Von Ralf Wiegand

Mathias Petersen sollte für die Sozialdemokraten als Spitzenkandidat antreten. Nach internem Streit sollen nun die Mitglieder entscheiden, wer Ole von Beust herausfordert.

Nun weiß Mathias Petersen, woran er ist: Mit 13 zu zehn Stimmen hat der Vorstand der Hamburger SPD dem Landesvorsitzenden und designierten Spitzenkandidaten für die kommende Bürgerschaftswahl das Misstrauen ausgesprochen.

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Per Beschluss stellte das Gremium fest, es gebe "einen erheblichen Vertrauensverlust gegenüber dem Landesvorsitzenden". Als Konsequenz suchte die Parteiführung gleich noch eine Alternative zu Petersen, 51, für den Posten des Spitzenkandidaten - und fand eine Kandidatin.

Urabstimmung der Genossen

Dorothee Stapelfeldt, 50, Vize-Vorsitzende und Bürgerschaftsabgeordnete, tritt im Vorentscheid gegen ihren Vorstandkollegen an. Nun dürfen die etwa 11.500 Hamburger SPD-Mitglieder per Urabstimmung den Bewerber ums Bürgermeisteramt wählen.

Die Lage bei den Sozialdemokraten an der Elbe hatte sich bis Montagabend zugespitzt. Hamburger Zeitungen stellten am Dienstag das Zusammentreffen des Landesvorstands als "dramatische Nachtsitzung" (Abendblatt), "Kandidaten-Krise im Tollhaus SPD" (Morgenpost) oder "Putschversuch" (Bild Hamburg) dar.

Sogar der Rückzug Petersens als Vorsitzender und Spitzenkandidat schien möglich zu sein. Mehrmals in der Sitzung wurden entsprechende Forderungen laut. Der Hausarzt aus Altona, politischer Quereinsteiger mit dem Hang zu Alleingängen, denkt aber nicht an Aufgabe: "Das Wort Rücktritt hat es in der ganzen Diskussion nicht gegeben."

Die Partei versucht nun, die Zerrissenheit als Stärke zu verkaufen. "Das zeigt, dass wir in der SPD gleich mehrere haben, die es mit Bürgermeister Beust aufnehmen können", sagte etwa Michael Neumann, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft. Tatsächlich aber ist die Kandidatur der früheren Parlamentspräsidentin Stapelfeldt aus Petersens Schwäche heraus entstanden.

Seiteneinsteiger ohne Stallgeruch

Unter dessen Ahnen finden sich zwar Bürgermeister und Senatoren - jedoch fehlt dem Seiteneinsteiger, der erst seit drei Jahren in der Politik einen Namen hat, der SPD-Stallgeruch. Immer häufiger fühlten sich die Funktionäre zuletzt übergangen, wenn Petersen politische Themen anschob. Zudem gibt es einen Konflikt in der SPD, wer die lange Zeit verheerenden Bekanntheitswerte des Kandidaten zu verantworten hatte: Petersen selbst oder das Parteimanagement.

Petersen hieß die Mitgliederbefragung gut. "Damit kenne ich mich ja aus", sagte er. Auf diese Art war er vor zwei Jahren zum Vorsitzenden gewählt worden. Für die SPD-Basis verkörperte der unabhängige Mediziner da noch den notwendigen personellen Neuanfang, nachdem der Verlust der Macht an die inzwischen alleinregierende CDU nicht bewältigt zu sein schien.

Nun darf es aber offenbar gern wieder ein bisschen mehr Parteidisziplin sein: Dorothee Stapelfeldt jedenfalls, wie Petersen dem linken Flügel zuzurechnen, ist schon seit mehr als 20 Jahren in Spitzenämtern für die Hamburger SPD unterwegs.

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(SZ vom 24.01.2007)