China verbietet "Avatar" Ähnlichkeiten mit Außerirdischen

Chinas Filmbehörde setzt "Avatar" ab - aus Angst vor Unruhen. Viele Chinesen fühlen sich an ihren Kampf gegen skrupellose Firmen und Beamte erinnert.

Von H. Bork, Peking

Keiner versteht die Außerirdischen so gut wie die Chinesen. Der Film "Avatar" hat beim chinesischen Publikum einen Nerv getroffen. Viele Bewohner der Volksrepublik fühlen sich bei der Vertreibung des "Na'vi" genannten Volkes in dem Film an ihr eigenes Schicksal erinnert. Wegen der Olympischen Spiele in Peking und der bevorstehenden Weltausstellung in Shanghai mussten ungezählte Bürger ihre Wohnungen räumen. "All die Umsiedlungen in China machen uns heute zu den einzigen Erdenbürgern, die das Leid der Na'vi nachempfinden können", zitierte die Volkszeitung die beliebte Kolumnistin Huang Hung.

Filmszene aus "Avatar": Der Regisseur James Cameron hat in ganz China eine Welle beißender Ironie im Internet entfacht.

(Foto: Foto: Reuters)

Angst vor sozialen Unruhen

Chinas oberste Filmbehörde hat nun beschlossen, den beliebten Film nach kurzer Zeit abzusetzen. Ab Samstag darf "Avatar" in staatlichen Kinos nicht mehr gezeigt werden. Nur noch private 3-D-Lichtspielhäuser dürfen den Film weiter im Programm haben. Die Hongkonger Apple Daily spekulierte, die Zensoren hätten aus Angst vor sozialen Unruhen gehandelt. Zu viele Chinesen fühlten sich an ihren eigenen Kampf gegen skrupellose Immobilienfirmen und Beamte erinnert.

In dem Film vertreibt ein ehemaliger Soldat der US-Marines die blauen Na'vi von ihrem Land, um an wertvolle Bodenschätze zu gelangen. Andere Beobachter führten an, dass die meisten Hollywood-Filme in China ohnehin nach zehn Tagen aus dem Programm genommen würden. Pekings Filmbehörde lässt jährlich nur 20 ausländische Filme ins Land. Der Grund für die Absetzung des Films ist daher nicht völlig klar. In den ersten acht Tagen hatte "Avatar" in China bereits 300 Millionen Yuan (etwa 30 Millionen Euro) eingespielt.

Fest steht, dass der Film des Regisseurs James Cameron in ganz China eine Welle beißender Ironie im Internet und selbst in staatlich kontrollierten Medien entfacht hat. Er frage sich, ob Cameron "heimlich in China gelebt" habe, bevor er die Idee zu Avatar hatte, schrieb etwa der Blogger Li Chengpeng auf www.sina.com. Sogar die staatliche Volkszeitung zitierte ihn genüsslich.

Lächerliche Entschädigungen

Immer wieder kommt es in China zu Verzweiflungstaten von Anwohnern, die sich gegen die Zwangsräumung ihrer Häuser wehren. In Chongqing kämpfte ein Paar drei Jahre gegen den Abriss ihres Hauses. Das ganze Land zitterte mit ihnen. Im Juni 2008 warfen Pan Rong und ihr Ehemann Molotowcocktails vom Dach ihres Hauses in Shanghai, als die Bulldozer anrollten. Sie mussten weichen. Mehrfach ist es auch schon vorgekommen, dass Menschen unter einstürzenden Mauern sterben.

Oft werden die protestierenden Bürger mit lächerlichen Entschädigungen abgespeist. "Für Zuschauer in anderen Ländern ist so eine brutale Räumung jenseits der Vorstellungskraft. Es kann nur auf einem anderen Planeten oder aber in China stattfinden", schrieb der Blogger, Autor und Rennfahrer Han Han über den Film "Avatar".