CDU/CSU-Fraktion Volker Kauder, unbeugsamer Gegner der Ehe für alle

Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ist tiefgläubiger Protestant und gegen die Ehe für alle.

(Foto: dpa)

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist kein Erzkonservativer. In Fragen von Familie und Religion aber ist er unnachgiebig.

Von Susanne Höll

Mag sein, dass Volker Kauder in diesen Tagen seinem Lieblings-Sozialdemokraten Peter Struck besonders nachtrauert. Mit seinem zwischenzeitlichen Amtskollegen, dem 2012 verstorbenen langjährigen Fraktionsvorsitzenden der SPD im Bundestag hatte er sich nämlich außerordentlich gut verstanden. Einen "Vertrauensbruch", wie ihn Kauder der SPD im Zwist um die Ehe für alle vorwirft, hätte er in Strucks Zeit womöglich nicht zu beklagen gehabt.

Aber die Zeiten sind, wie sie sind, und sie sind so, dass diejenigen in der CDU, die in der Gesellschaftspolitik konservativ sind, nun hopplahopp über die Ehe für Homosexuelle abstimmen müssen. Wohlgemerkt, der 67-jährige Jurist Kauder gehört nicht zu den Erzkonservativen der Union, die sich in verschiedenen Zirkeln zusammengeschlossen haben. In manchen Dingen denkt er liberal, und er hat auch eine soziale Ader; zum Beispiel leitete er vier Jahre lang die Bundesvereinigung "Aktion Psychisch Kranke".

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Aber in Familien- und Religionsfragen ist er unbeugsam. Die Homo-Ehe, verbunden mit dem Adoptionsrecht für Gleichgeschlechtliche, lehnt er seit Langem strikt ab. Dass Kinder einen Vater sowie eine Mutter brauchen, ist seine Grundüberzeugung. Die inzwischen vergleichsweise liberale deutsche Abtreibungsregelung geht ihm persönlich zu weit, Sterbehilfe und Präimplantationstechnik sind ihm sehr suspekt. Der im baden-württembergischen Singen aufgewachsene Kauder ist ein tiefgläubiger Protestant. Der Schutz des Lebens vom Anbeginn bis zum Ende ist ihm ethisch das Wichtigste überhaupt.

In der CDU ist er mit einer solchen Einstellung keineswegs allein. Auch die sozialpolitisch linke und ansonsten sehr liberale saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer denkt in der Frage gleichgeschlechtlicher Ehen wie Kauder, wie er würde sie es gern bei der eingetragenen Lebenspartnerschaft belassen. Auch in der Bundestagsfraktion teilen viele seine Haltung und werden, wie der Vorsitzende, am Freitag mit Nein stimmen.

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Wer nun auf den Gedanken kommen sollte, Kauder tue sich mit seiner traditionellen gesellschaftspolitischen Einstellung schwer im Umgang mit Frauen - der allerdings liegt völlig falsch. Mit seiner Frau Elisabeth, einer Ärztin, führt er seit 1974 eine ausgesprochen moderne Ehe. Die beiden gehen auf im jeweiligen beruflichen Leben, im Urlaub ist die Ehefrau oft für Hilfsorganisationen unterwegs.

Mit Kanzlerin Angela Merkel versteht sich Kauder seit Jahrzehnten ausgezeichnet. Die beiden sind in manchen Fragen anderer Meinung, am wechselseitigen Vertrauen und Respekt ändert das nichts. Vielleicht liegt das auch daran, dass Kauder ihr in ihrem Kampf um die Kanzlerkandidatur 2002 persönlich gesagt hatte, dass er und andere sie nicht für geeignet hielten. Inzwischen ist er seit zwölf Jahren Fraktionschef der Union im Bundestag, so lange wie noch keiner. Und den Job würde er nach der Wahl auch gern behalten.

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