Ein Opfer der Pinochet-Diktatur, seit Jahrzehnten vermisst und für tot erklärt, ist plötzlich wieder aufgetaucht. Doch nicht alle freuen sich darüber.

1973 von Pinochets Schergen inhaftiert und von der Bildfläche verschwunden, 1991 für tot erklärt - und nach 35 Jahren wieder quicklebendig aufgetaucht: Das Schicksal von German Cofre sorgt für Wirbel in Chile.

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Chilenische Angehörige von Opfern halten Plakate mit den Bildern der Opfer hoch: "¿Donde estan? - Wo sind sie?" Mehrere tausend Chilenen sind während der Pinochet-Diktatur verschwunden. (© Foto: Reuters)

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Doch nicht alle freuen sich über die Rückkehr des heute 65-Jährigen, der bereits in den siebziger Jahren nach Argentinien abgetaucht sei und dort eine neue Existenz aufgebaut habe.

Für Organisationen, die sich den Schicksalen der Tausenden Opfer der Pinochet-Diktatur verschrieben haben, wirft der Fall Cofres Fragen auf. Darf man Cofre überhaupt noch zu den "Verschwundenen" zählen? Was ist mit den Kompensationszahlungen, die Cofres erste Ehefrau, die inzwischen verstorben ist, erhalten hat?

Lorena Pizarro, Sprecherin einer Organisation, die die Interessen von Familienangehörigen der Opfer vertritt, sagte: "Im Endeffekt gehört der Mann nicht zu den 'Verschwundenen'. Das erfordert eine Untersuchung darüber, ob er nicht das Gesetz gebrochen hat."

Es gebe zwar keine Beweise, dass Cofres Familie von seinem neuen Leben in Argentinien wusste. Dennoch gehöre Cofre hart bestraft, falls sich herausstelle, dass er gelogen habe, um seiner Familie Kompensationszahlungen zu bescheren.

Die Regierung ist im Fall Cofre bereits aktiv geworden: Der für Menschenrechtsfragen zuständige Richter Carlos Gajardo sagte am Dienstag, er vernehme den Heimkehrer, um alle Umstände seines Schicksals zu klären.

1991 war Cofre offiziell für tot erklärt worden

Cofre, damals ein überzeugter Kommunist, wurde im September 1973 von Soldaten entführt und in ein Geheimgefängnis geworfen. Er war bei der Straßenreinigung beschäftigt gewesen und Mitglied der kommunistischen Partei. Wie er wurden Tausende nach dem Militärputsch Augusto Pinochets festgenommen, offiziell trauert Chile um 1196 politische Gefangene, die niemals wieder gesehen wurden.

Auch Cofre zählte bis zu seinem Erscheinen in seiner alten Heimatstadt La Cisterna vor wenigen Tagen zu den verschwundenen Opfern des Pinochet-Regimes. 1991 war er offiziell für tot erklärt worden. 1992 hatte seine Frau offiziell beantragt, ihren Mann als Verschwundenen ausweisen lassen. 1995 wurde er sogar beerdigt, weil sterbliche Überreste eines anderen Opfers irrtümlich als Leiche Cofres identifiziert wurden. Dieser Fehler wurde erst 2006 korrigiert.

In Wahrheit war Cofre offensichtlich nicht sehr lange im Gefängnis. Nach seiner Entlassung floh er ins argentinische Mendoza und verließ seine Ehefrau und drei Söhne. In Argentinien hat der Chilene eine zweite Familie gegründet.

Unter der Herrschaft Pinochets, die bis 1990 andauerte, wurden 2000 Menschen umgebracht, knapp 30.000 Menschen wurden gefoltert. Etwa 200.000 Chilenen flohen ins Exil.

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(sueddeutsche.de/gba)