Mit seinem Antrag auf einen Haftbefehl gegen Sudans Präsident al-Baschir wagt sich der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs Luis Moreno-Ocampo an die "großen Fische". Unter Kollegen gilt der 56-jährige Argentinier als "leidenschaftlicher Überzeugungstäter".

Er ist ein in der Wolle gefärbter Menschenrechtler und hat sich der weltweiten Verfolgung von Verbrechern verschrieben. Der Argentinier Luis Moreno-Ocampo setzte sich am Montag über politische Opportunität hinweg und verlangte einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) gegen Sudans Präsidenten Omar al-Baschir wegen Völkermordes.

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Luis Moreno-Ocampo. (© Foto: AFP)

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Erstmals verfolgt der 56-jährige Chefankläger einen amtierenden Staatschef und rückt damit einmal mehr seine Leidenschaft im Kampf für Gerechtigkeit ins Rampenlicht. "Er wird nicht müde zu wiederholen, dass er den phantastischsten Beruf der Welt hat", sagt seine Mitarbeiterin Béatrice Le Fraper.

"Er arbeitet rund um die Uhr, er empfindet seinen Auftrag, den Opfern in Darfur oder Uganda Gerechtigkeit zu verschaffen, als großes Glück", fügt sie hinzu. Seine Sporen verdiente Moreno-Ocampo sich als blutjunger Vize-Staatsanwalt im Prozess gegen die Chefs der argentinischen Militärjunta Anfang der achtziger Jahre. 800 Zeugen wurden im Verfahren gegen die Diktatoren vernommen, das mit einem Schuldspruch für fünf der acht Angeklagten endete.

Lässt sich nicht beeindrucken

Damals erzählte der junge Moreno-Ocampo, wie seine Mutter ihn wegen seiner Rolle in dem Prozess ausschimpfte. Schließlich sei der starke Mann der Junta, General Jorge Videla, ein "guter Katholik" gewesen, den sie jeden Sonntag in der Messe sah. Doch weder damals noch heute lässt sich der Argentinier von solchen Überlegungen beeindrucken.

Selbst die Anmerkungen von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der im Falle einer Anklage gegen Beschir um den Friedensprozess in Darfur fürchtet, schlug er in den Wind.

"Auf der Höhe seines Jobs"

Menschenrechtsorganisationen äußerten sich beeindruckt, dass der 56-Jährige sich endlich an die "großen Fische" wage. "Jetzt ist er endgültig auf der Höhe seines Jobs", sagt Geraldine Mattioli von Human Rights Watch. Bislang hatte der Chefankläger zwölf internationale Haftbefehle und die Auslieferung von vier mutmaßlichen Kriegsverbrechern an das Gericht in Den Haag erwirkt: drei kongolesische Milizionäre und der frühere Vizepräsident des Kongo, Jean-Pierre Bemba.

Seine rednerischen Fertigkeiten konnte der Mann, der meist schwarze Anzüge und weiße Hemden trägt, vor dem Internationalen Gericht noch nicht demonstrieren. Ein Prozess gegen den kongolesischen Milizenführer Thomas Lubanga wurde wegen Verfahrensfehlern verschoben. Aber die Referenzen des bärtigen Juristen, der Englisch mit spanischem Akzent und erheblicher Geschwindigkeit spricht, lassen ein sicheres und kompetentes Auftreten erwarten.

Verteidigte Fußballstar Maradona

Moreno-Ocampo arbeitete bei der Weltbank und bei der unabhängigen Antikorruptionsorganisation Transparency International, er lehrte in Harvard und verteidigte einst sogar den umstrittenen argentinischen Fußballstar Diego Maradona.

"Er ist ein Überzeugungstäter, sehr leidenschaftlich, aber als Idealist möchte er sicher nicht beschrieben werden", sagt seine Mitarbeiterin Le Fraper. Als er 2003 die Rolle des Chefanklägers am IStGH übernahm, wusste Moreno-Ocampo, dass es kein leichter Job werden würde, kreuz und quer über den Planeten zu jetten, um Regierungen und Institutionen zur Kooperation bei der Strafverfolgung von Kriegsverbrechern zu bewegen - zumal seine Frau und seine vier Kinder nach seiner Ernennung in Buenos Aires blieben.

Vor drei Jahren erinnerte er sich an seinen Prozess gegen die argentinische Junta: "Ich war 32. Ich dachte, das würde mein wichtigster Fall als Staatsanwalt sein", sagte er in einem Zeitungsinterview. "Heute denke ich, das war nur Training."

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(AFP/dmo/mati)