Nach jahrzehntelangem Tauziehen in Deutschland soll die Magnetschwebebahn Transrapid jetzt in Shanghai fahren.
(SZ vom 22.1.2001)
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Das Firmenkonsortium will die Verträge mit der chinesischen Regierung über die weltweit erste kommerzielle Strecke noch am Montag, den 22.2.2001 unterzeichnen. Finanzminister Hans Eichel kündigte gegenüber der SZ Hilfe der Bundesregierung an.
Ein hochrangiger Vertreter des Transrapid-Konsortiums in Peking bestätigte am Sonntag den Durchbruch. "Es ist alles unter Dach und Fach", sagte er in Peking der Süddeutschen Zeitung. Den Angaben zufolge hat Chinas Ministerpräsident Zhu Rongji in einem Gespräch mit Siemens-Chef Heinrich von Pierer angekündigt, dass sein Land eine rund 30 Kilometer lange Strecke zwischen dem Internationalen Flughafen und der Innenstadt Shanghais bauen werde.
Die entsprechenden Verträge sollen noch am Montag in Shanghai unterzeichnet werden. Geplant ist, die Bauarbeiten bis Ende 2003 abzuschließen, sodass spätestens im Jahr 2004 die Strecke in Betrieb gehen kann. Die Fahrzeit soll knapp zehn Minuten betragen. Dem Vernehmen nach wird im Jahr 2003 über eine mögliche Trassenerweiterung entschieden. In Betracht kommt offenbar die 200 Kilometer lange Strecke zwischen der über 15 Millionen Einwohner zählenden Hafenmetropole Shanghai und der Provinzhauptstadt Hangzou. Neben Siemens gehört ThyssenKrupp und lediglich noch formal die DaimlerChrysler-Tochter Adtranz zum Transrapid-Konsortium.
Wie in der chinesischen Hauptstadt weiter zu erfahren war, werde der allergrößte Teil des auf insgesamt gut 2,5 Milliarden Mark veranschlagten Projektes von China bezahlt. "Sieben Achtel bezahlen die Chinesen selbst", hieß es. Die von Insidern jetzt doch als überraschend bezeichnete Verständigung wurde als "klassische chinesische Verhandlungskunst" bezeichnet.
Finanzminister Hans Eichel (SPD) zeigte sich erfreut über die Einigung. "Die Regierung wird jetzt konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten führen, wie das Projekt in geeigneter Weise unterstützt werden kann", sagte der Minister. Der Sozialdemokrat machte über diese Andeutung hinaus jedoch keine Angaben über mögliche staatliche Finanzhilfen. Laut Nachrichtenagentur dpa erklärte der Sprecher des Transrapid-Projektes Shanghai, Peter Wiegelmann, in Berlin, die Einigung sei ohne ein zinsgünstiges Darlehen der Bundesregierung für Peking zustande gekommen. Den Wunsch von Finanzhilfen hatten die deutschen Firmen lange Zeit an die rot-grüne Regierungskoalition herangetragen.
Chancen für den Export erhofft
Finanzminister Eichel hatte die Verhandlungen des deutschen Konsortiums immer mit großer Sympathie verfolgt und exakt vor einem Jahr bei einem offiziellen Besuch in Peking erste ernsthafte Beratungen mit der chinesischen Spitze geführt. Noch jüngst hatte der Sozialdemokrat im Haushaltsausschuss des Bundestages finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt. Neben Technikbegeisterung hat Eichels Hilfe für die Magnetschwebebahn noch einen weiteren Grund: Teile für den Transrapid werden unter anderem im nordhessischen Kassel gefertigt. Dort war Eichel viele Jahre Oberbürgermeister.
Seit 1984 fährt der Transrapid auf einer Versuchsstrecke im niedersächsischen Emsland. Erst zehn Jahre später entschied sich aber die damalige Kohl-Regierung für den Bau der Strecke Berlin-Hamburg. Die Realisierung des Projektes scheiterte letztlich aber am Streit um die Höhe der Kosten. Während der Bund nur die ursprünglich zugesagten 6,1 Milliarden Mark bereitstellen wollte, bezifferten Experten die gesamte Summe auf 7,7 bis 8,9 Milliarden DM.
Konsortium und Regierung erhoffen sich von der Entscheidung in China nun weitere Chancen für den Export. In Deutschland sind unverändert Strecken in Nordrhein-Westfalen und Bayern im Gespräch. Nach dem Willen der SPDgeführten Landesregierung in Düsseldorf soll zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ein "Metrorapid" zwischen Düsseldorf und Dortmund verkehren.
In München favorisiert die bayrische Landesregierung eine Strecke von der Münchener Innenstadt zum Flughafen. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) zeigte sich zuversichtlich, das Vorhaben umsetzen zu können. Eine Entscheidung über die Transrapid-Strecke in Deutschland fällt Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) voraussichtlich erst 2002. Bodewig sagte, das China-Projekt werde positive Impulse für die Magnetschwebebahn in der Bundesrepublik bringen.
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