auch 50 Jahre nach der McCartey-Ära in Amerika noch immer nicht gibt.
Wer will wissen, warum China leider sehr bald die USA als wirtschaftlich führende Weltmacht ablösen wird: Weil die Chinesen als intelligente Realisten es vermeiden, Geld zu verschwenden. So stecken sie fast nichts in die Rüstung, während die Amerikaner trotz weltweiter Entspannung ihre Rüstungsausgaben - auch unter Obama! - dauern steigern. Die Chinesen haben auch keinen Casino-Kapitalismus zugelassen, sodass sie nun auch keinen Yuan in Bankenrettungsaktivitäten verschwenden mussten und stattdessen in Geld schwimmen. Mit diesem Geld werden sie sich bald alle Rohstoffe in aller Herren Länder sichern und auch in alle lukrativen Firmen im Ausland, auch in den USA, investieren, während die Amerikaner wegen baldigem Geldmangel ihre bisherigen immensen Auslandsinvestitionen zurückfahren müssen. Außerdem haben die Chinesischen Kinder einen fast schon unsinnigen Ehrgeiz zu lernen und voran zu kommen, während das amerikanische Bildungssystem, soweit es in staatlicher Hand ist, primitiv und rückschrittlich ist.
Vergessen wir die Menschenrechte. Wenn der weltgrößte Exporteur den weltgrößten Importeur besucht, geht's um Geschäfte -- sonst nichts. Und wenn die G-2 künftig noch engere Geschäftsbeziehungen pflegen wird, gibt es nur einen Verlierer, nämlich Deutschland. Seien wir doch zur Abwechslung mal ehrlich: der Schwerpunkt des Welthandels hat sich längst vom Atlantik zum Pazifik verlagert.
Ein gut bezahlter Posten in Forschung und Entwicklung in der Schweiz würde auch unsereinem gefallen. Wenn ich in Deutschland wohnen könnte. Die USA würde ich meiden.
Es ist eine Frage der Teilhabe, welche Gesellschaft stabil bleibt und damit gewinnt.
Da sieht es in den USA, in China und auch in Deutschland vergleichsweise schlecht aus. Wenige wurden reicher, viele hingegen ärmer.
Risikokapital ist in Deutschland kaum zu bekommen. Das ist ein zentraler Fehler.
Ob das in den USA noch so leicht zu bekommen ist, wie ehedem, weiß ich nicht.
Wenn Sie auf die USA und den Dollar setzen wollen, dann lassen Sie sich nicht aufhalten.
Die Rechtschreib- und Grammatikfehler meine ich nicht....
meinen sie die katastrophalen rechtschreib/grammatikfehler oder das klitzekleine wortspielchen?
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