In der SPD soll eine mutige Abgeordnete gehen - bleiben wollen jene, die das Chaos schufen.
Vor drei Wochen beschloss Kurt Beck in Absprache mit sich selbst den Kursschwenk der SPD hin zur Linken. Offenkundig konnte er zu diesem Zeitpunkt die Folgen seines Schrittes nicht absehen. Ansonsten hätte er den Mund gehalten. Dass Beck sich selbst und die SPD mit seiner im Grundsatz durchaus erwägenswerten Entscheidung mutwillig in eine Katastrophe stürzte, mögen ihm auch seine Kritiker nicht unterstellen.
Kurt Becks Schicksal ist eng mit dem Andrea Ypsilantis verknüpft: Bleibt sie Landesvorsitzende, kann er Parteichef bleiben. (© Foto: dpa)
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Aber die Katastrophe ist da, und ein Ende nicht in Sicht. Allein der Vorwurf des Wortbruches und der politischen Tölpelei wog und wiegt schwer genug. Mit den politischen Purzelbäumen der hessischen Möchtegern-Ministerpräsidentin Andrea Ypsilanti hat sich die Sozialdemokratische Partei Deutschlands der Lächerlichkeit preisgegeben. Sie wirkt ratlos und zerrissen.
In Wiesbaden scheint Ypsilanti weiterhin bereit, das Schicksal ihrer 145 Jahre alten traditionsreichen Partei einer wirr anmutenden Gruppierung ausliefern, die unter anderem mit der Verstaatlichung von Schlüsselindustrien liebäugelt. Auf ihrem Weg hin zur Macht schrecken die hessischen Roten unter Ypsilantis Führung auch nicht vor Mobbing zurück. Und sie konnten sich dabei sogar darauf berufen, dass sie von Beck und der gesamten SPD-Führungsspitze freie Hand erhielten.
Der Umgang mit der Darmstädter Abweichlerin Dagmar Metzger darf als kollektives Mobbing beschrieben werden. Metzger hat sich, jedenfalls nach allem, was man bislang weiß, korrekt verhalten. Sie lehnt aus politischen und persönlichen Gründen eine Zusammenarbeit mit der Linken ab und vertraute auf das Wahlversprechen, dass es zu einem solchen Bündnis nicht kommen werde.
Auch machte sie ihre Bedenken öffentlich und ersparte Ypsilanti damit womöglich das würdelose Ende, das Heide Simonis in Schleswig-Holstein erlebte. Nun tangieren Koalitionsentscheidungen normalerweise nicht das Gewissen der Abgeordneten. Wäre es anders, gäbe es im Bund vielleicht keine große Koalition. Doch statt Dagmar Metzger zu danken, dass sie Schlimmeres verhütete, verlangt man nun von ihr, das direkt vom Volk erteilte Mandat zurückzugeben. Das mutet an wie eine zweite Wählertäuschung.
Der Hessen-SPD geht es wie der CSU in Bayern und der Union im Bund. Sie begreift sich als natürliche Regierungspartei, hält jedwede andere Koalition für einen Betriebsunfall. Sie hat bis heute nicht verstanden, dass ihre Spitzenkandidatin Ypsilanti am Ende zwar Siegerin, aber nicht Ministerpräsidentin geworden war. Das bleibt Roland Koch.
Auch Beck mag in seinen Überlegungen vor drei Wochen zwischenzeitlich zu dem Schluss gekommen sein, dass der Partei und ihm als Vorsitzenden eine weitere SPD-Ministerpräsidentin gut täte auf dem Weg hin zur Bundestagswahl 2009, selbst zu einem hohen Preis.
Denn eine schwache Volkspartei im Bund stärkt sich gemeinhin mit der (Rück-)Eroberung der Macht in den Ländern, wie zuletzt das Beispiel der Merkel-Union bewies. Erst spät ließ er von Generalsekretär Hubertus Heil ein Machtwort verkünden.
Inzwischen ist Becks Schicksal eng mit dem Ypsilantis verknüpft. Bleibt sie SPD-Landesvorsitzende, kann er Parteivorsitzender bleiben, schließlich ist Ypsilanti nach Lesart der verunsicherten Bundespartei verantwortlich für die Vorgänge in ihrer hessischen Heimat. Und Beck hat ein zweites Netz.
Seine Kritiker in der Parteispitze, unter ihnen die Stellvertreter Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier sowie Fraktionschef Peter Struck, haben den Beschluss zum Linksschwenk nicht nur mitgetragen, sie haben ihn mitformuliert, auch wenn sie damit Rot-Rot in Hessen nicht ermöglichen, sondern verhindern wollten. Sollten sie den Vorsitzenden jetzt nicht mehr unterstützen wollen, müssten allerdings auch sie Konsequenzen ziehen - und ihre Parteiämter abgeben.
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(SZ vom 10.03.2008/gba)
Müll an der Isar
"Da nach meiner Meinung sparsame Eltern, die das Geld sich durch nicht-in-den-Urlaub-fahren, Investition in die Ausbildung ihrer Kinder etc. mühsehlichst absparten nicht dafür später noch als quasi Dankeschön in den Hintern getreten werden sollten. "
Von "in den Hintern treten" kann ja keine Rede sein. Denn es wird ja nicht der Verstorbene besteuert, sondern der Erbe. Hätten die Großeltern das Geld ausgegeben wären sie ja auch für den Konsum als Dankeschön "in den Hintern getreten" worden, denn da hätten sie auch Steuern bezahlt.
Dies führt auch zu Antworten auf die Fragen der Quellenbesteuerung von Kapitalerträgen.Die Abschaffung der Besteuerung von Kapitalerträgen würde de facto eine Branche kreieren, die einkommenssteuerfrei wäre. Denn das Argument "Das ist mein Privatgeld, das wurde schon mal besteuert" liesse sich dann auch auf ander Dinge anwenden. Z.B. das sind Transporter, die ich von meinem schon versteuerten Privatgeld gekauft hab, wenn ich die jemandem ausleihe, der damit arbeitet, kann ich das was ich dafür bekomme steuerfrei behalten.
"das Geld ist nicht mehr da. Es ist nicht mehr verfügbar und das System trägt nicht mehr."
Einfache Gegenfrage, vielleicht schafft die mehr Erkenntnisgewinn :
Hat das System denn jemals getragen?
Wenn ja, wie konnte das sein, denn die Privatvermögen (Wohlstand der Deutschen) sind kontinuierlich gestiegen. Das würde ja nach Ihrer "Theorie" heißen, je niedriger der allgemeine Wohlstand um so besser trägt das System. Dann hätten wir doch in Afrika Systemparadiese.
Da dem nicht so ist, liegt es also nicht daran, wie hoch die Privatvermögen absolut sind, sondern wie sich der "Nutzen" aus der Gesamtwirtschaftsleistung eines Landes auf die Bevölkerung verteilt. Je gleichmäßiger um so besser "trägt" das System. Das heißt nicht, daß bei völliger Gleichverteilung das System optimal läuft, denn dem gegenüber steht der individuelle "Anreiz" innerhalb des Systems voranzukommen, der z. B. zu technologischen Entwicklungen führt, die das Niveau des Systems verbessern. Dieser Anreiz in einer konsumorientierten Gesellschaft ist monetär. Die Balance macht das System erfolgreich UND tragfähig. Und diese Balance wurde aufgegeben. Abstrakt formuliert: relativer Erfolg ist für eine Zeitperiode nur in einem begrenzten Umfang verfügbar. Wenn dieser Erfolg zu ungleich verteilt wird, kann der Aufwand um diesen Erfolg in der nächsten Zeitperiode zu ermöglichen nicht mehr von allen geleistet werden.
Das Geld (Steuern) das an den Staat abgegeben wurde, damit der seine Aufgaben erfüllt, gehört zu gleichen Teilen allen, oder wissen Sie davon, daß der, der mehr Steuern bezahlt einen Anspruch auf bessere staatliche Leistungen als andere haben müsste? Insofern steht der Nutzen aus diesem Geld prinzipiell auch allen zu gleichen Teilen zu.
Ich empfehle weiterhin Grundkenntnisse der VWL.
Jetzt können Sie sich Gedanken machen, wie man den Fehler im System beseitigen kann. Aber Vorsicht, das Ergebnis Ihrer Überlegungen wird Ihnen persönlich nicht gefallen.
Danke, Sie sind ja neuerdings so lieb zu mir ..Nun, genug geküsst: Sie sind mir ja ein schöner Geldumverteiler und Vermögens-Bildner für alle - mal eben ein paar Durchschnittswerte gebildet und gut ist es. :)) Im Ernst mir geht da im Text zuviel durcheinander. Was hat Frau Quandt mit dem Soli zu tun? Warum, um Himmels Willen, sollte "die Wirtschaft" die Kosten der Wiedervereinigung tragen bzw. zwei Zeilen früher sagen Sie, "dieses Geld" gehört zu gleichen Teilen allen --- also ernsthaft: ich komme da nicht mit.
Was ich halbwegs verstehe: Das Prokopf-Privatvermögen. Dass dem so nicht ist, wissen Sie und jetzt wirds wieder schwierig... wohin wollen Sie?
Unwucht des Systems: sehe ich nicht. Fehler im System: sehe ich, aber behebbare, denn jede fortschreitende gesellschaftliche Entwicklung braucht Überarbeitung von Zeit zu Zeit. Also jetzt klären Sie mich mal auf ...:))
@ tappy
Man sollte das Geld nicht einfach von reich nach arm umverteilen, man muß es sich erarbeiten. Jede Generation muß gerade im Mittelstand die Möglichkeit haben mit Leistung an gutes Geld zu kommen, sonst fehlt ein Großteil der Motivation. Ich will mich nicht auf Glück verlassen, sondern mir was ehrlich erarbeiten.
MfG M.
10.03.2008 18:10:07
AK871: @tappy: Sind es auch noch 5,4 Billionen oder 5400 Mrd. wenn...
... Sie berücksichtigen, dass das inkludierte Sachvermögen verkauft werden muss um dieses Wert als Geld zu erhalten?
Ansonsten prinzipielle Zustimmung, nur sollte man immer offen sagen, dass auch das eigen kleine Reihenhäuschen eines Montagearbeiters in Sindelfingen zu ganz erheblichen Anteil zur großen Zahl beiträgt
Freundliche Grüße
Paging