Peking und Washington umkreisen einander misstrauisch - Rivalität liegt in der Luft: Welche Lehre aus der China-Visite von US-Präsident Obama zu ziehen ist.
China ist die politische Entsprechung zu einem Konzern an der Spitze des Dow-Jones-Index: Das Land ist zu mächtig und zu bedeutend, als dass man es ignorieren oder gar fallenlassen könnte.
Treffen in Peking: Barack Obama (rechts) und Hu Jintao (© Foto: Getty)
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Too big to fail heißt der Merksatz aus der Hochphase der Finanzkrise - wer erst einmal eine bestimmte Größe erreicht hat, der kann tun und lassen, was er will. Der wird nicht abgeschrieben.
Diese Erfahrung ist in der Politik nicht neu. Wer zahlt, bestimmt die Musik, wer dicke Muskeln hat, der muss sich gar nicht erst prügeln - das Kraftpaket wirkt schon abschreckend genug. In diesem Sinne hat der amerikanische Präsident Barack Obama in China eine Lehrstunde in Sachen Machtbeschränkung erhalten. Die USA haben in den vergangenen 20 Jahren fast uneingeschränkte Handlungsfreiheit genossen, nun neigt sich diese Phase ihrem Ende entgegen.
Noch ist zwischen China und den USA keine offene Rivalität ausgebrochen. Kleinere Hakeleien um ein Spionageflugzeug im Luftraum oder einen Erkundungs-Kutter im Seegebiet der Volksrepublik dienten lediglich der Erinnerung daran, dass die Beziehungen zweier Großmächte auch militärisch spannungsreich sein können. Heute wird der Machtkampf aber nicht mehr über die Streitkräfte ausgetragen. Er findet auf subtilere Weise statt, auf den Ölfeldern, bei Klima-Konferenzen, im ideologischen Wettbewerb um die Köpfe.
Obama abgeschirmt
Dies ist die wichtigste Lehre für den amerikanischen Präsidenten aus seinem ersten Ausflug nach China: Der Zugang zu den Köpfen blieb ihm verschlossen. Obama drang nicht durch mit seiner Botschaft, zum einen weil er abgeschirmt wurde und nicht ungehindert kommunizieren konnte.
Und zweitens, weil er sich selbst beschränkte. Obama hat sich einer politischen Selbstzensur unterworfen und gesteht damit ein: China ist bereits zu mächtig, als dass der amerikanische Präsident ungestraft seine Belehrungen und Forderungen loswerden könnte.
Stattdessen bleibt die peinliche Botschaft aus der Begegnung in der Großen Halle des Volkes hängen: Ein um die Meinungs- und Informationsfreiheit bemühter Präsident akzeptiert, dass während einer Pressekonferenz keine Fragen gestellt werden dürfen.
Wachsende Rivalität
Um die Spannung nachzuvollziehen, musste man nur den chinesischen Präsidenten Hu Jintao dabei beobachten, wie er unnahbar, roboterhaft gar, das protokollarische Zeremoniell mit Obama absolvierte. Der Haptiker Obama ist gescheitert an dem abweisend wirkenden Hu.
Genauso scheiterten die amerikanischen Vorstellungen von Offenheit, Meinungsfreiheit und am Ende auch von der Demokratie am Monolithen China. Die Partei-Autokratie ist misstrauisch und unnahbar. Misstrauen aber ist typischerweise das erste Kennzeichen einer wachsenden Rivalität zweier Mächte, gefolgt von Spannungen und manchmal am Ende gar Krieg.
Die Auseinandersetzung zwischen den USA und China findet vor der Kulisse der Finanz- und Wirtschaftskrise statt, die Amerika zum größten Schuldner und China zum größten Kreditgeber auf der Welt haben werden lassen.
China verdankt sein Wachstum dem amerikanischen Markt - Amerika verdankt seine Marktkraft dem Billiglohnland China und seiner hoffnungslos unterbewerteten Währung, dem Renminbi. Allerdings wäre es falsch, Amerikas Angreifbarkeit mit den hohen Dollar-Reserven und US-Schuldverschreibungen in den Tresorräumen der chinesischen Staatsbank zu erklären. Die Abhängigkeit ist wechselseitig, die Ökonomien sind verwoben.
An der Schwelle
Im Kern wird die Auseinandersetzung nicht um Geld, sondern um Werte geführt. Es geht darum, wer wem etwas vorschreiben darf auf dieser Welt, und nach welchen Regeln gespielt wird. Die USA haben nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem von der Tatsache profitiert, dass sie die Nachkriegsordnung und deren Institutionen - die UN, die Finanzorganisationen - nach ihrem Wertesystem modelliert haben. China steht nach seinem Wachstumsschub nun an der Schwelle, an der es sich entscheiden muss: Soll es die Regeln akzeptieren, oder bemüht es sich um ein Gegenmodell.
Dabei spielt es in erster Linie keine Rolle, ob das Fragerecht bei Pressekonferenzen, ob Meinungsfreiheit oder gar Demokratie zugelassen wird. Die Parteiideologen in Peking erklären bereits jetzt eloquent, warum Demokratie nicht unbedingt die stärkste Regierungsform sein muss, und warum Freiheit auch von einer einzigen Partei gewährt werden könne.
Obama will zunächst mal ganz praktische Probleme lösen: Verlässlichkeit und Transparenz im Wirtschaftleben, Rechtssicherheit, Dialog zwischen den Streitkräften, Verantwortungsbewusstsein im internationalen Geschäft um Rohstoffe oder die Nuklearrüstung.
China wird sich bekennen müssen, ob ihm die Ölgeschäfte mit Iran wichtiger sind als die Sanktionen. Obama muss dies auch, aber er muss seine Entscheidung öffentlich begründen und wird im Zweifel an der Urne dafür bestraft. Die chinesische Führung ist diesem Rechtfertigungsdruck im Inneren nicht ausgesetzt. Die Welt aber erwartet Erklärungen. China ist zu mächtig geworden, als dass es über seine Politik schweigen könnte.
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(SZ vom 18.11.2009/plin)
Stockender Kita-Ausbau
China iat nicht mehr im Wartestand, China hat die Macht bereits.
Zitat:
Im Kern wird die Auseinandersetzung nicht um Geld, sondern um Werte geführt.
Es geht darum, wer wem etwas vorschreiben darf auf dieser Welt, und nach
welchen Regeln gespielt wird. -
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Wer darf denn wem was vorschreiben?
Die Auseinadersetzung wird sehr wohl um Geld und Macht geführt, die Werte
stehen wie immer hinten an.
Es geht auch schon lange nicht mehr darum , wer wem was vorschreiben darf.
Jedes Land hat seine eigenen Regeln, diese müssen von den anderen
akzeptiert werden. China lässt sich doch von niemanden vorschreiben, was es zu
tun und zu lassen hat, schon gar nicht vom Westen und der USA.
Ich glaube, der Westen überschätzt immer noch seine Befehlsgewalt über die Welt,
Sie haben noch nicht erkannt , wo sie stehen. Und was heißt hier: "nach welchen
Regeln gespielt wird"? Die Regeln bestimmen sehr bald andere, z. Teil jetzt schon.
Jeder spielt nach den Regeln, die seinem Land nutzen. Das ist kein Würfelspiel,
hier geht es um die weitere Entwicklung und die Macht..
Amerika hat seine Vormachtstellung ausgenützt und maßlos überzogen.
Jetzt dreht sich der Wind. Der Wind aus dem fernen Osten bläst uns noch
gewaltig ins Gesicht.
Wer dauernd, über Jahre klar macht, wer das Sagen hat, dieses auch spüren lässt, braucht sich nicht wundern, wenn andere sich auf die Beine stellen und
voranschreiten.
Genau das hat China getan. Der Westen hat geschlafen, sie können China gar
nichts mehr diktieren. Darüber sollten sie sich im Klaren sein.
Die Macht des Westens ist vorbei. Sie haben diese mit ihrer maßlosen Lebensart
selber verspielt,. sie ersticken in Schulden, sie gehen längst rückwärts statt
vorwärts.
Zitat:
Die Welt aber erwartet Erklärungen. China ist zu mächtig geworden, als dass es über seine Politik schweigen könnte.-
-- -----------
Was die Welt erwartet, ist das eine. Was China liefert , ist das andere. Wieso kann sie nicht schweigen, zu dem was sie tun?
Sie machen ihre Politik, wir die Unsere. China ist doch nicht ein Zögling der
Westmächte, dem es zu gehorchen hat.
China wird in Zukunft den Ton angeben, ob uns das passt oder nicht.
Sie gehen unbeirrt ihren Weg. .Das muß natürlich vom Westen erst mal verdaut
werden. Für die Oberlehrerrolle ist kein Platz mehr.
Die USA suchen verzweifelt nach einem Stützpunkt, nachdem sie Cebu und Okinawa verloren haben. Das indonesische Eiland Natuna 200 km vor dem chinesischen Festland ist ideal. Das indonesische Militär baut einen riesen Stützpunkt und die Exxon - die dort nach Gas bohrt - bezahlt. Das Gas ist fast wertlos, weil es zu viel Schwefel enthält. Der USA Häuptling kauf der Exxon das Gas ab und so bekommt Indonesien die Pachtgebühr und das Parlament braucht das nicht zu genehmigen.
Das Schöne ist, daß die dummen Chinesen noch nichts davon wissen.
...macht es einen nicht, wie wenig kooperativ sich China beim Dumping-Yuan zeigt.
Aber das wäre eine Sache für multilaterale Verhandlungen. China zieht schließlich dadurch Vorteil im Handel mit vielen Ländern.