Nach dem Besuch des Dalai Lama in Berlin spitzt sich der Streit zwischen Deutschland und China zu. Der Außenminister zeigt sich besorgt über das Verhältnis zu Peking.

Nach dem Besuch des Dalai Lama in Berlin weitet China seine Strafaktionen gegen Deutschland aus. Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel am Samstag vorab berichtete, fror Peking nach der Absage einer China-Reise von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) auch den sogenannten "Strategischen Dialog der Außenministerien" ein, zu dem Staatssekretäre beider Länder jährlich zusammenkommen.

Reist nicht nach China: Finanzminister Peer Steinbrück. (© Foto: AFP)

Anzeige

Ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin bestätigte, dass ein für Oktober geplantes Treffen auf Ebene der Staatssekretäre nicht zustande kam. Unter Berufung auf den deutschen Botschafter in Peking, Michael Schaefer, berichtete der Spiegel, auch die auf drei Jahre angelegte Veranstaltungsserie "Deutschland und China - Gemeinsam in Bewegung" sei gefährdet. Vorbereitungen für ein Festival im kommenden Jahr in Kanton und Chengdu stockten.

Aus Verärgerung über den Empfang des Dalai Lama Ende September durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte China bereits mehrere Treffen mit deutscher Beteiligung abgesagt. Die Volksrepublik wirft dem im Exil lebenden religiösen Oberhaupt der Tibeter vor, eine Abspaltung Tibets von China anzustreben.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich besorgt über die Entwicklung. "Wir hatten schon bessere Verhältnisse mit China, das ist leider wahr", sagte Steinmeier vor Journalisten in Paris. "Im Augenblick besorgt uns natürlich insbesondere, dass der Besuch des deutschen Finanzministers nicht stattfinden kann, nachdem vorher schon der Menschenrechtsdialog, der Rechtsstaatsdialog abgesagt worden ist." Dies sei "eine Entwicklung, die wir so nicht belassen dürfen".

Deutschland sei "interessiert an der Wiederherstellung guter Beziehungen zu China", sagte Steinmeier. Die Bundesregierung werde sich darum kümmern, "dass das wieder auf einen guten Weg kommt".

Ein Sprecher des Außenministeriums hatte die Absage des Besuchs von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Freitag mit einem "Terminproblem" begründet.

Laut Spiegel fürchten deutsche Diplomaten, vor allem Frankreich könne von einem Boykott Chinas gegenüber Deutschland profitieren. Der westliche Nachbar schließe "erwartungsgemäß die Lücke, die durch Deutschland gelassen" werde, zitiert das Blatt aus einem Bericht der deutschen Botschaft in Peking. Die französische Industrie könne mit mehr Aufträgen rechnen. Ende November reist der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy nach Peking.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(AFP/dpa/AP/woja/jkr)