In der CDU ist Christian Wulff ein Machtfaktor - und galt als Angela Merkels Kronprinz. Auch wollte der Ministerpräsident groß als Wirtschaftsexperte der Union herauskommen. Nun aber redet er von "Selbstzweifeln". Er sei nicht kanzlerfähig.
Vor genau einem Monat, am 16. Juni in Celle, trat Christian Wulff gutgelaunt vor seinen Landesverband. Da verkündete er, "noch lange" Ministerpräsident in Hannover bleiben zu wollen. Welche Nachricht! Die Parteifreunde klatschten brav - und glaubten ihm wohl kein Wort. Der 16. Juni war der Tag, an dem Wulffs Intimus David McAllister zum neuen Landesvorsitzenden der niedersächsischen CDU gewählt wurde - und der Tag, an dem die bundespolitischen Ambitionen des Christian Wulff manifest wurden.
Ehrlicher Mensch oder gewiefter Politiker? Christian Wulff sagt, er traue sich nicht zu, Kanzler zu werden. (© Foto: AP)
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Der niedersächsische Ministerpräsident, erst im Februar im Amt bestätigt, begründete seinen Verzicht auf den Landeschef-Posten ganz offen damit, sich stärker als bisher in die Bundespolitik einbringen zu wollen. Er beabsichtige, "an der Seite Angela Merkels" das wirtschaftspolitische Profil der CDU zu schärfen.
Die Union hat in Sachen Ökonomie eine Lücke, die durch den Weggang von Friedrich Merz entstanden ist. Es fehlt an inhaltlichem Profil - und so sprach alles für Wulffs Revier. Auch die weiteren Signale waren eindeutig: Über die Bild-Zeitung erklärte der CDU-Crack, für Schwarz-Gelb auf Bundesebene kämpfen zu wollen. Und der gebürtige Osnabrücker äußerte sich zur Renten-, Gesundheits- und Energiepolitik, er saß in TV-Talkshows und machte bella figura.
Und jetzt? Jetzt sagt Wulff seinem Lokalblatt Hannoversche Allgemeinen Zeitung: "Ich bleibe in Hannover und gehe nicht nach Berlin." Der Zeitschrift Stern wiederum sagt Wulff sogar, er strebe weder das Amt des Bundeskanzlers noch eines Bundesministers an: "Auf mich wartet in Berlin niemand." Für das Kanzleramt fehle ihm der "unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles unterzuordnen." Und: "Ein guter Landespolitiker ist noch lange kein guter Kanzler."
Dann psychologisierte Wullf noch ein bisschen. Es klang, als habe er gerade ein Selbstfindungsseminar besucht. Als "Alphatiere" der deutschen Politik zählte der Politiker dabei Parteichefin Merkel, den Hessen Roland Koch und den früheren SPD-Chef Franz Müntefering auf, sich selbst aber sparte er aus - dafür habe er sich "zu viele Selbstzweifel erhalten". Er beziehe aus Machtpositionen "keinen Lustgewinn", kuschelte Wulff, dessen Glück in zweiter Ehe ein großes öffentliches Thema gewesen ist.
Ist das nun eine ehrliche Auskunft eines Politikers, der tatsächlich keine Ambitionen hat, mehr Macht zu bekommen, als er ohnehin schon hat? Oder ist es ein Schachzug eines politisch gewieften Akteurs?
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Ein Jahr vor der Bundestagswahl wechselt man als Kanzlerpartei ohnehin nicht die Pferde. Für 2009 ist die Rallye für den Niedersachsen also vorbei. Aber nicht der Wunsch wider den Stachel zu löcken. Der Mann hat Wilhelm Busch delektiert: "... gesetzt den Fall ich tadle mich, so hab ich erstens den Gewinn, dass ich so hübsch bescheiden bin. Zum Zweiten denken sich die Leut, der Mann ist voller Redlichkeit!". 2013 läßt grüssen.
Also, sie haben durchaus Recht,wenn sie anmerken, dass ich zu kurz gepsrungen bin. Ich wollte dazu noch etwas schreibe, war aber dann in Zeitdruck, weil ich hier noch einen Termin wahrnehmen musste.
Sicher waren die Niedersachsen, die ja im Frühjahr 1998 mit einem deutlichen Votum für Schröder erst dessen Kanzlersein ermöglicht haben, nach der Demission seines Nachfolgers Glogowski gereizt und willens, der SPD einen Denkzettel zu verpassen.
Glogowski hatte den Egoismus übertrieben und zeigt nach aussen weder ein Unrechtsbewusstsein noch ein Schamgefühl. Er hatte sich an die Wirtschaft verkauft, ließ Hochzeit von Kaffe- und Bierherstellern und die Reise von TUI sponsern. Dann zahlte er seinen Beitrag für die Ministerpräsidentenwohnung in Hannover nicht. Das reichte für den Rücktritt. Dann kam der Lehrer aus Goslar und der stand ein halbes Jahr vor der Wahl in den Umfragen sehr gut da und die Meinungsforscher sagten Gabriel einen Sieg voraus.
Als die Werte aufgrund der sozialdemokratischen Bundespolitik kippten, machte Gabiel strategische Fehler und so kam es zum Desaster für die SPD. Es lag ganz gewiss nicht am überzeugenden Wulff, es lag am dramtsichen Zustand der SPD, sowohl in der Landes als auch in der Bundesregierung. Und Gabriels Management sorgte für den Rest. Aber der fiel weich und wurde dann unter Merkel Minister und dort zeigte er auch schon wieder seine nicht vorhandenen Fähgkeiten in der Krisenbewältigung.
wie kann ein solch charismatisches genie nur von selbstzweifeln zerfressen sein ? unbegreiflich, nein: tragisch für unsere republik !
Viele Niedersachsen hatten damals im wahrsten Sinne des Wortes die Schn..ze voll von der SPD-geführten Landesregierung. Das alles nur mit dem Lehrer aus Goslar oder der Agenda 2010 zu begründen, wäre etwas zu kurz gesprungen.
Die kurze und unrühmliche Episode von Glogowski als MiPrä, diverse kleine Skandälchen, die Konzentration der damaligen Landesregierung auf das "Niedersächsische Bermudadreieck" (Hannover-Braunschweig-Göttingen) was Bildungsinvestitionen und Wirtschaftsförderung anbelangte usw. hat Wulf damals in die Hände gespielt.
Nicht zu vergessen der damalige und eigentlich sensationelle Wiedereinzug der Liberalen in den Nds. Landtag, der Wulf erst die Regierungsbildung ermöglichte.
Paging