Ein Kommentar von Christian Wernicke

Die Obama-Regierung umgarnt Chinas Führung mit erstaunlich tiefen Verbeugungen. Kein Wunder: Gegenüber keiner anderen Nation der Welt steht Amerika so tief in der Kreide.

So kleinlaut klingt Amerika selten. Ohne Kotau zwar, aber doch mit erstaunlich tiefen Verbeugungen umgarnte die Obama-Regierung die hohen Herren aus China, die da für zwei Tage zum bilateralen Strategie- und Wirtschaftsgipfel nach Washington gereist waren.

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US-Präsident Barack Obama beim amerikanisch-chinesischen Gipfeltreffen in Washington. (© Foto: AP)

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Vorbei die Zeiten, da US-Politiker den Machthabern im Reich der Mitte lange (und berechtigte) Vorträge zum Elend der Menschenrechte hielten. Ebenso entfiel das Ritual, Peking öffentlich wegen einer Währungspolitik anzuprangern, die seit Jahren - über einen künstlich niedrig gehaltenen Wechselkurs - Chinas Exporte massiv subventioniert.

Große Worte

Stattdessen - Bescheidenheit. Denn Washington spürt, was es Peking schuldet: US-Staatsanleihen im Wert von mindestens 800 Milliarden Dollar halten die Chinesen in ihren Händen, gegenüber keiner anderen Nation der Welt steht Amerika so tief in der Kreide. Dem Gläubiger gebührt Respekt, und er verlangt Auskunft. Stundenlang musste Amerikas Finanz- und Wirtschafts-Elite versichern, man werde die horrende Verschuldung zurückfahren, sobald die aktuelle Rezession überwunden sei. In Fernost nämlich grassiert längst die Angst, eine US-Inflation könne - per Kursverfall des Dollars - Chinas Ersparnisse ruinieren.

Außenministerin Hillary Clinton pries den sino-amerikanischen Dialog als Neubeginn. Und Barack Obama verkündete, beide Nationen würden das 21. Jahrhundert prägen. Große Worte. Welches Gleichgewicht die zwei Großmächte letztlich miteinander finden, ist noch völlig offen. Nur, Amerikaner wie Chinesen sind selbstbewusst genug, keine Gedanken mehr an Dritte zu verschwenden. Von Europa, der Alten Welt, redete niemand auf diesem Gipfel.

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(SZ vom 29.07.2009/jab)