15 Jahre nach dem Tiananmen-Massaker sind noch Hunderte von Demonstranten in Haft. Ein Gedenken an die Opfer wird von der Regierung verhindert.
Vor 15 Jahren sorgten sie weltweit für Schlagzeilen, als sie sich im Herzen Pekings den Panzern der Volksbefreiungsarmee entgegenstellten und mutig für Demokratie und Menschenrechte in China eintraten.
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Das von der Armee angerichtete Massaker an den wehrlosen Studenten und Arbeitern auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen), bei dem offiziell mehrere hundert Menschen, nach Schätzungen Oppositioneller aber Tausende getötet wurden, löste international Empörung und eine Welle der Sympathie für die Demonstranten aus.
Es machte zugleich klar, dass die kommunistische Führung Chinas zu allem bereit war, um Auflösungserscheinungen, wie sie im Ostblock zu beobachten waren, Einhalt zu gebieten.
Im heutigen China, das sich zur wirtschaftlichen Großmacht aufschwingt, sind die Helden der blutig niedergeschlagenen Studentendemonstration vom 4. Juni 1989 bei vielen in Vergessenheit geraten.
Das liegt nicht nur daran, dass auch die neue Führung unter Staatschef Hu Jintao den von seinem Vorgänger Li Peng angeordneten Panzereinsatz gutheißt und jedwedes Gedenken an die Opfer unterbindet. Politologen beobachten, wie etwa die heutige Studentengeneration in China mehr damit beschäftigt ist, die Chancen des allmählichen Abschieds von der Planwirtschaft zu nutzen und persönlich voranzukommen, als Änderungen des Systems anzustreben.
Nach wie vor sind Kundgebungen auf dem Platz des Himmlischen Friedens nur bei Jubelanlässen zugelassen, wenn China etwa den Zuschlag für die Olympischen Spiele erhält oder sich für die Fußballweltmeisterschaft qualifiziert.
Und wie jedesmal, wenn sich der 4. Juni nähert, werden die Dissidenten mit verstärkter Überwachung drangsaliert - so wie die Universitätsprofessorin Ding Zilin, deren Sohn damals von der Armee erschossen wurde und die mit der von ihr gegründeten Gruppe der "Tiananmen-Mütter" der Opfer gedenken will.
"Firmen haben Angst, sie einzustellen"
Von den rund 15.000 Menschen, die 1989 verhaftet oder in Arbeitslager interniert wurden, sind heute nach Schätzungen von in Hongkong ansässigen Menschenrechtlern noch zwischen 300 und 500 in Haft.
Diejenigen, die überlebten und freikamen, haben extreme Schwierigkeiten, in China wieder Fuß zu fassen, wie das Informationszentrum für Menschenrechte und Demokratie in Hongkong aus zahlreichen Erfahrungsberichten weiß.
"Selbst die privaten Firmen haben Angst, sie einzustellen", sagt der Vorsitzende Frank Lu, der damals auch zu den Dissidenten gehörte und nach Hongkong fliehen konnte. "Alle paar Tage würde die Polizei am Arbeitsplatz aufkreuzen und nachprüfen, was sie tun. Das schreckt Arbeitgeber ab."
Beispielhaft ist laut Lu der Fall des Grundschullehrers Yu Zhijian aus der zentralchinesischen Provinz Hunan; er war Mitte 20, als er mit zwei Freunden nach Peking reiste und sich der Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens anschloss.
Weil sie mit schwarzer Tinte gefüllte Eier auf das Porträt Maos warfen, wurden sie mehrere Jahre lang ins Gefängnis gesteckt. Während seine Altersgenossen ihrer Karriere nachgehen und zum Teil auch einigen Wohlstand aufbauen konnten, ist Yu heute arbeitslos und in der Versenkung verschwunden. "Die Polizei überwacht ihn. Für uns ist er seit seiner Freilassung nicht mehr zu erreichen", sagt Lu.
Die kommunistische Führung in Peking sitzt derweil nach wie vor fest im Sattel. Dafür ist weniger als die Repression Oppositioneller der nunmehr über mehrere Jahre anhaltende Wirtschaftsaufschwung verantwortlich, von dem vor allem die Menschen in Chinas Großstädten profitieren.
"So lange man die Regierung nicht in Frage stellt, wird man in Ruhe gelassen", sagt der Politologe Joseph Cheng von der Universität Hongkong. Die meisten Chinesen seien überzeugt - vor allem auch mit dem Beispiel Russland vor Augen -, sie hätten politisch keine Alternative. "Sie fürchten bei einem Zusammenbruch der Regierung das Chaos."
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(Cindy Sui/AFP)
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