Venezuelas Präsident Chávez ist mit dem Versuch gescheitert, den Sozialismus in der Verfassung zu verankern. Die Opposition sieht darin den Anfang vom Ende der Ära Chávez.
Die Bürger des südamerikanischen Erdöllandes Venezuela haben in einem Referendum die von Staatspräsident Hugo Chávez geplante Einführung des Sozialismus mit knapper Mehrheit abgelehnt.
Präsident Hugo Chávez muss die erste Abstimmungsniederlage in mehr als acht Jahren hinnehmen. (© Foto: AP)
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Nach Auszählung von etwa 88 Prozent der Stimmen sei der erste Teil der vorgesehenen Verfassungsänderungen von 50,70 Prozent und der zweite von 51,05 Prozent der Stimmen zurückgewiesen worden, teilte die Wahlbehörde CNE in der Nacht zum Montag in Caracas mit. Eine Wende sei nicht mehr möglich, versicherte CNE-Präsidentin Tibisay Lucena.
In einer live übertragenen Pressekonferenz gestand Chávez seine Niederlage ein. Er tue dies, um Spannungen im Land zu vermeiden, sagte er nach der Bekanntgabe des offiziellen Wahlergebnisses. Es handle sich jedoch nur um eine "vorübergehende Niederlage", sagte er. "Wir setzen unseren Kampf für den Sozialismus fort."
Chávez sagte, dass seine Ziele wohl zu ehrgeizig gewesen seien. Offensichtlich sei das Land noch nicht reif für den großen Sprung zum Sozialismus, erklärte er vor Journalisten in Caracas. Der Verlauf des Referendums zeige jedoch, dass die Demokratie in Venezuela weiter auf dem Vormarsch sei. Von seinem sozialistischen Weg werde er sich durch den "Pyrrhussieg" der Opposition um keinen Deut abbringen lassen, versicherte der Präsident.
"Die Demokratie hat gegen den autoritären Sozialismus gewonnen"
Seinen Gegnern, die er noch vor kurzem als "Vaterlandsverräter" beschimpft hatte, gratulierte Chavez, konnte sich einen Seitenhieb an die Opposition jedoch nicht verkneifen: Deren Befürchtungen, er würde das Ergebnis möglicherweise nicht anerkennen, seien vollkommen unangebracht, betonte der 53-jährige Staatschef.
Im ganzen Land feierten vor allem junge Leute das Ergebnis des Volksentscheids unter "Freiheit"-Rufen auf der Straße. Mehrere tausend Menschen versammelten sich auf dem Altamira-Platz in der Hauptstadt, wo US-Hits aus den Lautsprechern dröhnten. "Wir haben lange auf diesen Moment gewartet", sagte der 27-jährige Student Edwin Sanchez. Dies sei der Beginn von Chávez' Fall. "Wir haben gezeigt, dass wir ihn besiegen können."
Der Bürgermeister von Chacao im Osten von Caracas, Leopoldo López, rief: "Die Demokratie hat gegen den autoritären Sozialismus gewonnen!" Ex-Verteidigungsminister Raul Baduel, früherer Weggefährte von Chávez aus der gemeinsamen Zeit beim Militär und einer der prominentesten Gegner der Verfassungsänderungen, rief die Venezolaner dazu auf, nun eine "wirkliche Demokratie aufzubauen".
Er warnte vor der Möglichkeit, der Präsident könne versuchen, die Änderungen, die er per Volksentscheid nicht erreichte, durch den gesetzgebenden Prozess einzuführen.
Auch die römisch-katholische Kirche sowie ehemalige politische Verbündete des Präsidenten und sogar dessen sonst stets loyale Ex-Frau hatten sich der breiten Front angeschlossen. Sie werfen Chávez vor, mit seinen Reformplänen eine Diktatur aufbauen zu wollen.
Vor dem Amtssitz des Präsidenten gab es lange Gesichter und Gesten der Ratlosigkeit.
Es ist die erste Abstimmungsniederlage von Chávez in knapp neun Regierungsjahren. Die Verfassungsänderung sollte dem Staatschef einen erheblichen Machtzuwachs verschaffen. Chávez wollte damit erreichen, unbegrenzt wiedergewählt werden zu können. Laut Verfassung endet dessen Macht spätestens im Januar 2013 mit Ende der zweiten Amtszeit.
Zudem sollte der Präsident die Kontrolle über die ausländischen Währungsreserven und weitgehende Befugnisse im Fall eines Ausnahmezustandes erhalten. Mit der Reform wollte Chávez seine sozialistische Revolution in der Verfassung verankern. Kritiker warfen ihm vor, damit seine Macht zu sehr zu erweitern.
Bereits bei der Stimmabgabe im Armenviertel 23 de Enero in der Hauptstadt hatte der umstrittene Chávez versichert, er werde die Entscheidung der Wähler unabhängig vom Ergebnis respektieren. Chávez hatte am Freitag noch angekündigt, er wolle bis 2050 an der Macht bleiben. In Venezuela kann ein Präsident gemäß der Verfassung von 1999 nur ein Mal wiedergewählt werden.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier begrüßte das Scheitern der Verfassungsreform in Venezuela. Der Ausgang des Referendums zeige, "dass Nachdenklichkeit und Selbstbewusstsein noch in ausreichender Weise vorhanden sind", sagte der SPD-Politiker. Noch sehe er aber keinen Anlass, die Haltung der EU gegenüber Venezuela zu überdenken. Zunächst müsse man abwarten, ob es nun zu einer offeneren Gesellschaft komme.
An dem Referendum beteilten sich etwa 56 Prozent der Stimmberechtigten. Bei der Präsidentenwahl vor einem Jahr waren es noch 70 Prozent, und 63 Prozent von ihnen stimmten damals für Chávez. Das Referendum wurde von etwa 100 Wahlbeobachtern aus 39 Ländern begleitet. Nicht vertreten waren die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und die Europäische Union.
(sueddeutsche.de/AFP/AP/dpa/Reuters/bosw/gal)
Kanzlerin Merkel und die Macht
In Venezuela kursieren Gerüchte, dass der Präsident das Ergebnis der Wahl anfechten möchte. Der Grund, die bisherigen Ergebnisse sind ein erstes Bulletin nach der Auszählung von 88% der Wahlzentren. Sprich 12% der Wahlzentren waren zu diesem Zeitpunkt nicht ausgezählt. Bei einer Differenz von 2% gibt es noch die Möglichkeit dieses Wahlergebnis zu ändern. Seit der Akzeptierung des Wahlergebnises hat der Präsident sein Vokabular von einem Pyrhius-Sieg der Oposition zu einem S.c.h.e.i.s.s-Sieg der Oposition verschärft. Ausserdem spricht er davon den Verfassungsentwurf nochmals abstimmen zu lassen, was wiederum Verfassungswiedrig wäre.
Die einzige Bremse sind die Streitkräfte nachwievor verfassungstreu und unzufrieden mit dem obligatorischen Slogan "Vaterland, Sozialismus oder Tod". Ein Vertreter dieses Empfindens ist der frühere Verteidigungsminister Baduel, ehemals enger Vertrauter Chavez's, der 2002 den Staatstreich gegen Chavez verhindert hat.
Am Ende eine Bananenrepublik.
Lebensmittel, aus venezolanischer Sicht problematisch sind Milch und Milchprodukte wie Butter und Käse. Bis heute gibt es noch keine Technik um diese in Energie umzuwenden. Eher noch die Abfallprodukte der Produktoren, "Kühe", liesen sich in Energie umwandeln, was aber auch wieder klimaschädliche Effekte hätte...
Energieausfälle in Europa, wenn einmal im Jahr in Europa der Strom weg ist, sind daran die privaten Unternehmen schuld. Was wenn in Venezuela, mit dem zweit grössten Staudamm in Südamerika, mit Erdöl als Quelle für Energie der Strom bis zu 2 mal pro Tag weg ist, ist dann daran der staatliche Energieversorger Schuld?? Was ist effektiver?
Soziale Sicherheit, soweit ich mich erinnere gibt es in Europa ein soziales Netz, möglicherweise lückenhaft, ineffizient und nicht weit genug entwickelt, aber zumindest es existiert. In Venezuela gibt es eine Sozialversicherung für Arbeitnehmer, die nicht funktioniert. Es gibt ein Gesetz dass vom Parlament 2002 verabschiedet wurde, aber nicht legalisiert wurde. Sprich die venezolanische Regierung mit einem 100% regierungstreuen Parlament ist nicht interessiert daran eine Sozialgesetzgebung zu verabschieden, die in der Verfassungsänderung als neues Projekt vorgeschlagen wurde....
Glaubt jemand, dass die lupenreinen Demokraten Bush, Cheney, Rumsfeld, Negroponte & Co auch die Abstimmung verloren hätten, wenn sie in der Haut von Chavez gesteckt hätten?
Also, ich würde glatt behaupten, NIE UND NIMMER!
Wenn Sie sich denn mal die Mühe machen, meinen vorherigen Beitrag genau zu lesen, werden Sie erkennen, dass ich Chavez nicht als Faschisten bezeichnet habe, sondern als populistischen Caudillo, und in diesem Zusammenhang den Namen Perón erwähnt (der übrigens KEIN Mitglied irgendeiner "argentinischen Junta" war). Ich habe auch geschrieben, dass Chavez kein "lupenreiner" Diktator ist (wie z.B. Pinochet, der übrigens das Gegenteil eines Populisten war).
Ein Caudillo (Oberhaupt, Heerführer) ist nicht notwendigerweise ein Faschist (kann es aber auch sein, wie im Falle Francos). Der sogenannte "Caudillismo", der seine Ursprünge im 19. Jahrhundert hat, wird begünstigt durch die soziale Situation eines Landes (die miserable ökonomische Lage eines Grossteils der Bevölkerung, korrupte und ineffiziente Bürokratie, kulturelle Faktoren wie Analphabetismus und Machismus). Die Sehnsucht nach einem starken charismatischen Mann, der all diese Probleme löst, führte auch zur Wahl von Hugo Chávez. Das Problem ist, dass dieser Wahlerfolg Chávez derart zu Kopf gestiegen ist, dass er sich selbst als eine Art Messias ansieht und nunmehr eine Verfassungsänderung anstrebt, die es ihm ermöglichen soll, auf Lebenszeit zu regieren (und das auch noch im Namen des "Sozialismus"). Seine Gegner pauschal als von der CIA unterstützte Krawallmacher zu diffamieren, ist allzu einfach. Es geht darum, dass hier jemand ein Referendum angestrebt hat, um seine persönliche Macht zu zementieren und zu legitimieren. Die Mehrheit der Venezolaner hat sich dagegen entschieden, und das ist auch gut so.
Die seit 1976 verstaatlichte öl-Förderung und öl-Vermarktung verschafft dem selbsternannten Despoten die Milliarden-Mittel, mit denen er sich den von den demokratischen Mehrheiten abgelehnten Sozialismus erkaufen wird. Wie Chavez selber sagt, wird dies ein langer und harter Kampf.....
Bei einem öl-Preis von 88 - 90 Dollar kommen genug Milliarden ins Land, um Kuba auf Dauer auszuhalten, um die FARC massiv zu unterstützen und um die Tausendschaften der Rollkommandos weiter mit Motorfahrzeugen und automatischen Waffen zu versorgen. Der Despot hat noch mehrere Jahre Zeit, seine Ermächtigungsgesetze auf dem Wege des Dekrets durchzubringen. Widerstand wird nicht geduldet. Die nächste Wahl ist noch sehr fern. Und bis dahin wird sicher auch jeder weitere Lapsus bei der automatischen "Stimmenauszählung" verhindert werden. Das der Wahlbetrug bei diesem Referendum nicht funktioniert hat, war einfach Pech. Ein Versagen einiger Funktionäre des Regimes, die fachlich nicht auf der Höhe waren. Das passiert nicht noch einmal.
Also: Venezuela - aufpassen auf die Bande. Laßt die Rotkappen nicht aus den wachsamen Augen
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